Auf der anderen Seite: meine erste Vorlesung

Das hier ist kein how-to! Ich habe im Wesentlichen keine Ahnung wie man eine gute Vorlesung hält und habe noch nie eine geplant. Meine Erfahrung beschränkt sich auf eine Vertretungsstunde mit dem Material meines Profs.

Hier das Protokoll.

3 Wochen vorher: Mein Prof kündigt an, wegen eines Konferenzbesuchs seine Vorlesung nicht halten zu können und bittet mich die Stunde (es ist eine 45 Minuten Vorlesung) zu vertreten. Ich stimme natürlich zu und fühle mich sehr geschmeichelt.

2 Wochen vorher: Ich bekomme die Powerpoint zugeschickt: 34 Folien, ich erinnere mich an etwa 40 % und bin erstaunt, dass die Vorlesung so stark überarbeitet wurde, seit ich sie vor zwei Jahren gehört habe.

1 Woche vorher: Ich schaue in meine alten Unterlagen und stelle fest, dass die Vorlesung kaum überarbeitet wurde und ich nur jede Menge vergessen habe. Kurze Panikattacke. Dann ausführliche Recherche, ich habe sogar die Originalpaper aus den 40er Jahren gelesen. Außerdem weiß ich genau, was in der Stunde vorher dran war und was in der nächsten kommen wird.

4 Tage vorher: Ich bespreche die Folien mit meinem Prof. Meine Änderungsvorschläge werden gemischt aufgenommen (Gut: ich habe Formeln neu formatiert, sodass sie schön aussehen/ lesbar sind. Neutral: Ich habe die Reihenfolge leicht verändert. Nicht akzeptabel: Ich würde zwei Folien gerne rausschmeißen.)

3 Tage vorher: Schlüsselübergabe (die Vorlesung findet in einem anderen Gebäude statt). Ich überprüfe, ob ich den Raum finde und der Schlüssel wirklich passt. Außerdem schaue ich mir den Stecker mit dem man den Laptop an den Beamer anschließt genau an.

1 Tag vorher: Was wenn der Beamer nicht funktioniert???????

2 Stunden vorher: Unterlagen kopieren.

20 Minuten vorher: Der Beamer funktioniert!

5 Minuten vorher: Es tauchen Studenten auf. Ich versuche seriös zu wirken.

Minute 0: Ich stelle mich vor, wiederhole kurz die letzten Stunden und fange an.

Minute 10: Drei Studenten schreiben mit, der Rest starrt ausdruckslos in die Luft, hat den Kopf aber in meine ungefähre Richtung gedreht, was ich als Interesse werte.

Minute 15: Es wird eine Frage gestellt und ich kann sie beantworten. Großartig.

Minute 30: Ich lasse nebenbei einfließen, dass ich das Originalpaper von 1948 gelesen habe. Die Studenten verziehen keine Miene.

Minute 45: Ich beende minutengenau die Vorlesung und habe tatsächlich alle Folien geschafft. Ich bitte die Studenten die Stühle hochzustellen und sie fangen gleich damit an, was ich als Bestätigung meiner Autorität werte.

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