8 Dinge, die ich über die Wissenschaft gelernt habe

Between the lines – Die ungeschriebenen Regeln der Wissenschaft verstehen lernen
(Foto: Guido Klumpe, Flickr)

Bei einer Weihnachtsfeier saßen wir – Doktoranden, Hilfskräfte und andere Beteiligte im Wissenschaftsbetrieb – beisammen und sprachen darüber, warum es eigentlich so viele Sammelbände in den Geisteswissenschaften gibt. Jedes Jahr werden unzählige neue Sammelbände herausgegeben, die, ganz ehrlich, häufig von minderer Qualität sind und niemanden sonderlich interessieren. Aber es wird fleißig weiter publiziert. Warum?

Und warum tragen eigentlich auf Konferenzen immer nur die selben Namen vor (und wollen am liebsten vorher wissen, wer noch so kommt)? Und stellen Fragen, die allenfalls peripher etwas mit dem Vortrag zu tun haben?

Hier legten wir kurz eine Pause ein.  Unsere junge Kollegin warf ein, dass sie gerade außerordentlich viel lerne. Tatsächlich: Das war nur der Anfang von lauter ungeschriebenen Regeln, die unser Wissenschaftsgebäude zusammen halten. Wir haben mal zusammengetragen, was uns so einfällt an Regeln, die man als Studentin nicht einmal erahnt hat, die aber als Doktorand höchst nützlich zu wissen sind. 

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Das Ende ist absehbar

Ein paar völlig subjektive und wenig zusammenhängende (eher negative) Gedanken zum letzten Jahr der Dissertation. Die Abschlussphasen-Thematik häuft sich gerade auf dem Blog, hier und hier hat Ulrike schon darüber geschrieben, wie man seine Diss gut zu Ende bringt.

Über das erste Jahr der Dissertation gibt es meistens weniger zu sagen (klagen). Im ersten Jahr meiner Doktorarbeit war ich total motiviert und begeistert. Man hätte mich gar nicht bezahlen müssen, ich hätte auch so gerne im Labor gearbeitet. Natürlich ist man mit Vielem überfordert aber man lernt eben auch sehr viel. Vor allem ist man hauptsächlich mit technischen Dingen und konkreten (Arbeits-)Abläufen überfordert, das sind alles Dinge von denen man weiß, dass man sie lernen kann. Falls ihr euch in dieser Phase der Doktorarbeit befindet, hört jetzt auf zu lesen!

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Geld? Welches Geld? – Finanzen für Doktoranden

Falls es euch noch nicht aufgefallen ist, es ist jetzt Trend sich um seine Finanzen zu kümmern. Es gibt hunderte Blogs, Podcasts und Bücher zu Themen wie investieren, finanzielle Freiheit und passivem Einkommen. Falls ihr euch beim Anblick eures Kontos auch immer wieder fragt: Geld? Welches Geld? Ist es vielleicht an der Zeit sich mit dem Thema auseinanderzusetzten.

Zum einen, weil es wichtig ist seine persönlichen Finanzen im Griff zu haben. Zum anderen, weil man in einer kapitalistischen Gesellschaft vielleicht ein kleines bisschen über das, was man mit Kapital so machen kann, wissen sollte.

Meine Empfehlungen sind der Podcast von Madame Moneypenny und das Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ von Gerd Kommer. Madame Moneypenny heißt im echten Leben Natascha Wegelin und ist im Moment überall. Ihr Podcast ist lehrreich und unterhaltsam. Das Buch von Gerd Kommer zielt natürlich darauf ab sein Geld in ETFs anzulegen aber es bietet auch eine super Einführung in Grundbegriffe der Börse und Geldanlage. Man lernt zum Beispiel was diese ETFs* sind, von denen alle reden, was Risiko an der Börse tatsächlich bedeutet und was der Unterschied zwischen anlegen und spekulieren ist. Das Buch ist recht wissenschaftlich geschrieben, man lernt also eine Menge und hört zu den meisten Thesen Pro- und Kontraargumente. Es erfordert dadurch aber auch etwas mehr Konzentration beim Lesen.

Dieser Beitrag soll euch dabei helfen, einfach mal mit dem Thema anzufangen und erst einmal einen Überblick über eure Finanzen zu gewinnen.

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Mündlich präsentieren: Wie überarbeite ich meinen Vortrag für die Konferenz?

Mündlich präsentieren: Meinen Vortrag überarbeiten (Bild: Russell Davies, Flickr)

Überarbeitet ihr eigentlich eure eigenen Konferenzvorträge? Worauf achtet ihr dabei? Wie Vorträge bei Konferenzen gehalten werden, unterscheidet sich ja stark von Disziplin zu Disziplin. In der Politikwissenschaft wird viel Arbeit in die Powerpoint (oder, hipper, die Prezi)-Präsentation gesteckt. Der Vortrag läuft à la Ted-Talk mündlich und mit viel Augenkontakt ab. In der Geschichte dagegen werden die Vorträge abgelesen. (Und das ist wörtlich zu nehmen. Ja, sie werden tatsächlich vorgelesen!).

Wenn du also in einer ähnlich altmodischen Disziplin wie der Geschichtswissenschaft unterwegs bist und willst, dass dir dein Publikum deinem Vortrag folgt (und glaubt mir, das ist manchmal echt schwer auf HistorikerInnen-Konferenzen), willst du wahrscheinlich etwas Arbeit in dein Vortragsmanuskript stecken. Nachdem der inhaltliche Teil steht heißt das, dass du den Vortrag auf Hörbarkeit überprüfst. Gerade für Menschen von der nervösen Sorte, die nicht spontan vom Manuskript aufschauen und den Rest frei erzählen (oder solchen, die auf keinen Fall Details vergessen wollen), kann man hier viel gewinnen, wenn man auf ein paar einfache Dinge achtet!

