Schaltet die Smartphones aus!

Konzentriert und diszipliniert zu arbeiten ist für viele Doktoranden ein Problem. Das ist ja nichts neues, auch nicht auf diesem Blog. Heute soll es um einen ganz konkreten Aspekt des produktiven Arbeitens gehen: das Smartphone. Das hindert mich nämlich andauernd daran konzentriert zu sein. Ich versuche daher mein Smartphone weniger zu nutzen und das macht wirklich einen Unterschied!

Arbeit, Spaß oder weder noch? Photo by Tim Bennett on Unsplash

Mit dem Update iOS 12 gibt es auf dem iPhone die Funktion „Bildschirmzeit“. Unter Einstellungen findet man jetzt einen extra Punkt für diese Funktion und kann dort sehen, wie lange und wie oft man das Smartphone nutzt. Die Funktion zählt die Zeit, in der der Bildschirm an ist. Wenn man also Musik hört und der Bildschirm dabei ausgeht, wird das nicht eingerechnet.

Ich habe in der vergangenen Woche das Handy durchschnittlich eine Stunde und siebenunddreißig Minuten genutzt, die meiste Zeit (7 Stunden und zweiundvierzig Minuten) entfiel dabei auf Whatsapp (Videochats mit meinem Freund in den USA). Ich persönlich finde die Zeit, die ich am Handy verbringe völlig in Ordnung.

Kritisch ist ein anderer Punkt: „Aktivierungen“, dort sieht man, wie oft man das Telefon entsperrt – wenn man nur den Bildschirm anmacht, um die Uhrzeit oder Bannernachrichten von z.B. Whatsapp zu checken, wird das nicht mit gezählt.

Mein Telefon zeigt mir für die letzten sieben Tage durchschnittlich 25 Aktivierungen pro Tag an. Ich entsperre also 25 mal am Tag mein Telefon, um nur ein paar Minuten drauf zu schauen. Das heißt etwa zweimal die Stunde. Nicht mitgerechnet, die Male, die ich nur den Bildschirm anmache, um zu sehen ob eine Nachricht da ist.

Ich bin permanent abgelenkt

Für mich bedeutet das: Ich bin permanent abgelenkt durch mein Smartphone. Wenn ich an einer unangenehmen Aufgabe sitze, nutze ich das Handy immer wieder, um mich abzulenken. Die Ablenkung besteht dabei nicht nur, während man das Telefon in der Hand hat, sondern auch danach. Zum einen, weil man gedanklich ein neues Thema anfängt – wann treffen wir uns zum Sport? Wo essen wir heute Abend? Was wäre ein cooles Geschenk? – eben all die Dinge, die man über Messenger klärt. Zum anderen, weil man wieder die Anfangsenergie aufbringen muss, um sich seiner eigentlichen, anstrengenden Aufgabe zu widmen.

Hier also meine Ideen und Tipps, um das Smartphone weniger zu nutzen.

Schalte das Smartphone aus

Wenn ich konzentriert arbeiten möchte, versuche ich das Telefon auszuschalten. Ich stelle es nicht stumm oder leise oder in den Flugzeugmodus, denn all diese Dinge kann man in einer Sekunde wegwischen. Ich mache es aus. Das Anschalten dauert fast 20 Sekunden bis man Code und Pin wieder eingegeben hat. Das ist meistens lang genug, um sich zu erinnern, dass man ja nicht dauernd aufs Handy gucken wollte. Das Handy auszulassen ist ohne Frage schwierig. Es kostet echte Überwindung und ich mache es in der Mittagspause auch immer wieder an – was wohl ein deutlicher Hinweis ist, das ich es noch viel häufiger ausmachen sollte.

Es ist wirklich so, dass ich an den Tagen, an denen ich mein Handy über längere Zeit ausmache, konzentrierte und effektiver arbeite. Probiert es einfach mal aus.

Schalte Push- und Bannerbenachrichtigungen aus

Falls man das Handy nicht ganz ausschalten will oder kann, sollte man Ablenkungen dadurch so weit wie möglich reduzieren. Für mein Mailprogramm habe ich Nachrichtenanzeigen komplett ausgeschaltet. Ich muss meine privaten Mails nicht andauernd checken. Für alle Messengerdienste habe ich Bannernachrichten ausgestellt (das kann man beim iPhone in den allgemeinen Einstellungen, nicht in den Apps). Das heißt ich bekomme auf dem Sperrbildschirm nicht mehr gezeigt, dass Nachrichten angekommen sind. Dadurch bin ich nicht so versucht das Handy zu entsperren, wenn ich drauf schaue, um die Uhrzeit zu sehen.

Nutze das Smartphone nicht für Aufgaben, für die du es nicht brauchst

Das man sein Handy die ganze Zeit in der Hand hat, liegt auch daran, dass man es für so vieles nutzt. Man könnte aber auch eine Uhr tragen anstatt die Uhrzeit auf dem Smartphone zu überprüfen und dann automatisch auch gleich ein paar Nachrichten / Soziale Netzwerke zu checken. Es gibt auch immer noch ganz normale Wecker, man ist also nicht gezwungen das Handy neben dem Bett zu haben.

Wenn man für viele Alltagstätigkeiten (Musik hören, navigieren, Zeitung lesen) das Smartphone nutzt, wird es immer mehr zum Automatismus nach dem Handy zugreifen, wenn man sich gerade einen Moment langweilt oder ärgert oder überfordert ist.

Greife nicht in jeder Wartesituation nach dem Smartphone

Ob im Wartezimmer beim Arzt, an der Bushaltestelle oder auch im Café, wenn das Gegenüber gerade auf dem Klo ist, man ist schnell versucht Wartezeit mit dem Handy zu verbringen. Ich versuche mir das ganz bewusst abzugewöhnen. Wenn ich weiß, dass ich irgendwo warten muss (Arzt, Werkstatt, Bahn), dann nehme ich mir ein Buch mit. Im Café kann man wirklich genauso gut die anderen Menschen beobachten oder sich mit seinem Cappuccino beschäftigen. Natürlich ist es für die Produktivität am Schreibtisch völlig egal, ob man im Bus mit dem Smartphone spielt aber ich glaube man sollte überall wo es möglich ist versuchen den Automatismus zu durchbrechen, der einem nach dem Handy greifen lässt.

Gib nicht auf

Es gibt Phasen, da ist man disziplinierter und Phasen, da ist man es nicht. Es ist ja auch so, dass jede App so designt ist, dass man möglichst viel Zeit mit ihr verbringt. Apple, Facebook und Co wollen Geld verdienen, und das machen sie mit der Aufmerksamkeit (und den Daten), die wir ihnen schenken. Genauso möchte jede Website, die man besucht, dass man dort mehr Zeit verbringt und öfter vorbei schaut, sodass sie teurere Werbung schalten können.

Ich glaube es ist wichtig sich seines Smartphone-Konsums bewusst zu sein und zu versuchen ihn so zu gestalten wie man das für richtig hält. Ich werde also weiterhin versuchen mein Handy häufiger zu ignorieren und dafür meine Dissertation seltener.

 

 

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