Mündlich präsentieren: Wie überarbeite ich meinen Vortrag für die Konferenz?

Mündlich präsentieren: Meinen Vortrag überarbeiten (Bild: Russell Davies, Flickr)

Überarbeitet ihr eigentlich eure eigenen Konferenzvorträge? Worauf achtet ihr dabei? Wie Vorträge bei Konferenzen gehalten werden, unterscheidet sich ja stark von Disziplin zu Disziplin. In der Politikwissenschaft wird viel Arbeit in die Powerpoint (oder, hipper, die Prezi)-Präsentation gesteckt. Der Vortrag läuft à la Ted-Talk mündlich und mit viel Augenkontakt ab. In der Geschichte dagegen werden die Vorträge abgelesen. (Und das ist wörtlich zu nehmen. Ja, sie werden tatsächlich vorgelesen!).

Wenn du also in einer ähnlich altmodischen Disziplin wie der Geschichtswissenschaft unterwegs bist und willst, dass dir dein Publikum deinem Vortrag folgt (und glaubt mir, das ist manchmal echt schwer auf HistorikerInnen-Konferenzen), willst du wahrscheinlich etwas Arbeit in dein Vortragsmanuskript stecken. Nachdem der inhaltliche Teil steht heißt das, dass du den Vortrag auf Hörbarkeit überprüfst. Gerade für Menschen von der nervösen Sorte, die nicht spontan vom Manuskript aufschauen und den Rest frei erzählen (oder solchen, die auf keinen Fall Details vergessen wollen), kann man hier viel gewinnen, wenn man auf ein paar einfache Dinge achtet!

Also, hier sechs Tipps, um deine Präsentation sprachlich zu überarbeiten (mit Beispielen):

1. Kurze & einfache Sätze verwenden

Viel fällt dir sicherlich schon auf, wenn du den Vortrag Probe hältst. Du merkst, wenn du dich verhaspelst, weil dein Satz zu lang ist oder wenn dein Gegenüber irgendwann nur noch Löcher in die Luft starrt. Das ist eine einfache Regel, die aber häufig missachtet wird (denn wir WissenschaftlerInnen müssen ja unsere Intelligenz unter Beweis stellen, indem wir besonders komplizierte Satzstrukturen bilden).

Also, der erste Schritt: Achte darauf, dass deine Sätze kurz sind. Wenn ein Satz in deinem Vortragsmanuskript länger als zwei Zeilen ist, dann teile ihn!

Damit einhergeht, dass du auf einfache Grammatik achten solltest (die sich von selbst ergibt, wenn du auf kurze Sätze achtest). Also:

  • Benutzte Schachtelsätze nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt.
  • Kleine Wörter wie „selbst wenn“, „auch“, „zugleich“, „durch“ weisen auf Ballast hin.
  • Passiv muss gehen!

Ein Beispiel aus einem publizierten Artikel:

„Das ist wenig überraschend, denn, auch wenn man annimmt, eine bestimmte, identifizierbare Transformation in den Ansätzen der historischen Profession feststellen zu können, die unter dem Begriff des Cultural Turn zu subsumieren ist, muss man zugleich einräumen, dass sie vor dem Hintergrund eines radikalen Prozesses der Pluralisierung stattgefunden hat.“[1]

Dieser Satz ist im Original 4,5 Zeilen lang. Wollte der Autor seinen Artikel jetzt als Redemanuskript überarbeiten, wäre dieser Satz viel zu sperrig für seine Zuhörer. Ich teile ihn erst einmal in drei Teile: Das „denn“ kommt weg. Es ist klar, das jetzt eine Erklärung folgt. Aus „auch wenn“ + „zugleich“ werden zwei Sätze. Ich verwandle Passiv in Aktiv: Die Infinitivkonstruktion mit „feststellen zu können“ muss weg – im Mündlichen ist „man“ okay!

