Schreibblockaden lösen – 4 Tipps, die dir dabei helfen können

Es ist Donnerstag. Es ist 10:00 Uhr morgens – du bist voller Elan an deinen Schreibtisch gekommen, um jetzt endlich das nächste Kapitel an deiner Diss anzugehen. Du setzt dich hin, öffnest das Word Dokument und erstarrst – nichts. Nichts geht mehr, dir fällt nichts mehr Neues, nichts mehr Sinnvolles ein oder du weißt einfach gar nicht mehr, was du heute Nacht noch oder heute früh beim Zähneputzen noch Schlaues sagen und schreiben wolltest. Da ist sie nun die ominöse weiße Seite – oder auch der alte Text von gestern/letzte Woche/letzten Monat/letztem Jahr und wie weiter? Wie sollst du daran anschließen? Ahh. Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut und ich habe ehrlich oft auch genau das gehabt: Eine Schreibblockade. „Writer‘s block“, wie es so schön auf Englisch heißt. Heute will ich dir 4 Tipps mitgeben, die dir vielleicht aus der Blockade raushelfen können. Probiere das wirklich gerne mal aus!

Zunächst vorweg: Das sind nicht meine eigenen Erfindungen oder Ideen. Auch ich habe mich in der Zeit meiner Arbeit an der Promotion immer wieder nach Lösungen und Hilfestellungen umgeschaut und wie im Artikel zum Ratgeber “Promovieren mit Perspektive” schon erwähnt, habe ich auch immer wieder den Weg ins Netz oder zu Ratgebern gesucht. Manches hat geholfen, anderes nicht. Aber für mich war es oft der Punkt an dem ich dachte: „Schlimmer kann es nicht werden, also warum nicht mal was Neues ausprobieren?“. Daher möchte ich noch einen Dank an dieser Stelle an die Autorin Judith Wolfsberger loswerden – sie hat das Buch „Frei geschrieben“ bei utb veröffentlicht und eine Kollegin hat mich auf dieses Buch gebracht (vielen Dank auch an dich, Janina G.!). Dieses Buch hat mir wirklich sehr geholfen – es hat mich gestützt, weil es kritisch damit umgeht, dass wissenschaftliches Schreiben in Deutschland nicht systematisch gelehrt wird (siehe auch diesen Artikel zum Schreiben) und zugleich mit schmerzhaften Erfahrungen einhergehen kann – ABER auch mit Momenten von Spaß, Glück und Freiheit! Ich empfehle es ehrlich. Und lass dich nicht abschrecken, wenn du liest, dass es für Abschlussarbeiten gedacht ist und nicht explizit für Promotionen. Denn was ist eine Promotion auch? Richtig eine Qualifikationsarbeit, wie andere Abschlussarbeiten auch. Also mein Tipp Nr. 1 ist: Guck mal in einen Ratgeber zum Thema Schreiben, da sind m.E. wirklich viele hilfreiche Ideen drin – gerne nachdem du hier die weiteren Tipps gelesen und ausprobiert hast, denn du willst doch eigentlich gerade an deiner Diss arbeiten, oder 😉?

