Die Gamifizierung deiner Promotion! Spielend dran bleiben

Foto by Carl Raws on unsplash

Das Konzept der Gamification findet seit einigen Jahren auch im Hochschulkontext Einzug – endlich! Was im Marketing schon seit Jahren Anwendung findet, musste sich offensichtlich erst mal in den unendlichen Weiten des Universitäts-Universums beweisen. Und etabliert sich leider auch nur langsam in den Hörsälen und Seminarräumen. Denn beim Gamifizieren geht es darum, dass Spielelemente – beziehungsweise spezielle Designelemente und ihre dahinter stehenden Ideen – in zuvor nicht-spielerische Kontexte eingebunden werden und es so zu Lernerfolgen oder auch zu mehr Spaß und Engagement beim Lernen kommt. In Schulen wird dieses nicht zu Letzt seit der Pandemie auch gerne genutzt, um das Home Schooling etwas erträglicher zu gestalten. Und was für Schule und Hochschule gilt, kann doch auch einem Promotionsprojekt nicht unbedingt schaden, oder? Daher will ich euch ein paar Ideen vorstellen, die vielleicht zu einer gesteigerten Gamifizierung eurer Promotionsprojekte führen können. Oder die zumindest (wieder) mehr Spaß und Teil-Erfolge in die Promotionszeit bringen könnten.

Laut der Überblicksstudie von Ruben Schlag und Maximilian Sailer (2021) lassen sich im Hochschulbereich bei der Verwendung von Spieleelementen positive Effekte in der Lernaktivität sowie auch in der Motivation der Lernenden in diversen Einzelstudien nachweisen (S. 460ff.). Interessant ist beispielsweise, dass Quiz-Formate in der Lehre – z.B. über solche Apps wie Kahoot! Oder Quizalize – in einigen Studien auch zu besseren Prüfungsnoten führen. Auch konnte bereits wissenschaftlich gezeigt werden, dass in solchen Versuchsgruppen größere Lernerfolge nachweisbar sind, die wiederholt die Kombination „Lesen + Gaming“ (z.B. über angepasste Spielversionen von Bingo oder Jeopardy) in ihren Veranstaltungen anwenden. Lernen und Spielen geht gut zusammen – und hinterlässt offenbar tiefere Verbindungen im Gehirn, als es beispielsweise nur das reine Lesen allein vermag! Gleichzeitig zeigen andere Studien, dass die Gamifizierung zwar nicht zwangsläufig zu einer Priorisierung von Inhalten durch die Lernenden beitragen muss (das was wir ansonsten schon nicht wirklich gerne machen, wird auch im Zuge von Games weiterhin nicht hoch priorisiert; das was als schwer verdaubar gilt, bleibt es leider weiterhin). Werden aber Spielelemente, Visualisierungen, Kooperationen oder Challenges und ähnliche Instrumente eingebaut, dann wird die Motivation überhaupt zu Lernen signifikant erhöht! Das bedeutet, überhaupt mit dem Lernen anzufangen und weiterzumachen wird durch Game-Elemente viel leichter und wahrscheinlicher. Eine gute Nachricht, die wir uns zu Nutze machen können.

Auch für die Promotion gilt: Motivation ist die Schlüsselvariable

Spieleelemente führen in der Hochschulbildung hauptsächlich dazu, dass die Lernenden engagierter am Inhalt teilhaben – dass sie überhaupt mitbekommen (wollen), was da im Hörsaal so erzählt wird. In kleineren Seminaren haben spielerische Elemente wiederum den nachgewiesenen Nutzen, dass sie die Atmosphäre beeinflussen können. So können auch eher introvertierte Lernende aktiv(er) teilnehmen und es kann auch einfach Spaß machen, gemeinsam oder gegeneinander in Gruppen an Quiz- und Rätsel-Fragen zu arbeiten. Das führt zu Lernen, ohne dass es als gesteigerte Anstrengung wahrgenommen wird. Grundlegend ist daher die Idee hinter Gamification: Es steigert die Motivation anzufangen und es führt dazu, am Ball zu bleiben. Und genau das kann man sich auch für die eigene Promotion zu eigen machen. Dazu habe ich hier eine absolut nicht vollständige, aber dennoch recht ausführliche Liste an Ideen für Euch, wie ein paar Spiel-Elemente auch in Promotionsprojekte geholt werden könnten – daher auch der ziemliche lange Post heute.

Wichtig ist dabei aber vor allem die Struktur der genutzten Games: Sie müssen einfach umzusetzen sein und gleichzeitig Spaß machen – Ein Spielelement sollte dich ansprechen, damit du es umsetzt und gleichzeitig dem Vorankommen deines Projekts dienen. Denn auch in der Promotion gilt – dran bleiben ist Alles und Motivation ist die Schlüsselvariable!

