Dress to impress – was ziehe ich zum Vortrag an?

[In eigener Sache:] Café cum laude findet ihr auch bei Facebook und Instagram (@cafecumlaude_blog). Dort werdet ihr auch jeden Donnerstag an den neuen Beitrag erinnert!

[Disclaimer:] Es geht in diesem Beitrag um Klamotten. Mein Ton mag hin- und wieder ins Flapsige abdriften. Das scheint mir hier vertretbar.

Heute soll es darum gehen, was man auf einer Konferenz – insbesondere wenn man selbst vorträgt, so anziehen sollte. Featuring superprofessionelle Modeblogger Fotos, die Ulrike und ich auf meinem Balkon gemacht haben (die findet ihr ganz unten).

Es gibt ja Menschen, unter Doktoranden vielleicht mehr als anderswo, die finden es oberflächlich und unnütz sich Gedanken um seine Kleidung zu machen. Man möchte doch durch seine Forschung beeindrucken und durch seinen geschliffenen Vortragsstil im Gedächtnis bleiben.

Es gibt aber ein paar Gründe, sich trotzdem Gedanken, um sein Outfit zu machen. Am wichtigsten: man möchte kompetent wirken und mit seiner Forschung beeindrucken, davon sollte deine Kleidung nicht ablenken. Wenn man wesentlich under- oder overdressed ist, sind die Zuhörer gleich abgelenkt.

Ich finde auch, dass man sich sicherer fühlt, wenn man zumindest schon mal gut angezogen ist. Im Blazer fühlt man sich doch anders als im Kapuzenpulli. Für mich ist das Anziehen des Outfits, das ich mir speziell für diesen Vortrag heraus gelegt habe, auch ein kleines Ritual, um mich vorbereitet zu fühlen.

Zudem ist es oft so, zumindest auf den Konferenzen auf denen ich unterwegs bin (Schnittstelle Medizin/ Naturwissenschaften), dass die Professorinnen und Professoren doch ganz schick angezogen sind während die ewigen Postdocs in schlabbrigen Logoshirts im Eröffnungsvortrag sitzen.

Um den bösartigen Label „ewiger Postdoc“ zu entgehen [1], sollte man also ein wenig Zeit und Kreativität in seine Konferenz-Garderobe investieren.

Basics

Was als angemessenes Outfit gilt unterscheidet sich leider sehr zwischen den Disziplinen. Bei Medizinerkongressen ist Anzug für Männer und Hosenanzug oder Etuikleid für Frauen der Standard. Die meisten natur- oder geisteswissenschaftlichen Konferenzen sind da aber wesentlich lockerer.

Für die meisten Konferenzen ist business casual angemessen. Für Männer zum Beispiel Chinos mit langärmeligem Hemd oder, etwas weniger schick, Jeans mit Hemd und Pulli drüber. Die Jeans sollte nicht verwaschen oder zerrissen sein und ordentlich sitzen. Das heißt nicht rutschen, nicht zu kurz oder zu lang sein und nicht zu schlabbrig sein.

Für Frauen ist die Auswahl wesentlich größer und neben den Männeroutfits kann man noch zu Röcken oder Kleidern greifen. Das macht es aber auch komplizierter und eröffnet zudem den gesamten, Tretminen-behafteten Raum des „Ist das zu sexy?“. Diese Frage muss letztendlich jede für sich selbst beantworten. Ich persönlich halte das eher konservativ und orientiere mich an folgenden: Erstens, die Frage, was du für Unterwäsche trägst, sollte sich niemand stellen. Daraus ergibt sich: nicht schulterfrei, keine Spaghettiträger, keine superengen Kleider/Röcke/Hosen. Zweitens, Röcke und Kleider sollten so lang sein, dass du nicht darüber nachdenken musst, wie du die Beine überschlägst oder einen Stift aufhebst. Drittens, kein nennenswerter Ausschnitt.

Für den Vortrag

Für den Vortrag kann man ruhig etwas schicker gekleidet sein als das Publikum. Ein Jackett oder Blazer sind dafür super geeignet. Für Frauen ist aber auch ein schönes Kleid angemessen. Die Frage, ob man beziehungsweise frau im Kleid oder Rock zu einem Vortrag erschienen sollte, würde ich eindeutig mit ja beantworten. Kleider sind schick, bequem und man ist mit einem Kleidungsstück komplett angezogen.

Die allermeisten von uns sind aufgeregt, wenn sie einen Vortrag halten. Dein Outfit sollte auf keinen Fall noch ein Grund zum nervös werden sein. Ziehe also keine hohen Schuhe an, wenn du nicht sicher darauf laufen kannst. Such ein Outfit aus an dem du nicht herumzupfst oder bei dem irgendwas rutscht. Wenn du dich im Blazer/Jackett  total unwohl fühlst, dann zieh auch keinen an.

Falls du lange Haare hast, lass sie nur offen, wenn du der Versuchung wiederstehen kannst, dir ständig in die Haare zu fassen. Falls du eine Krawatte trägst, binde sie nicht zu eng.

Sonstige praktische Aspekte

Auf Konferenzen läuft man oft den ganzen Tag herum, daher sollten Schuhe bequem genug dafür sein.

Da man die meiste Zeit Schreibutensilien und eine Wasserflasche dabei hat, sollte man eine geeignete Tasche oder einen Rucksack einpacken.

Reisetechnisch sollte man darauf achten, dass die Sachen nicht knittern oder sie besonders sorgfältig einpacken.

Unbedingt (auch in warmen Ländern) Strickjacken, Pullover oder Blazer mitnehmen, da die Konferenzsäle oft stark klimatisiert sind.

Für warme Tage

Besonders wenn Konferenzen an warmen Orten in typischen Urlaubsländern stattfinden, ist der Dresscode manchmal noch schwieriger. Für Frauen stellt sich hier verschärft die Frage, wie freizügig man sein möchte.

Bei Männern ist die Frage meist, ob man aussehen möchte wie ein Mallorca-Tourist, wie ein Kollege von mir es passend beschrieb. Das sei aber jedem selbst überlassen. Wenn man definitiv nicht aussehen möchte wie ein Mallorca-Tourist: lange Hosen, geschlossene Schuhe aber T-Shirts sind ok. Langärmeliges Hemd mit hochgekrämpelten Armen ist noch besser. Ist eh alles klimatisiert.

 

Und jetzt konkret, das hier sind drei Outfits, die ich schon bei Vorträgen getragen habe. Ich finde dunkelgrün ist eine super Farbe für seriöse Outfits, es strahlt Ruhe und Kompetenz aus und ist dazu elegant.

 

[1] Sicher kennt ihr glorreiche Ausnahmen. Diese Wissenschaftler, die selbst im Kaffee-befleckten Hoodie noch mit Hochachtung gegrüßt werden. Die sind in der Regel extrem smart, diszipliniert und kreativ. Vermutlich müssen die meisten von uns doch etwas mit dem ersten Eindruck nachhelfen, um annähernd so erfolgreich zu sein.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published.