Moregns/Mittags/Abends – schreib dir erst mal Alles aus der Seele

  • Tipp 2: Die Morgenseiten: Etwas was mir ungemein geholfen hat aus Schreibblockaden rauszukommen und vor allem morgens nicht gleich in eine reinzukommen, waren die sogenannten Morgenseiten. Diese Praxis habe ich viele Monate hinweg beibehalten (ich kann es für fast 3 Jahre rekonstruieren). Die Idee ist simpel und gut umsetzbar. Anstatt dass du als erstes deine Diss „aufmachst“, um dort zu schreiben, nimmst du dir ein paar Minuten Zeit und schreibst einfach mal alles aus deinem Kopf raus – egal womit es zu tun hat. Ob nun Ideen, Sorgen, Gefühle, anstehende Aufgaben, Arzttermine, Streit etc. etc. (wie ist mein Ist-Zustand gerade? Wovor habe ich Angst? Worauf freue ich mich, was muss ich heute noch alles erledigen?). Du schreibst einfach alles runter. Ohne zurück zu blicken, was du da schreibst. Ohne es zu bewerten, ohne darüber nachzudenken. Auch ohne Rechtschreibung zu korrigieren oder Satzbau zu bewerten. Einfach drauflos. Bist du nicht mehr kannst – dein Kopf leer ist oder du sagst, jetzt sind 10 Minuten rum… In den Ratgebern wird auch empfohlen diese Seiten am besten per Hand zu machen. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es mir am PC besser gelungen ist. Das hat meine Finger schon mal an die Tastatur gewöhnt und das Beste war: Irgendwann sind meine Gedanken automatisch in Richtung Diss-Thema und Schreiben gewandert. Das stimmt ehrlich. Ich habe mich ja an den PC gesetzt, weil ich an der Diss arbeiten wollte und nicht um explizit Tagebuch zu schreiben.  Dieses Ritual habe ich lange beibehalten. Dabei ging es gar nicht darum, dass es unbedingt am Morgen sein musste – es geht vielmehr darum, dass es noch vor dem „eigentlichen“ Textschreiben kommt. Du kannst dich mit diesen Morgenseiten von allem befreien, kannst deinen Geist quasi entleeren und so den Fokus langsam aber beständig auf dein Diss-Thema lenken. Und wo du dann schon so schön am Schreiben bist und einen Gedanken aus der Diss verfolgst – vielleicht den guten Gedanken, denn du heute Morgen noch unter der Dusche hattest? – schreibst du einfach weiter. Denn das kannst du ja dann am Ende kopieren/ausschneiden und in dein Diss-Dokument an passender Stelle einfügen und schon ist ein neuer Abschnitt da. Und das führt mich gleich zum nächsten und wichtigsten Tipp.

Rohtexten gegen Blockaden

Tipp 3: Ein Rohtext ist ein Rohtext ist ein Rohtext: Ein vielzitierter und doch goldener Tipp ist dir sicher bekannt. Dennoch nochmals: Teile das Schreiben in unterschiedliche Phasen und Stufen ein – erst Vorarbeiten (Lesen/Gedanken machen/Stichworte/Cluster what ever). Dann Bücher/Texte zur Seite oder besser noch ganz weg legen und dann geht es an das Rohtexten. Und hier entstehen oft die ersten heftigen Blockaden. Denn ein Rohtext – eine erste Version – ist noch KEIN Draft, es ist noch sicher KEINE Version zum Vorzeigen und ist auch sicherlich kein ganzer Text der zu 100% so und genau so am Ende noch stehen wird. ABER: Du bist ja gerade nicht am Ende – du bist beim Schreiben. Und das kann richtig Spaß machen, wenn du loslassen und auch mal frei sein kannst (danke Judith Wolfsberger!). Denn ein Rohtext ist ein Rohtext – nicht mehr und nicht weniger. Er ist unfertig, wild, es fehlen Teile, es fehlen an Stellen die korrekten Zitate, oder der originale Wortlaut des Zitats aus dem einen Text, der an dieser Stelle so gut passt (das guckst du dann später!!! nach und ergänzt es an der Stelle). Ein Rohtext fließt erst mal so dahin – trau dich mal das auszuprobieren. Es war wirklich mein Game-Changer. Ganz ehrlich! Ich hatte mich wirklich selbst zu sehr diszipliniert und wollte zu viel „richtig“ schreiben, wissenschaftlich klingen, direkt die best-passenden Zitaten einfügen. Und das hat mich ausgebremst, es hat meine Gedanken nicht fließen lassen und mir war dann immer gar nicht mehr klar, was ich eigentlich im nächsten Satz/Absatz sagen wollte/kann. Dieses Rohtexten kann dann wirklich Spaß machen, weil es erstmal befreit loszuschreiben und nicht mit sich so streng sein zu müssen. Schließ kurz mal die innere Kritiker*in aus und lad sie später wieder dazu ein, sich den Text (aber das wirklich erst später!) anzugucken. Aber jetzt schreib doch einfach mal los. Nimm dir die Zwischenüberschrift, die du dir für den Abschnitt ausgedacht hast – auch wenn sie noch nicht fertig ist – und leg los. Und wenn es „nur“ eine Seite ist – mach mal. Und dann sei stolz auf dich! Solange du schreibst, wird die Blockade immer weniger stark und immer weniger mächtig. Ich wünsche es dir sehr!