Spielelemente für Dein Promotionsprojekt

Die meist verwendeten Spielelemente in der Hochschullehre sind die folgenden (laut der Überblicksstudie von Schlag/Sailer 2021). Ich habe sie mal um mögliche Umsetzungsvorschläge für die Promotionsphase angepasst – teste doch gerne mal das Eine oder Andere aus. Es muss gar nicht alles für dich funktionieren, aber wenn eine Sache mal eine Zeit lang klappt, dann ist das doch wunderbar… und dann probierst du halt wieder mal was anderes aus. Viel Spaß dabei 😊

  • Abzeichen (Badges), Erfolge (Achievements) und ähnliche Belohnungssysteme: Wie wäre es damit, dir selbst oder auch anderen Kolleg*innen Belohnungen zu verleihen? Das muss ja nicht gleich in einer Sammlung von Pfadfinder*innen-Abzeichen enden – aber vielleicht kannst du dir im Vorhinein für ein gut erreichbares Ziel eine Belohnung in Aussicht stellen? Hier hat Franzi E. auch schon mal einen Artikel zu einem ähnlichen Gedanken geschrieben. Wichtig ist im Sinne der Gamification, dass das Erreichen einer Aufgabe unmittelbar zu einer sichtbaren Belohnung führt. Also halte die Belohnung am besten schon bereit bei dir zu Hause oder in der Nähe, sodass du direkt nach Erreichen deines Ziels darauf zugreifen kannst.
  • Ranglisten (Leaderboards) / Punktesysteme / Fortschritte symbolisieren: Auch die Idee von Ranglisten oder Fortschrittsmessungen kannst du gut gemeinsam mit anderen Promovierenden erstellen und sie können dir wirklich helfen, am Ball zu bleiben! Dabei geht es aber nicht darum, wer oben oder unten in einer Rangfolge steht. Wer schnell und langsam ist, sondern ihr solltet euch am besten auf ein gemeinsames Raster einigen, in das dann eure jeweiligen Fortschritte sichtbar für alle eingetragen werden. Es geht darum Sichtbarkeit zu schaffen, die auch ein bisschen sozialen Druck ermöglicht 😊 Aber ohne euch gegenseitig übertrumpfen zu wollen. Zum Beispiel habe ich von guten Erfahrungen mit einer geteilten Excel-Liste gehört. Ihr verabredet beispielsweise einen sogenannten Schreibmarathon zu machen – z.B. jede Woche 7 Seiten Rohtext für die Diss zu verfassen und das für einige Wochen durchzuhalten (oder was auch immer). Am Ende eines jeden Tages könnt ihr in die gemeinsame Excel-Liste eine Markierung, z.B. eine Farbe oder eine Seitenzahl eintragen, um zu sehen, ob ihr das Tagesziel (ca. 1,4 Seite pro Tag/bei 5-Tage Arbeitswoche) geschafft habt – oder auch nicht. Und dann seht ihr – und die anderen auch! – ob ihr das Wochenziel erreicht habt. Am Ende der Challenge (s.u.) gibt es dann eine Belohnung für alle (s.o.)! Wichtig hierbei: Motiviert euch gegenseitig und versucht euch gemeinsam am Erreichen des Wochenziels aller zu erfreuen – und feiert dann auch den Ende eures Marathons. Diese Art der Motivationssteigerung ist insbesondere für überschaubare Zeiträume gedacht, nicht für die gesamte Promotionszeit! Aber so eine gemeinsame Challenge kann immer wieder in die Promotionsarbeit eingebaut werden. (Und auch wenn ihr keine anderen Promovierenden dazu findet, kann z.B. ein*e Freund*in oder ein*e Partner*in mitmachen und ein anderes Ziel in einer dennoch gemeinsam sichtbaren Excel-Liste dokumentieren – Sporteinheiten pro Woche/ selbstständig gekochte Gerichte/etc. wichtig ist, dass es für die anderen sichtbar gemacht wird, denn erst das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du auch tatsächlich an deinen Zielen festhältst.)
  • Challenges: Wer kennt sie nicht, die gute alte Challenge. Dabei meine ich gar keine tiktok-artige Challenge, die dich zwingt, krass über deine Grenzen zu gehen. Es geht vielmehr darum, dir über eine Wettbewerbssituation oder über eine Zeitbegrenzung die notwendige Motivation zu holen, eine Aufgabe auch wirklich anzugehen. Hilfreich war für mich zum Beispiel die Challenge, eine für mich an einem Nachmittag/Abend schwere Aufgabe oder ungeliebte Tätigkeit bewusst heraus zu suchen und mir dann die Challenge zu geben, am nächsten Morgen als Erstes genau dieser Aufgabe 20 Minuten nachzugehen. Sei es eine