Forschungsförderung in Deutschland: Exzellenzcluster

 

Die ab 2019 geförderten Exzellenzcluster. Grafik: DFG

Am Donnerstag vor drei Wochen saß ich mit meinem Bruder im Auto als das Radio verkündete, dass an der Universität Münster für die nächsten sieben Jahre zwei Exzellenzcluster gefördert werden: Das Cluster Religion und Politik und das Cluster Mathematik Münster.

Ich so zu meinem Bruder: „Oh, unser Exzellenzcluster [1] wurde also abgeschafft.“ „Ist das schlimm?“ „Keine Ahnung.“. Was sind eigentlich diese Exzellenzcluster? Dieser Beitrag ist der erste in einer losen Reihe zu verschiedenen Formaten der Forschungsförderung in Deutschland und es geht um die Exzellenzinitiative, die inzwischen Exzellenzstrategie heißt.

Exzellenzinitiative

Die Exzellenzinitiative begann 2006 mit drei Förderlinien: Zukunftskonzepte zur Entwicklung der Gesamtuniversität, Exzellenzcluster zur Erforschung eines Themenkomplexes und Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Neben dem Ausbau der Spitzenforschung in Deutschland sollten die Exzellenzcluster insbesondere auch die Kooperation zwischen Hochschulen fördern und die Profilbildung an den Universitäten vorantreiben.

Exzellenzstrategie: Exzellenzcluster

2016 wurde entschieden ab der Förderperiode 2019 statt der Exzellenzinitiative die Exzellenzstrategie mit zwei Förderlinien zu verfolgen: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten.

Das Verfahren zur Förderung der Exzellencluster wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der DFG, durchgeführt. Am 27. September 2018 wurde das Ergebnis verkündet: 57 von 88 beantragten Projekten werden ab Januar 2019 für sieben Jahre gefördert. Für die Förderung stehen jährlich 385 Millionen Euro zur Verfügung. Die komplette Liste der geförderten Cluster findet ihr hier. Ein Expertengremium aus 39 Experten aus aller Welt, die Expertise in Forschung und Forschungsförderung vorweisen konnten, entschied über die Anträge. Die Mitglieder des Gremiums wurden von der DFG und dem Wissenschaftsrat vorgeschlagen und von der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz berufen.

Wissenschaftsrat und gemeinsame Wissenschaftskonferenz

Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder zur Entwicklung der Forschung in Deutschland. Er soll auch dazu beitragen die Forschung in Deutschland international konkurrenzfähig zu machen. Die Mitglieder des Wissenschaftsrates sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Personen des öffentlichen Lebens. Zurzeit z.B. eine Journalistin, eine Generalbundesanwältin, eine Ehrenvorsitzende der Joachim Her Stiftung, ein Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss AG und eine Professorin für Politikwissenschaft.  In der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz sitzen die Wissenschaftsministerinnen /-minister und Finanzministerinnern /-minister der Länder und des Bundes und beschließen Projekte zur Förderung der Wissenschaft.

DFG

Die DFG ist die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland. Sie ist als Verein organisiert dessen Mitglieder Universitäten, wissenschaftliche Verbände, Akademien der Wissenschaft sowie Forschungseinrichtungen sind. Ihr stehen jährlich 3,2 Milliarden Euro zur Verfügung die zu 68 % vom Bund und zu 31 % von den Ländern kommen. Das letzte Prozent sind EU- und Privatmittel.

Auf der Website der DFG kann man sich den Förderatlas 2018 anschauen, den ich ganz spannend fand. Dort kann man sich für jede Universität in Deutschland das Drittmittelvolumen anschauen. Die Uni Münster bekommt z.B. 197,1 Millionen Euro von der DFG, der größte Teil davon geht an die Medizin (wie an fast jeder Uni).

Drittmittel an der Uni Münster von 2014-2016 nach Fächern aufgeschlüsselt. Grafik: DFG

Exzellenzstrategie: Exzellenzuniversitäten

Das Verfahren zur Ernennung der Exzellensuniversitäten führt der Wissenschaftsrat durch. Zugelassen zur Antragstellung sind 17 Universitäten mit mindestens zwei Exzellenclustern und zwei Universitätsverbünde mit mindestens drei Exzellenzclustern. Im Juli nächsten Jahres wird über die Anträge entschieden, dabei sollen elf Universitäten zu Exzellenzuniversitäten gekürt werden. Für die Exzellenzuniversitäten werden jährlich 148 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Universitäten bewerben sich mit einem strategischen Entwicklungskonzept, dass ihre internationale Spitzenstellung und Sichtbarkeit fördern und erhalten soll.