Also, hier sechs Tipps, um deine Präsentation sprachlich zu überarbeiten (mit Beispielen):

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Nervennahrung: Brownies mit Süßigkeiten-Topping

Der Februar ist definitiv ein Monat für süße, schokoladige Nervennahrung. Es ist immer noch kalt und dunkel, die Neujahrvorsätze hat man schon wieder über Bord geworfen und Karneval ist auch um die Ecke (soll ja Leute geben, die das freut…).

Diese Brownie-Rezept habe ich von Smitten Kitchen , einem der besten Foodblogs überhaupt. Diese Brownies sind Kakaobrownies, das heißt sie enthalten keine geschmolzene Schokolade, sondern nur Kakaopulver. Dadurch werden sie etwas kuchiger was ich ganz gerne mag.

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Der Schlussteil (2): Wie überlebe ich die Diss-Endphase?

Körperhygiene vs. Voranschreiten der Diss – credit: Jorge Cham, PhD Comics (http://phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=1185)

Vor zwei Wochen ging es hier darum, wie ich meine Dissertation gut beende – praktisch gesehen. Aber die größere Hürde ist häufig ja nicht der praktische Aspekt, sondern irgendwie psychisch intakt aus diesem Dampfkessel der Diss-Endphase herauszukommen (ich erwähnte ja schon die stetig abnehmende Körperhygiene, die PhD Comics auf den Punkt gebracht hat) Heute gibt es dazu ein paar Ideen – und einen pep talk. Denn ich glaube, das brauchen wir alle am meisten. Deshalb zuerst der pep talk.

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Warum all deine Kollegen Elsevier hassen und wie du endlich mitreden kannst

Wer soll das bezahlen?

Elsevier ist ein Verlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher mit Sitz in Amsterdam. Elsevier wird daher auch nicht französisch ausgesprochen, sondern etwa so wie „elsewir“ mit Betonung auf der ersten Silbe. Insbesondere Wissenschaftlern aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereichen ist Elsevier außerdem als alles-das-was-mit-der-Wissenschaft-nicht-stimmt und das-Böse-in-Verlagsform bekannt. Der Verlag veröffentlicht Forschungsergebnisse, die mit Steuergeldern bezahlt wurden, lässt diese Ergebnisse von Wissenschaftlern beurteilen, die zumeist mit öffentlichen Geldern bezahlt werden (peer-review) und nimmt dann horrende Summen von den Universitätsbibliotheken, um diese Ergebnisse zur Verfügung zur stellen. Dabei macht Elsevier Gewinne von deutlich über 30 % (siehe z.B.: hier, hier und hier).

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Der Schlussteil: Wie beende ich meine Dissertation (ohne Panik)?

Zirka zwei Monate vor Abgabe meiner Dissertation hatte ich einfach keine Lust mehr. Die Arbeit sollte einfach nur noch fertig werden – mir war relativ egal wie, Hauptsache weg, runter vom Schreibtisch, nie wieder sehen. Vielen meiner Freunde geht es ähnlich: Irgendwann ist die Luft einfach raus. Aber es muss weitergehen, Einleitung und Schluss müssen geschrieben werden, mit grolligem Magengrummeln, mit einer stetig wachsenden Portion Selbstmitleid, in der Jogginghose und abnehmender Körperhygiene, unter Einlegen von Nachtschichten, die einen um Sozialleben und Verstand bringen. An alle, denen es gerade ähnlich geht,  ein „hello from the other side“: Ihr schafft das. Ihr habt schon so viel geschafft. Eine ganze Dissertation habt ihr geschafft – Daten erhoben, Konferenzvorträge gehalten, Papers veröffentlicht, Seminare gehalten… ihr schafft auch den Schlussteil. Wirklich. Heute soll es darum gehen, wie (insbesondere für die Geistes- und Sozialwissenschaften).

Der Schlussteil macht vielleicht deswegen vielen so viel Angst, weil er die Krone deiner Dissertation ist. Hier führst du die Fäden zusammen, sagst, was du herausgefunden hast und wie und vor allem, warum das wichtig ist.

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Ich, Akademikerin: Frau-Sein in der Wissenschaft

Ein Gastbeitrag von Christine Stedtnitz (University of Essex, Colchester)

Marie Curie – unter Männern

Dieses Genderthema finde ich ziemlich nervig.

Wenn Politiker von „Bürgerinnen und Bürgern“ sprechen, halte ich das für Wort- und Zeitverschwendung. Wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Sätze mit „ich als Mann“ oder mit „ich als Frau“ anfangen habe ich selten Lust, den Rest des Satzes anzuhören. Bei „Du als Frau“ oder „Du als Mann“ werde ich passiv aggressiv. Wenn der Satz mit „müsstest“ weitergeht, kündige ich die Freundschaft auf.

All das änderte sich schlagartig, als ich, anno 2015, begann zu promovieren. Plötzlich redete alles über gender. Ständig. Und das obwohl zumindest mein Promotionsjahrgang vollkommen gender-ausgeglichen war. Schon in meinem ersten Promotionssemester wurde mir zugeteilt, dass es Mentoringprogramme gäbe, nur für Frauen, ganz toll, und, noch toller, eine Konferenz in den USA, wo ich nur Frauen meine Forschung vorstellen könnte. Als pflichtbewusste Preußin habe ich auch sofort eine halbherzige Bewerbung mit einem mittelmäßigen Abstract eingereicht. (Wundersamerweise bekam ich eine Absage.)

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