Ortswechsel helfen: auch wenn es nur kurz ist

Tipp 4: Schreib (kurz) an einem anderen Ort: Und jetzt noch ein Tipp für bzw. gegen die akute Schreibblockade. Anstatt zu sagen, „ich mach dann halt jetzt erst mal was anderes für die Diss“ – erst mal noch einen weiteren (wichtigen?) Artikel lesen, das x-te Mal das Inhaltsverzeichnis bedenken oder im Literaturverwaltungsprogramm rumzuwerkeln – klappst du jetzt den Laptop (mit dem Word Dokument offen!) zu und nimmst dir genau ein oder maximal zwei Texte/Bücher/Cluster/Interviewmaterial oder was auch immer du gerade zum Schreiben brauchtest und gehst vor die Tür. Geh an einen anderen Ort – am besten ein Stück entfernt, von dem Ort, an dem du gerade die Blockade hast. Es kostet tatsächlich manchmal extra Zeit (z.B. musst du nun die Haare waschen oder aus dem Jogging-Anzug raus, um in die Bibliothek oder in ein Café zu gehen oder du musst das Büro an der Uni verlassen). ABER manchmal sind diese paar Meter und diese paar Minuten richtig wichtig, um danach wirklich Schreiben zu können! Es geht ja darum „anzufangen“ – denn Du bist in der Lage zu schreiben, Du kannst Text verfassen und vor allem erst mal im Sinne des obigen Freewriting Rohtext produzieren – da bin ich mir ganz sicher. Die Blockade ist nur gerade jetzt – und anstatt zu sitzen und abzuwarten, geh und mach woanders weiter. Das ist jetzt deine Schreibzeit und einen Absatz woanders zu schaffen, wird dich am Ende glücklicher machen, als eine Stunde weitere Literatur bearbeitet zu haben, aber dich mit einem schlechten Gewissen zu belasten, weil das ja eigentlich deine Schreibzeit war. Also: Wenn es gerade stockt und blockt, dann bewege dich kurz woanders hin. Nimm wirklich so wenig Ballast mit, wie möglich (und das meine ich wörtlich – nur ein Buch!) und klappe dann woanders den Laptop auf und lege los – nicht nachdenken, nur tun. Das Korrigieren und Nachdenken, das Grübeln und Umstellen machst du später. Jetzt geht’s ums Schreiben, ums Losschreiben und dranbleiben. Dafür hilft es ehrlich (probiere es aus!) mal den Ort zu wechseln und nur das Nötigste zu haben – denn dann kannst du dich wieder auf deine Gedanken, die du ganz sicher bereits im Kopf hast, konzentrieren und musst dich nicht von all den schlauen Artikeln, dicken Büchern und Meterlangen Zahlen/Daten/Fakten ablenken lassen. Und wenn der Absatz aufs virtuelle Papier gebracht ist, wenn die Gedanken raus sind und du jetzt nicht mehr weißt, was du noch Schreiben kannst… Gut gemacht! Seit stolz auf dich, wenn du nun in dein Material guckst, wird dir für morgen sicher wieder das nächste einfallen – und vielleicht gibt es jetzt ja auch einen leckeren Kaffee obendrauf! Belohnung ist wichtig! Ich wünsche dir viel Erfolg dabei die Blockade hinter dir zu lassen!

Leave a Reply

Your email address will not be published.