Gekürzt und in einfachen Sätzen sieht der Satz jetzt so aus:

Das ist wenig überraschend. Man kann zwar annehmen, dass man eine bestimmte, identifizierbare Transformation in den Ansätzen der historischen Profession feststellen kann, die unter dem Begriff des Cultural Turn zu subsumieren ist. Zugleich muss man aber einräumen, dass sie vor dem Hintergrund eines radikalen Prozesses der Pluralisierung stattgefunden hat.

2. Fremdwörter ersetzen, wo es geht!

Fremdwörter sind ein weiteres Signal an die Zuhörer: Ich gehöre zu euch, zu eurer eingeschworenen Gemeinschaft, die sich darüber definiert, dass wir alle dieselbe Sprache sprechen. Ich bin schlau und gebildet! Klar, zum Habitus einer Wissenschaftlerin gehört auch das Reden in Fachjargon. In einigen Disziplinen wirst du es dir als Anfänger kaum leisten können, ganz darauf zu verzichten. Aber: Es ist bei weitem nicht so häufig nötig, wie wir das gerne tun. Einige „Habitus-Wörter“ hier und da sind vielleicht sogar nötig (in diesem Fall der Cultural Turn– das bezeichnet ein Konzept in der Geschichtswissenschaft, das den Zuhörerinnen und Zuhörern auf einer HistorikerInnen-Konferenz bekannt ist). Ich würde aber sagen, dass weder „Transformation“ noch „subsumieren“ oder „Profession“ nötig ist. Im Schriftlichen fällt das nicht weiter auf, im Mündlichen stolperst du beim Reden leicht drüber und dein Publikum ist abgelenkt!

Also:

Das ist wenig überraschend. Man kann zwar annehmen, dass man einen bestimmten, identifizierbaren Wandel in den Ansätzen des historischen Berufsfelds feststellen kann, der unter den Begriff des Cultural Turn fällt. Zugleich muss man aber einräumen, dass dieser vor dem Hintergrund eines radikalen Prozesses der Pluralisierung stattgefunden hat.

(So konnte ich auch gleich noch eine Passivkonstruktion ersetzen.)

3. Subjekte wiederholen

Du erweist deinem Publikum einen großen Dienst, wenn du häufig wiederholst, worum es geht. Achte auf Wörter wie „diese“ oder „jene“. Sie weisen dich darauf hin, dass du hier gut nochmal das Subjekt wiederholen könntest, um deinen Zuhörern Orientierung zu geben!

In diesem Fall:

Das ist wenig überraschend. Man kann zwar annehmen, dass man einen bestimmten, identifizierbaren Wandel in den Ansätzen des historischen Berufsfelds feststellen kann, der unter den Begriff des Cultural Turnfällt. Zugleich muss man aber einräumen, dass dieserWandelvor dem Hintergrund eines radikalen Prozesses der Pluralisierung stattgefunden hat.

4. Mit dem Inhalt einsteigen

Du willst dein Publikum bei der Stange halten, also verliere es nicht in der ersten Satzhälfte! Sag, was du sagen willst – sofort. Strukturen wie „Besonders hervorzuheben ist, …“, „Herausstreichen will ich…,“ „Zu Kritisieren ist, dass…“ oder ganz einfach „Dass…“ rücken (paradoxerweise) deine eigentliche inhaltliche Aussage in den Hintergrund.

Zum Beispiel:

„Dass es sich bei den Hartz-Reformen um ein Programm der Verhaltenssteuerung und Subjektivierung im Sinne der Paradigmen der Aktivierung und Responsibilisierung des Individuums handelte, die länderübergreifend als Charakteristika neoliberaler Gouvernementalität beschrieben werden, verbleibt in Hoeres’ Perspektive somit im toten Winkel.“[2]

Abgesehen davon, dass hier für eine mündliche Präsentation erst einmal Schritte 1-3 durchgeführt werden müssten, verliert man sich schon in der „Dass“-Konstruktion. Wieder heißt es teilen, um mit dem Inhalt einzusteigen. Der Autorin scheint hier besonders wichtig zu sein, dass Hoeres etwas missachtet (und zwar die Verhaltenssteuerung und Subjektivierung, die sie in den Hartz-Reformen sieht und die klassisch für neoliberale Regierungsformen sind). Also kommt das an den Anfang (oder als separater Satz mit besonderer rhetorischer Betonung ans Ende. Ich kann mir beides vorstellen).

