Eine Verteidigung per Zoom – 4 praxiserprobte Tipps

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Man kann es langsam nicht mehr hören, aber es ist nun mal Realität: die Corona-Pandemie hat uns fest im Griff und plötzlich ist alles anders. Das gilt für das Leben im Allgemeinen und für das Promovieren im Speziellen. Wenn man es trotz Home-Office, geschlossenen Bibliotheken und abgesagten Feldphasen geschafft hat, die Doktorarbeit abzugeben, redet Corona auch noch ein Wörtchen bei der Verteidigung mit.

Seit ein paar Wochen führen viele Unis Disputationen nur noch online durch, in dem meisten Fällen über den Videochat-Dienst Zoom. Als wäre die Verteidigung nicht schon aufregend genug, kommen durch dieses Format ganz neue Unwägbarkeiten dazu.

Einerseits ist es schade, dass man diesen besonderen Moment nicht wie sonst üblich mit Familie, Freunden und Kolleginnen teilen kann. Es fehlt die angespannte Vorfreude derjenigen, die draußen schon den Sekt entkorken. Die Betreuung kann einem nicht die Hand schütteln und “Herzlichen Glückwunsch, Frau Doktor!” sagen und leider entfällt auch das uni-typische Doktor-Ritual (das meistens eine Statue auf dem Unigelände involviert).

Trotzdem ist es toll, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, seine Doktorarbeit online zu verteidigen – und dass die meisten Unis diese Lösung ziemlich schnell organisiert haben. Schließlich will man irgendwann „so richtig“ fertig sein – man stelle sich vor, man hätte dafür warten müssen, bis es einen Impfstoff gibt! Vielleicht hat diese Lösung auch den ein oder anderen Vorteil: man sitzt in seiner gewohnten Umgebung und ist dort vielleicht weniger aufgeregt. Auch die Terminfindung geht deutlich schneller, insbesondere wenn einige Mitglieder der Prüfungskommission in anderen Städten (oder gar Ländern) wohnen.

Meine eigene Verteidigung liegt zwar noch in weiter Ferne, aber mein Mann hat vergangenen Woche unter Corona-Bedingungen seine Disputation absolviert – online per Zoom. Ich konnte also hautnah mitverfolgen, wie eine Verteidigung per Zoom abläuft und will unsere Erfahrungen und Tipps gerne weitergeben.

Macht unbedingt einen Testlauf  

Wie nah muss ich an Mikro? Wie ist der Winkel der Kamera? Wo muss ich klicken, damit der Bildschirm geteilt wird? Diese Aspekte sollte man am besten einmal vor dem großen Tag ausprobiert haben. Ein Detail, das oft vergessen wird: auch die Kleiderwahl muss auf die Online-Situation angepasst werden. Gerade Krawatten mit dezenten Mustern sehen in der Kamera furchtbar aus: Streifen flimmern unangenehm, weiße Details wirken plötzlich wie ein Glitzereffekt. Dasselbe kann für Blusen gelten, oder für Ketten und Ohrringe, die das Licht seltsam reflektieren und dann wie Anime-Zauberamulette wirken. All das merkt man nur beim Online Testlauf im vollständigen Outfit, also keinesfalls darauf verzichten!

Wenn man selbst keinen Zoom- Account hat, geht das auch per Skype, FaceTime oder ähnlichen Konkurrenzanbietern (wenn du aber das Teilen des Desktops üben willst, lohnt es sich, mit dem System zu üben, das nachher auch verwendet wird). Wenn du beim Test merkst, dass das Internet nicht stabil genug oder das Mikro zu schlecht ist, solltest du überlegen, bessere Hardware zu leihen und vielleicht die Wohnung von Freunden oder Familie auszuborgen.

