Deine Arbeit des letzten Jahres in 10 Minuten – der Konferenztalk

In den Naturwissenschaften sind Konferenzen in der Regel in sogenannte Sessions gegliedert. Je nach Größe der Konferenz gibt es nur eine Session zur selben Zeit oder auch zehn parallel. Die Session hat üblicherweise ein Thema und zwei Moderatoren. Die Moderatoren kündigen die Sprecher an und moderieren die Fragen des Publikums im Anschluss. Die Vorträge dauern zwischen 8 und 12 Minuten plus 2-3 Minuten für Fragen und es gibt 5 bis 10 Vorträge pro Session.

Du hast also etwa 10 Minuten, die Relevanz deiner Forschung zu zeigen, die Methodik zu erklären, die Ergebnisse zu präsentieren und sie im Vergleich zu anderen Arbeiten zu diskutieren. Auf Englisch natürlich. (In anderen Disziplinen können Konferenzen ganz anders aussehen – dazu wird es auch noch einen Artikel geben.)

Das ist eine ganz schön schwierige Aufgabe. Hier ein paar Hinweise, die vielleicht helfen.

Was willst du eigentlich sagen?

Überlege dir, welche Ideen/Schlussfolgerungen die Zuhörer aus deinem Vortrag mitnehmen sollen. Zwei oder drei Punkte sind ganz gut. Sieben sind eher zu viel. All die Methodik, die du erklärst und die Ergebnisse, die du zeigst, sollten diese Punkte unterstützen. Es ist in der Regel hilfreicher sich auf wenige Ergebnisse zu konzentrieren, als zu versuchen alle deine Ergebnisse vorzustellen. Siehe auch Punkt 4: Erschlage dein Publikum nicht mit Daten.

Mache dich mit der Session vertraut

Es gibt Sessions, die haben Titel wie „Die Bedeutung von Backpulver für die Fluffigkeit von Kuchen.“ In so einem Rahmen brauchst du nicht erklären, was Backpulver ist und was es tut. Du kannst in deinem Vortrag „Messung der Fluffigkeit von Kuchen in Abhängigkeit der Backpulvermenge“ gleich in die Details einsteigen.

Dann gibt es aber auch Sessions die heißen „Desserts“ und dann solltest du besser erklären was Backpulver ist.

Versuchs mal mit Verständlichkeit

Erläutere deine Annahmen und Vorgehensweisen so, dass auch jemand, der sich mit dieser speziellen Methodik nicht so gut auskennt, die Ergebnisse einordnen kann. (Wenn sich die Session auf eine bestimmte Methodik konzentriert, kann man sich das sparen.) Verliere dich nicht in Details. Die Leute interessieren sich am meisten für deine Ergebnisse und die Schlussfolgerungen, die du daraus ziehst. Sie möchten einschätzen können, ob du diese zu Recht ziehst.

Erschlage dein Publikum nicht mit Daten

Niemand will zehn Folien mit komplizierten Grafiken sehen. Beschränke dich auf wenige Ergebnisse (auch wenn du mehr hast) und diskutiere diese lieber ausführlicher.

Wenn du eine komplizierte Theorie hast, erläutere sie

Vielleicht mit einer schicken Grafik? Vielleicht bestätigen deine Daten eine bekannte Hypothese oder stellen sie in Frage. Dann reicht es in der Regel, diese am Anfang des Vortrags kurz vorzustellen. Falls du aber eine komplizierte, neue Theorie hast, um deine Daten zu erklären, solltest du dir genug Zeit nehmen, diese zu erläutern.

Erstelle eine „Zusammenfassung“ oder „take home message“ Folie

Deine Zuhörer hören eine ganze Reihe von Vorträgen direkt hintereinander. Bring deine wichtigsten Punkte am Ende des Vortrags noch einmal klar raus, damit sie im Gedächtnis bleiben. Richtig schön ist es, wenn hinter jedem Punkt eine kleine Grafik ist (z.B. die unterstützenden Daten in vereinfachter Form).

Halte dich an die Vorgaben

Soll das Format 4:3 sein oder 16:9? Werden bestimmte Kategorien verlangt? Musst du Interessenkonflikte oder Fördergelder benennen?

Außerdem Wichtig: sind Achsenbeschriftungen lesbar? Die Qualität der Grafiken gut genug?

Üben, üben, üben!

Du hast zehn Minuten und danach wirst du höchstwahrscheinlich auch unterbrochen. Probe deinen Vortrag, um sicherzugehen, dass du die Zeit einhältst und ausnutzt. Übe deinen Vortrag, damit du sicher sprichst. Wenn du feststellst, dass dir die Aussprache von bestimmten englischen Worten schwerfällt, überlege dir Alternativen. Ich würde den Vortrag mindestens dreimal vor der Konferenz halten. Du solltest die Folien auswendig kennen und nicht von der Reihenfolge überrascht werden. Außerdem finde ich es hilfreich, sich einen guten letzten Satz zu überlegen, um nicht unvermittelt aufzuhören. (Falls du weniger obsessiv bist als ich, kannst du diesen Punkt etwas aufweichen.)

Bereite dich auf Fragen aus dem Publikum vor

Überlege mit deinen Kollegen, welche Fragen kommen könnten. Wenn du die Frage nicht verstehst, frag ruhig einmal nach. Wenn du die Frage dann immer noch nicht verstehst, ob akustisch oder inhaltlich, schaue hilfesuchend zum Moderator. Bei schwierigen/sehr kritischen Fragen, versuche eine Diskussion nach der Session anzubieten.

Frag deine Kollegen, wie der Dresscode ist

Ob du in Jeans und Pulli oder mit weißem Hemd/Bluse besser angezogen bist, solltest du vor der Abfahrt klären.

 

Zuletzt: Keine Sorge, es ist ganz normal nervös zu sein. Außerdem sind Konferenzen in der Regel ein großer Spaß, das wird sicher super.

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