Konferenzen – the travel edition

Das Doktorandenleben ist ja bekanntlich nicht gerade glamourös: dunkle Labore im Keller oder triste Lesesäle, verstaubte akademische Strukturen und immer noch der leidige Studenten-Lifestyle.

Aber es gibt einige Ausnahmen, vor allem Konferenzen. Endlich kann man bei der Familienfeier/ beim Frisör/ in der Kneipe von seinem trendigen Jetsetter Leben erzählen.

Das Konferenzzentrum in San Sebastian.

Je nach Disziplin und Arbeitsgruppe können die Konferenzziele und das Reisebudget natürlich erheblich schwanken aber viele von uns haben doch während ihrer Promotion die Gelegenheit zu tollen Reisen. Dazu gibt es heute ein paar Tipps, die sich mit dem Drumherum befassen.

Zum Inhaltlichen, gibt es hier Ideen wie man einen Vortrag für eine Konferenz vorbereitet oder hier ein paar Tipps zum Small Talk auf Konferenzen.

Langstreckenflüge

Du darfst also zu einer internationalen Konferenz fliegen? In eine spannenden Stadt? Großartig! Das einzig Blöde ist der Langstreckenflug, der zwischen dir und deinem Auftritt als kompetenter Wissenschaftler liegt. Ich will niemandem vormachen, dass 14 Stunden im Flugzeug irgendwie Spaß machen könnten (für mich persönlich ist die „richtig-ätzend“ Fluglänge bei 9 Stunden erreicht), aber man kann es erträglich gestalten.

Mein wichtigster Tipp sind Noise Canceling Kopfhörer. Die Guten sind teuer aber jeden Cent wert. Ich habe diese von Bose (kein Affiliate Link). Es ist wirklich traumhaft wie ruhig es mit denen im Flugzeug ist: man kann Filme oder Musik in normaler Lautstärke hören oder einfach schlafen. Der Entspannungsgewinn ist enorm! Also: Spart, wünscht euch welche zu Weihnachten oder bettelt bei eurer Oma, was auch immer nötig ist.

Die nächsten Tipps sind dann auch wesentlich günstiger: Ich ziehe immer bequeme Kleidung und genug davon an, aus irgendeinem Grund ist es im Flugzeug immer kalt. Wollsocken und ein Schal sind super – auch wenn man in die Tropen fliegt. Man sollte versuchen genug zu trinken, um Kopfschmerzen vorzubeugen und ein paar Schoko- oder Müsliriegel einstecken, falls das Essen im Flugzeug nicht so toll ist. Kaugummi oder Bonbons sind angenehm für Start und Landung. Außerdem sollte man überprüfen, ob die Airline ein Essen anbietet. WOW Air oder Scoot tun das zum Beispiel nicht. Wenn man vegetarisch essen möchte, muss man das oft vor dem Flug angeben. Bei den beiden Standard-Menüs ist nicht immer etwas Vegetarisches dabei.

Der nächste wichtige Punkt ist die Unterhaltung. Meiner Meinung nach sollte man auf keinen Fall gute Filme im Flugzeug schauen, die werden dadurch ruiniert. Romantik- oder Actionkomödien sind eher angemessen. Ich höre auch sehr gerne Podcasts, dabei kann man schon mal die Augen zumachen. Lesen finde ich oft zu anstrengend. Man ist nach ein paar Stunden Reise ja doch müde (und musste meistens früh aufstehen oder fliegt über Nacht), da kann man sich auf ein gutes Buch nicht mehr angemessen konzentrieren. Was ich gerne mache ist spannende Bücher nochmal lesen, da macht es nichts, wenn man ein paar Seiten nur überfliegt und man ist trotzdem in einer anderen Welt. The Hunger Games habe ich dadurch schon dreimal gelesen. Wenn ihr einen eReader benutzt merken eure Kollegen auch nichts, falls ihr richtigen Schund lest.

Ansonsten habe ich immer Lippenpflege, Handcreme und Deo (nicht zum Sprühen! – selbst wenn du das durch die Kontrolle bekommst, ist es deinen Mitreisenden gegenüber nicht nett) dabei. Auch Schmerztabletten oder Augentropfen kann man häufiger brauchen. Falls man Aspirin als Blutverdünner vor dem Flug nehmen möchte, reicht übrigens ein Fünftel der Tablette (100 mg ASS). [1]

Mein letzter Tipp ist für nach dem Flug: Zahnbürste und Zahnpasta sollten unbedingt ins Handgepäck.

Alkohol

Auf den allermeisten Konferenzen wird auch gefeiert. Durchaus lang und feuchtfröhlich. Wichtig dabei: Nicht zu seinem Vortrag / einer wichtiges Session / einem Meeting aufzutauchen, weil man verkatert ist, wird nicht akzeptiert. Erstaunlicherweise konnte ich zum Thema Alkohol auf Konferenzen wenig andere Blogs oder Artikel finde. Wahrscheinlich habe die falschen Schlagworte gegoogelt, denn dass dieses Thema relevant ist, weiß ich von genug Gesprächen mit Freunden und Kollegen.