Wählt den Sitzplatz strategisch

Die meisten von uns hatten in den vergangenen Wochen schon Probleme, einen neutralen Platz in der Wohnung für Videokonferenzen zu finden. Bei der Disputation wird diese „Challenge“ noch gesteigert. Bei Zoom einen Hintergrund einzufügen, ist tabu – denn man könnte ja eine Professorin unter dem Bett versteckt haben, die einem die Antworten zuflüstert. An manchen Unis und Fakultäten gibt es ein Zoom-Protokoll, nachdem man zu jeder Zeit die Tür sehen muss, um Täuschungsversuche zu vermeiden. Manchmal muss man auch die Kamera durch den Raum schwenken, um zu zeigen, dass niemand sonst da ist. Anders als bei einem normalen Videocall reicht es also nicht, die Dreckwäsche in einer Ecke auftürmen und die Kamera so einstellen, dass man das ungemachte Bett nicht sieht. Das bedeutet, für diesen speziellen Tag muss man evtl. etwas umbauen.

Wenn man eins hat, ist das Wohnzimmer meist der neutralste und unverfänglichste Raum. Da steht zwar meistens kein Schreibtisch drin – den muss man dann eben rübertragen. Wenn man kein Wohnzimmer hat, empfiehlt es sich, das Bett nicht nur zu machen, sondern mit einer Tagesdecke und evtl. Kissen herzurichten. Irgendwie will man nicht, dass die Prüfungskommission die Bettwäsche sieht… Es empfiehlt sich nicht, mit dem Rücken zum Fenster zu sitzen, weil man durch den Lichteinfall plötzlich ganz dunkel wirkt oder einen seltsamen Heiligenschein bekommt. Wen eure Wohnung wirklich keine Ecke hat, in der ihr die Disputation durchführen könnt – oder Faktoren wie Lärm oder Internet das Ganze torpedieren können, empfehle ich, die Wohnung von Freunden oder Familie auszuleihen.

Seid am besten nicht allein zu Haus

Wenn irgend möglich, bittet Familie, Partner oder eine Freundin, während der Prüfung in der Wohnung zu sein (das geht auch Corona konform mit Abstand, Maske usw.) Diese zweite Person kann zum einen im Nebenraum euer Handy nehmen (Wer jetzt sagt: “Quatsch, das Handy macht man einfach aus!” Im Fall von Internetproblemen meldet sich die Betreuung evtl. per Telefon, und wenn das Handy aus ist, bekommt man das nicht mit. Hat man das Handy aber im gleichen Raum, kommt möglicherweise mitten in der Prüfung die „Viel Glück“ SMS von Tante Petra an).

Außerdem kann die zweite Person auf evtl. Türklingeln und andere unvorhergesehene Geräusche reagieren – z.B. schnell bei den Nachbarn klingeln, falls die plötzlich anfangen, Bohrarbeiten durchzuführen. Falls ihr Kinder oder Haustiere habt, empfiehlt es sich, diese für die Dauer der Verteidigung außerhalb der Wohnung zu beschäftigen. Auch hier findet ihr bestimmt einen Freund, eine Schwester oder eine Nachbarin, die mit dem Hund Gassi geht oder mit den Kindern ein Eis isst.

Vergesst das Feiern nicht!

Auch dafür ist die zweite Person praktisch, die in der Küche schon mal die Sektgläser bereitstellen kann. Die Verteidigung ist eine große Sache und nicht weniger Wert, weil sie online durchgeführt wird. Deshalb sollte man im Anschluss unbedingt Anstoßen! Auch das geht per Zoom, oder im Garten, oder vor der Tür – je nach Bundesland und Zeitpunkt sind verschiedene Feiermodalitäten denkbar. Auch wenn momentan keine Riesenfeste möglich sind: in vielen Bundesländern darf man wieder schick essen gehen, ins Kino, Picknicken oder einen Ausflug in ein Naherholungsgebiet unternehmen! Hauptsache, der Erfolg wird gebührend gewürdigt.

Mit diesen Tipps dürfte hoffentlich nichts schief gehen – in den meisten Fällen ist die Verteidigung im Endeffekt weniger schlimm als befürchtet. Weitere Erfahrungen aus erster Hand – die vermutlich trotz Corona gelten – haben Ulrike und Franziska A. für euch!

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