Kritik

Vor allem von Studierendenvertretungen wird kritisiert, dass Geld, das dringend in der Lehre gebraucht würde, für wenige Spitzenprojekte ausgegeben wird [2]. Diese sehr fundamentale Kritik teile ich persönlich nicht, da es durchaus Förderung für die breite Hochschullandschaft gibt. Es ist aber so, dass Spitzenforschung ungleich viel mehr Geld kostet als eine solide Grundausbildung. Natürlich könnte man diese hochpreisige Forschung der amerikanischen Ivy League überlassen aber ich finde es doch sinnvoll die Forschung, die (unter Anderem, siehe “Ist deine Forschung wichtig?”) die zukünftigen Probleme der Menschheit lösen soll, dezentralisiert zu verfolgen.

Ein zweiter interessanter Punkt kam von der IEKE (Internationale Expertenkommission zur Evaluation der Exzellenzinitiative), die die Exzellenzinitiative 2016 beurteilt hat. Hier der Link zur Publikation. Die IEKE schlug die neue Strategie mit zwei Förderlinien vor. Darin wurde neben den Exzellenzclustern, eine Exzellenzprämie vorgeschlagen. Diese sollte an die zehn Universitäten gehen, die in der letzten Förderperiode am besten waren. Die Kommission schlägt vor, anhand von eingeworbenen DFG-Drittmitteln und bestimmten Preisen die besten Unis zu küren. Die Idee dabei ist, die Prämie nicht von geplanten Projekten und Strategien sondern von erbrachten Leistungen abhängig zu machen. Denn auch, wenn die Leistung einer Universität schwer zu bewerten ist, ist das Potential nicht durchgeführte Pläne noch viel schwieriger zu bewerten. Dieser Aspekt wurde in der aktuellen Exzellenzstrategie aber nicht aufgenommen. Die Exzellenzuniversitäten bewerben sich im Wesentlichen mit Strategien, erbrachte Leistungen werden nur zweitrangig einbezogen.

Der Nachteil der Bewertung nach erbrachten Leistungen wäre wahrscheinlich, dass so eine Prämie die Exzellenzuniversitäten zementieren würde und ein Aufstieg in diese Riege sehr schwierig wäre. Die Kommission merkt dazu an, dass die Exzellenzcluster, die auch von einer „newcomer“ Uni gewonnen werden können, quasi die Eintrittskarte in die Exzellenzprämie wären. Außerdem ist es ja durchaus konsequent die Elite der Elite noch stärker zu fördern, um an diesen zehn Universitäten die Internationale Sichtbarkeit und Konkurrenzfähigkeit zu erlangen.

Der Vorteil für die Universitäten, die die Prämie erhalten, wäre, dass sie sich eine Menge bürokratischen Aufwand sparen könnten. Außerdem wäre es ein gutes Signal vom Bund (dem Hauptgeldgeber) den Universitäten zu sagen: „Wir vertrauen euch. Ihr werdet schon sinnvoll mit dieser Förderung umgehen.“.

 

 

[1] Das Cells in Motion Cluster wurde nicht verlängert.

[2] In der Päambel der Verwaltungsvereinabrung zwischen Bund und Ländern zur Exzellenzstrategie heißt es noch:

…[ihre] Anstrengungen zur Stärkung der Universitäten durch die Förderung wissenschaftlicher Spitzenleistungen, Profilbildungen und Kooperationen im Wissenschaftssystem fortzusetzen und weiterzuentwickeln, um den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern und die erfolgreiche Entwicklung fortzuführen, die die Ausbildung von Leistungsspitzen in der Forschung und die Anhebung der Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Deutschland in der Breite zum Ziel hat.

Ziele der Exzellenzstrategie sind hier also die Ausbildung von Leistungsspitzen und die Anhebung der Qualität in der Breite.

In allen anderen Publikationen und auch auf den Webseiten der DFG und GWK wird aber klar, dass die Förderung der Spitzenforschung das Hauptziel der Exzellenzstrategie ist (der Name suggeriert auch nicht gerade ein Interesse für die Breite Hochschullandschaft).

 

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