Literaturübersicht erstellen, eine ungeliebte Anfrage an eine*n Prof. mailen oder auch nur eine Textpassage überarbeiten, die mir so gar nicht liegt. Diejenige Aufgabe, die mir meist an diesen Nachmittagen als wirklich ätzend vorgekommen ist und auf worauf ich meist gar keine Lust (mehr) hatte, habe ich mir so als feste Aufgabe für den nächsten Morgen gesetzt. Und wichtig ist dann: Gleich damit beginnen und eine Zeitbegrenzung einfügen (siehe unten)! Es geht nicht darum, die Aufgabe komplett in einem Rutsch fertig zu machen (wer kann schon ein Kapitel an einem Morgen überarbeiten oder eine Literaturrecherche fertigstellen?). Wichtig ist eher durch die Idee der Challenge den inneren Schweinehund (kurz) zu überwinden: Es geht darum die Aufgabe anzufangen, zu merken da geht irgendwas und zu wissen – auch wenn nichts weiter geht, nach 20 Minuten kann ich wieder damit aufhören! Juhuu. Und falls es dann doch weiter geht und du in einen Flow kommst, sich das Problem nach und nach lösen lässt… ja wie cool wäre das denn? Meine Erfahrung hierzu ist – manchmal hat es wunderbar funktioniert und manchmal war ich einfach froh, wenn die 20 Minuten endlich rum waren.
  • Zeitliche Begrenzung: klingt komisch, hilft aber ungemein! Begrenze deine Zeit! Auch hierzu der wertvolle Artikel auf unserem Blog. Denn wenn sich die Zeit unendlich auszudehnen scheint, dann werden Aufgaben aufgeschoben. Die allseits bekannte Pomodoro-Technik ist hier nur ein Trick von vielen. Auch Arbeitsblöcke zu definieren und zeitlich zu begrenzen, sich Termine und Deadlines (am besten extern abgesprochen) zu legen, kann ungemein helfen, die eigene Motivation am Laufen zu halten. Wie heißt es so schön – „write your dissertation in fifteen minutes a day“ (Bolker, Joan 1998)
  • Kollaboration/Kooperation: Eine weitere „Spielart“, um die Motivation drastisch zu steigern, habe ich in der parallelen Arbeit mit anderen Promovierenden erlebt. Wir waren gemeinsam mehrfach auf sogenannten Schreiburlauben. Dabei ging es nicht nur ums Schreiben, sondern darum in Absprache und „unter den Augen der anderen“ am eigenen Projekt zu arbeiten. Die eine Person hat Daten ausgewertet, die nächste hat sich mit schwerer Literaturkost auseinandergesetzt und die Dritte hat tatsächlich an einem Draft gearbeitet. Das gemeinsame, gleichzeitige Arbeiten – die vorherige Abstimmung auf Zeiteinheiten, gemeinsame Mittagessenszeiten und auch auf kurze Ausflüge – das Alles hat mich stark motiviert dann auch tatsächlich an meiner Diss und an den Arbeitspaketen zu arbeiten. Wohl wissend, dass am selben Tisch auch andere gerade an ihren Projekten arbeiten. Und dabei haben wir uns gar nicht mal zwei Wochen am Stück oder so getroffen, sondern haben uns meist nur für kürzere Einheiten gesehen. Wir haben uns dann an einem Mittwoch-Nachmittag irgendwo in einer Ferienwohnung im Nichts getroffen, uns eingerichtet und am Abend die erste kleinere Session von 2 Stunden gemacht, dann Donnerstag und Freitag getaktet und Samstag noch einen halben Tag gearbeitet. Denn Freizeit ist auch wichtig! Aber es muss auch gar nicht die Schreibgruppe sein. Wie wäre es mit online-Terminen für eine gemeinsame Auswertungsgruppe? Feste Termine für ein Mittagessen mit kurzem Update was in den zwei Stunden vorher an der Diss gemacht wurde? Oder eine*r „festen“ Laborpartner*in? Kooperationen funktionieren auch gut, ohne dass am gleichen Thema gearbeitet werden müsste. Es geht ja um die Verbindlichkeit untereinander und der gesteigerten Verbindlichkeit gegenüber dem eigenen Promotionsprojekt.