Oft entsteht der Eindruck, dass man in der akademischen Kultur mittrinken muss, um dazu zu gehören und dass Partys beziehungsweise der Kneipentisch um zwei Uhr morgens das sind, was in den 90ern die Raucherpause war: der Ort, an dem man die wirklich wichtigen Dinge erfährt. Nun ist es so, dass ich an Abenden, an denen am nächsten Tag wichtiges und frühes Programm auf mich wartet, nicht gerne um zwei Uhr morgens in einer Kneipe sitze. Und selbst wenn ich nichts vorhätte, würde ich nicht vier Abende hintereinander bis um zwei in der Kneipe sitzen wollen. Überhaupt gibt es für mich ganz wenige Gründe bis um zwei Uhr morgens wach zu bleiben. Eine trashige live Band gehört zum Beispiel nicht dazu. Ich finde es besorgniserregend und unangenehm, dass man nicht einfach sagen kann ich trinke keinen Alkohol ohne schief angeguckt und über die Gründe ausgequetscht zu werden. Das ist auch sicher nicht nur ein Problem der akademischen Welt aber dort führt das Abhängigkeitsverhältnis von Doktoranden und Professoren leicht dazu, dass man sich tatsächlich gezwungen fühlt mitzumachen. Wie oft habe ich schon Doktoranden gehört, die mit resigniertem Gesichtsausdruck darüber klagen, dass ihr Prof heute sicher wieder ausgehen will. An dieser Stelle wäre es sehr interessant zu wissen, ob die Profs genauso resigniert denken, dass sie schon wieder ausgehen müssen, weil die Doktoranden das ja sicher wollen.

Meine Meinung und Erfahrung zum Thema ist aber, dass zwar erwartet wird, dass man gewissen soziale Events mitmacht aber das sicher nicht exzessiv tun muss. Das heißt, wenn ich am nächsten Morgen einen Vortrag halte gehe ich um Mitternacht. Wenn ich keinen Alkohol trinken möchte und mein Prof eine Runde ausgibt frage ich nach einem Wasser und habe das auch immer anstandslos bekommen. Ansonsten hätte ich auch kein Problem damit ein Bier stehen zu lassen.

Oft gibt es auch richtig tolle Abende auf Konferenzen. In coolen Locations, mit gutem Essen und offener Bar kann man natürlich viel Spaß haben. Wenn man also auch selbst in Feierlaune ist, gilt es nur noch zu beachten: Denk dran, dass deine zukünftige Chefin im Raum sein könnte.

Und sonst so?

Auf Konferenzen gibt es in der Regel auch eine Vollversammlung des Vereins oder der Gesellschaft, die die Konferenz organisiert. Ich gehe da immer ganz gerne hin, weil ich es spannend finde zu hören wie die Konferenz organisiert wird und wie viel Geld wo für ausgegeben wird. Außerdem fühlt man sich so richtig angekommen in der Community, wenn man auch bei ein paar Interna mitreden kann.

Falls man Gelegenheit hat eine organisatorische Aufgabe zu übernehmen, sollte man diese annehmen. Dabei lernt man immer Leute kennen und gerade wenn man in dem Feld bleiben möchte, ist es gut sich zu engagieren.

Oft gibt es auf Konferenzen neben dem wissenschaftlichen Programm noch andere Angebote. Zum Beispiel Networking Events, Führungen, Diskussionen oder Lehrveranstaltungen (nennt man meistens etwas cooler educational courses oder refresher). Mir haben die meisten dieser Veranstaltungen bisher gut gefallen. Es ist eine nette Abwechslung zu den Kurzvorträgen und man erfährt was die Community neben den wissenschaftlichen hot topics interessiert. Bei den von der / mit der Industrie organisierten Sachen sollte man etwas genauer hingucken. Manches ist spannend, manches nur Werbung.

 

Zuletzt: Viel Spaß! Genießt das Jetsetter-Wissenschaftlerleben. Eine Konferenz in Sydney, Seoul oder San Sebastian ist doch ein besonders guter Grund, einen tollen Forschungsbeitrag einzureichen.

 

 

[1] Wie gut, dass der Medizin-Doktorand meines Vertrauens mich darauf hingewiesen hat, dass ASS zu Thromboseprävention quatsch ist. Die meisten jungen Menschen gehören ohnehin keiner Risikogruppe an, genug trinken und zwischendurch mal bewegen ist sicher trotzdem ganz gut. Wenn man einer Risikogruppe angehört z.B. aufgrund einer bestehenden Thrombose oder eventuell einer Schwangerschaft am besten mit eurem Arzt sprechen.

 

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