Der Schlussteil (2): Wie überlebe ich die Diss-Endphase?

Körperhygiene vs. Voranschreiten der Diss – credit: Jorge Cham, PhD Comics (http://phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=1185)

Vor zwei Wochen ging es hier darum, wie ich meine Dissertation gut beende – praktisch gesehen. Aber die größere Hürde ist häufig ja nicht der praktische Aspekt, sondern irgendwie psychisch intakt aus diesem Dampfkessel der Diss-Endphase herauszukommen (ich erwähnte ja schon die stetig abnehmende Körperhygiene, die PhD Comics auf den Punkt gebracht hat) Heute gibt es dazu ein paar Ideen – und einen pep talk. Denn ich glaube, das brauchen wir alle am meisten. Deshalb zuerst der pep talk.

Ein Pep Talk (in Form eines Briefes)

Liebe Doktorandin, lieber Doktorand,

zuallererst möchte ich dir gratulieren. In wenigen Monaten gibst du deine Dissertation ab. Das ist die Kulmination von vielen Jahren harter Arbeit, vieler Entbehrungen, die du auf dich genommen hast. Du hast so viel gelernt, so viel gegeben. Du hast dich in ein dir völlig neues Forschungsthema eingearbeitet und es durchdrungen. Du kannst sogar – begründet – Position beziehen zu den gängigen Forschungsmeinungen! Du hast eine Forschungsfrage erarbeitet, die relevant ist, eine Lücke aufgedeckt, die vor dir noch niemand gesehen hat (oder sich die Mühe gemacht hat, zu beackern). Du hast, größtenteils im Alleingang, dir Methodenwissen angeeignet, Daten erhoben oder Quellen gesichtet, vielleicht Tage und Nächte im Labor verbracht. Du hast gelernt, dich in der wissenschaftlichen Welt zu behaupten. Du hast Seminare gegeben und Studierende für Themen begeistert, von denen sie nicht einmal wussten, dass sie existierten. Du hast sie mehr gefördert, begleitet und ernster genommen, als es deine Chefs, das Professorium, normalerweise tun. Du hast Papers veröffentlicht, deinen Namen zum ersten (und zweiten …) Mal schwarz auf weiß veröffentlicht gesehen (was deine Eltern besonders stolz macht!). Und das alles für ein ziemlich mickriges Gehalt – denn du bist Idealistin. Das ist wahrscheinlich weitaus mehr, als du dir als Erstsemester jemals zugetraut hättest. Versetze dich einmal kurz zurück in dein Ersti-Selbst und erzähle dir, wie weit du gekommen bist! Du kannst wirklich stolz sein auf dich.

Jetzt ist nur noch eine Hürde zu bewältigen – und das schaffst du. Denn die eigentliche Arbeit ist geleistet – siehe oben. Der Schlussteil (und die Einleitung) dienen ja eigentlich hauptsächlich dazu, deine Arbeit zu verpacken, wie der Hochglanzumschlag eines Buches. Deine Leserinnen und Leser sollen sich dazu verleiten lassen, deine ganze Arbeit zu lesen – deshalb erzählst du ihnen, wie und warum und wieso du das gemacht hast, was du gemacht hast. Das macht Arbeit, aber deine Diss (und du!) hat diese Arbeit verdient.

Du hast vielleicht Angst, dass deine Dissertation doch nicht so relevant ist, wie du eigentlich dachtest. Oder dir fehlt eine zündende Idee, wie du alles zusammen bringen kannst. Ich glaube, das ist Quatsch. Du hast bereits bewiesen, dass du eine ernstzunehmende Wissenschaftlerin bist. Du bist intellektuell absolut dazu fähig, den Schlussteil zu schreiben. Erinnere dich an all den Zuspruch, den du in den vergangenen Jahren erfahren hast. Das gilt, nicht die Zweifel, die die jetzt bekriechen. Nimm dir Zeit, aber quäle dich nicht selbst, wenn keine Ideen kommen. Die wichtigsten Ideen hast du schon gehabt. Sonst wärst du nicht da, wo du jetzt bist. Und: Fertig ist wichtiger als perfekt. Wie Julia Simoleit hier sagte:

Unfertig wird die Diss. nie gut sein. Man muss das Ganze am Ende in irgendeine Form bringen, und das macht man, so gut man kann. Und ob es am Ende für magna, summa, oder …  Auch mit einem cum laudekann das Leben gut weitergehen.

Und zuletzt: Tu dir was Gutes. Jeden Tag. Ein paar Ideen sind unten aufgelistet. Du schaffst das!!

Alles Liebe,

Ulrike

Ein paar Ideen

1. Lass dich einladen – ein Sozialleben für Höhlenmenschen

Das Problem ist, dass du in der Diss-Endphase wahrscheinlich kaum Zeit und Kopf hast, dich um dein Sozialleben zu kümmern. Ich hatte einfach keine Energie, selbst die Initiative zu ergreifen. Aber ein paar  WhatsApp-Nachrichten mit Terminabsprachen zu beantworten ging so gerade noch. Also war ich sehr dankbar für alle Leute, die von sich aus geschrieben haben und gefragt haben, ob wir uns zum Mittagessen treffen wollen. Regelmäßige Mittags-Dates haben mich in dieser Zeit über Wasser gehalten. Also: Sag doch einfach deinen Freunden, dass du es gerade nicht schaffst, selbst die Initiative für Treffen zu ergreifen, aber dass du super dankbar bist, wenn sie das tun.

2. Übe Dankbarkeit- das Leben ist mehr als die Promotion

 Ich finde es hilfreich, jeden Tag etwas zu finden, wofür ich dankbar bin. Das hilft, die Perspektive zu wechseln. Mir tut es gut, den Blick von mir selbst und meinen Problemen wegzulenken und auf etwas anderes, wichtigeres, Größeres zu richten. Ich kann das besonders gut in alten Kirchengebäuden, andere tun das beim Betrachten von Kunst oder in der Natur.

3. Tu dir jeden Tag etwas Gutes – ohne Orga-Aufwand

Tu dir etwas Gutes, was keinen Organisationsaufwand erfordert. Zum Beispiel: Kauf dir ein tolles Schaumbad und lege dich nach der Bib-Schicht in die Badewanne. Mach dir schöne Musik an oder einen podcast oder eine Serie (Franziska hat Empfehlungen!) Bonus: Mach dir einen Becher Eis fertig dazu und/oder ein Glas Rotwein!

 

Habt ihr Ideen, wie ihr gut die Diss-Endphase bewältigen könnt? Was sind eure Erfharungen?

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