  • Personalisierung von Profil/Avatar/ Benutzeroberfläche: Whooo. Das finde ich bei Spielen auch immer richtig gut und macht totalen Spaß UND es kann auch enorm Motivationssteigernd wirken. Für die Promotion könntest du dir also vielleicht folgendes überlegen: Wie siehst du eigentlich aus, wenn du an deiner Diss arbeitest? Was hast du an? Was hilft dir aber auch eigentlich dabei „in Schwung“ und in die „richtige Stimmung“ zu kommen – Jogginghose oder doch eher Jeans? Frisch gewaschene Haare oder lieber out-of-bed und ran an den Schreibtisch? Das hört sich vielleicht blöd an: Aber mach dir doch mal über deinen „Promotions-Avatar“ Gedanken. Wie unterscheidet sich dein Promotions-Ich von anderen Typen von Dir selbst? Warum? Was ist daran hilfreich und was könntest du auch anders machen, damit es dich mehr motiviert an die Arbeit zu gehen? Was ebenfalls bei der Personalisierung deiner Promotionsprojekts helfen kann: Mach’s dir schön. Auch wenn du es vielleicht schon tausendmal gelesen hast – aber mach den Ort (oder die Orte) an denen u dich an deine Arbeit setzt so einladend, dass du auch wirklich daran sitzen/stehen bleiben willst. Hänge/stelle dir was hin, dass du schön/motivierend/entspannend findest – und ändere ist nach einer Weile wieder. Beschäftige dich in unregelmäßigen Abständen mit dem Platz, dann beschäftigst du dich auch (wieder!) mit deiner Promotion. Es muss ja auch nicht der Schreibtisch sein, den du personalisierst. Wie wäre es mit der einzigartigen Kaffee/Tee-Tasse, die für dich die erfolgreiche Weiter-Arbeit an der Diss bedeutet? Und wenn du sie jedes Mal vorher abwaschen musst, weil du fünf Tage die Woche an der Diss arbeitest? Auch gut, dann hast du schon mal was geschafft, schenkst dir einen Tee ein und klappst den Laptop auf. Dann geht’s weiter zur Challenge des Tages…
  • Und natürlich das Quiz: Verabredet euch doch mal auf einen digitalen Quiz-Abend zu euren Promotionsthemen! Da geht es aber nicht um ein show-and-shine, was ihr schon alles wisst, sondern darum, sich mal aus einer ganz anderen Perspektive mit euren Promotionsprojekten zu beschäftigen – denn du musst die Antworten (noch) gar nicht kennen, sondern es geht darum die richtigen Fragen zu finden und nächste Schritte zur Weiterarbeit zu formulieren. Hier meine Idee: Wie wäre es, wenn Du zwei liebe Kolleg*innen (es ist wirklich wichtig, dass du am besten Freund*innen oder Menschen einlädst mit denen du ein gutes Verhältnis hast und die wertschätzend mit dir umgehen!) zu einem digitalen Quiz-Nachmittag/Abend einlädst. Ihr verabredet euch zuvor per Mail – jede*r schreibt in der Mail, kurz ein konkretes Anliegen, wie z.B. „Ich komme mit der Methode x/y nicht weiter“, „ich erhalte keine Rückmeldung von meine*r Betreuer*in“, „ich schreibe am Theorie-Kapitel und verstehe x nicht“, „ich habe keine Lust/Kraft/Zeit“, „ich habe zu viel Zeit und prokrastiniere ständig“…. Aber bei dem Treffen selbst geht es dann gar nicht darum, dass ihr euch gegenseitig die „richtigen“ Antworten geben müsst – sondern ihr setzt euch stattdessen zusammen und überlegt für jedes Anliegen noch mehr Fragen, die eigentlich implizit um das benannte Thema kreisen. Versucht das Anliegen in viele kleinteilige Fragen herunter zu brechen – sammelt die Fragen und findet dabei heraus, welche Schritte als nächstes sinnvoll angegangen werden müssten, um eine Antwort/einen Umgang mit dem Hauptanliegen hinzubekommen. So könnt ihr erst naheliegende Fragen am nächsten Tag beantworten oder wisst, was ihr am nächsten Tag „tun“ könnt – und nähert euch so nach und nach dem Hauptanliegen an. Denn meist ist das tatsächliche Problem, das eine Weiterarbeit am Promotionsprojekt stört oder die Motivation raubt, noch viel zu groß, als das es darauf DIE eine Antwort geben könnte. Entstehen daraus aber kleinere Fragen, dann können die vielleicht leichter beantwortet und bearbeitet werden. Somit dreht ihr die Idee eines klassischen Quiz um – oder um in der Gamesprache zu bleiben, spielt doch vielleicht mal eine Variante von Jeopardy mit euren Promotionsprojekten?

Und was spielst du so?

Es gibt sicher noch jede Menge anderer Ideen, wie du dir (wieder) mehr Spaß mit und an deinem Promotionsprojekt holen kannst. Wir freuen uns, wenn du deine Ideen mit uns teilst! Schreib uns gerne, wie du dich noch motivierst, welches Gamification du schon umgesetzt hast oder welche Erfahrungen du auch damit (gerade) machst. Viel Spaß dabei!

Leave a Reply

Your email address will not be published.