In Hoeres’ Perspektive verbleibt eines toten Winkel: Bei den Hartz-Reformen handelte es sich um ein Programm der Verhaltenssteuerung und Subjektivierung im Sinne der Paradigmen der Aktivierung und Responsibilisierung des Individuums handelte. Dies [oder: Dieser Fokus auf das Individuum] wird länderübergreifend als Charakteristika neoliberaler Gouvernementalität beschrieben.

Oder:

Bei den Hartz-Reformen handelte es sich um ein Programm der Verhaltenssteuerung und Subjektivierung im Sinne der Paradigmen der Aktivierung und Responsibilisierung des Individuums handelte. Dies wird länderübergreifend als Charakteristika neoliberaler Gouvernementalität beschrieben. Diese Perspektive verbleibt bei Hoeres im toten Winkel.

5. Verben und Subjekte nah beieinander halten

Helfe deinen Zuhörern, nicht den Faden zu verlieren, in dem du sie nicht lange auf das Verb warten lässt. Überprüfe einmal, wie häufig in deinem Manuskript das Verb erst im letzten Drittel des Satzes auftaucht (oder ganz am Ende steht) und versuche, es in der Nähe des Subjekts unterzubringen.

Noch ein Beispiel:

„Neben der politischen Westintegration und der kulturellen und wirtschaftlichen Amerikanisierung war, so Doering-Manteuffel 1995, nach der ideellen Westorientierung der Deutschen, dem sich wandelnden Verständnis beziehungsweise Selbstverständnis des Westens und den Zuschreibungen und Werthaltungen zu fragen, die im Nachkiegsdeutschland mit dem Westen assoziiert wurden.“[3]

Für einen mündlichen Vortrag würde ich den Satz wie folgt überarbeiten:

Forscherinnen und Forscher zur Amerikanisierung [ich habe hier das Subjekt aus dem vorherigen Satz wiederholtfragten einerseits nach der politischen Westintegration und der kulturellen und wirtschaftlichen Amerikanisierung. Andere (so Doering-Manteuffel) betonten das sich wandelnde Verständnis beziehungsweise Selbstverständnis des Westens und die Zuschreibungen und Werthaltungen, die im Nachkriegsdeutschland mit dem Westen assoziiert wurden.

Dadurch, dass Subjekt und Verb direkt aufeinander folgen, entsteht beim Zuhören ein inneres Bild von dem, was gemeint ist – in diesem Fall sind das die Forscherinnen und Forscher, die nach etwas fragen. Damit ist der Fokus direkt darauf, wonach sie denn fragen. Und das ist ja das, was die Autorin hervorheben will.

Und zuletzt…

6. Einteilige Verben verwenden

Wie häufig verwendest du zweiteilige Verben (Wörter wie „wirft die Frage, ob …. auf,“  „stellt…dar“ etc. pp.)? Versuche, stattdessen ein einteiliges Verb zu benutzen! (Diesen Tipp gibt Dr. Patrick Voßkamp von der Uni Duisburg-Essen, hier.)

Das habe ich oben versucht, umzusetzen, indem ich aus „war… zu fragen“ => „betont“ gemacht habe.

Und voilà! Schon kann dir dein Publikum viel besser folgen. Viel Erfolg bei deiner Konferenz!

 

 

 

[1]Neil Gregor, „Die Geschichte des Nationalsozialismus und der Cultural-Historical Turn,“ Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte 65, Nr. 2 (April 2017): 233. Übersetzt von Jürgen Zarusky.

[2]Ariane Leendertz. „Zeitbögen, Nationalismus und das Ende des Westens, oder: Wie kann man die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts schreiben?,“ Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte65, Nr. 2 (April 2017): 214.

[3]Ariane Leendertz. „Zeitbögen, Nationalismus und das Ende des Westens, oder: Wie kann man die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts schreiben?,“ Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte65, No. 2 (April 2017): 197.

 

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