Was hat es mit wissenschaftlichen Postern auf sich?

Nicht solche Poster …. Foto: Unsplash

Letzte Woche war ich auf der ISMRM, der internationalen Konferenz für MRT in klinischen und präklinischen Anwendungen. Die ISMRM ist eine ziemlich große Konferenz mit etwa 5500 Teilnehmer und fand dieses Jahr in Montreal statt. Ein hoch auf den Uni-Jetset!

Anlass diese Posts ist aber nicht der Glamour-Faktor einer Konferenz, sondern die Basis: Posterbeiträge. Für alle nicht-Wissenschaftler klingt es immer etwas schräg, wenn man ein Poster für eine Konferenz macht. Die meisten wissenschaftlichen Poster kommen aber ganz ohne den Einsatz von Kleber und Schere aus. Tatsächlich hat die ISMRM in diesem Jahr etwas gewagt, was ich noch auf keiner Konferenz gesehen habe: es gab keine traditionellen Papierposter mehr, sondern nur noch digitale.

Das Schöne an Posterpräsentationen ist, das man ganz direkten mit interessierten Wissenschaftlern ins Gespräch kommt. Man hält weniger einen Monolog, sondern unterhält sich über seine Forschung. Dadurch kann man als Zuhörer viele Fragen stellen und über die Dinge, die einen besonders interessieren, mehr hören. Als Vorstellender bekommt man sehr direktes Feedback und oft auch gute Ideen, was man noch mit den Daten oder der Methode machen kann. Außerdem ist es für die meisten viel entspannter sich am Poster mit zwei bis drei Menschen gleichzeitig zu unterhalten anstatt vor hundert Menschen einen Vortrag zu halten.

Poster ist aber nicht gleich Poster, daher erst einmal eine kurze Übersicht der möglichen Formate. Danach gibt es dann noch ein paar handfeste Tipps.

Posterformate

Das traditionelle Poster

Das traditionelle Poster ist ein auf A0 Papier gedrucktes Poster. Manchmal auch auf Stoff gedruckt, dass macht den Transport im Koffer leichter. Ansonsten muss man ein traditionelles Poster nämlich in einer Posterrolle transportieren. Die werden von den meisten Airlines aber auch anstandslos als Extra mittransportiert. Die meisten Wissenschaftler halten das Papierposter für das Nonplusultra. Es hat den Vorteil, dass man sich in einer Reihe mit Posterwänden leicht einen Überblick verschaffen kann und die Poster auf einen Blick als interessant oder uninteressant einstufen kann.

Das e-Poster

Das zweithäufigste Format sind ePoster. ePoster sind eigentlich (Powerpoint)Präsentationen, die als Poster verkauft werden. Man stellt seine Folien auf einem normalen Bürobildschirm vor. Der Vorteil ist, das man viel mehr Informationen unterbringen kann, da man in der Folienzahl meistens nicht limitiert ist. Außerdem kann man Videos einbinden. Der Nachteil ist, dass eigentlich nur zwei Menschen vor einem solchen Bildschirm stehen können und sich die Sachen angucken. Außerdem fällt das vorbei schlendern an den Postern weg, sodass man mühsam im Programm nachgucken muss, welche Poster einen interessieren könnten. Hauptargument für alle digitalen Postervarianten ist, das man auf 100 Bildschirmen leicht 1000 Poster zeigen kann, aber für 1000 Papierposter mit Posterwänden braucht man ziemlich viel Platz.

Digital Poster

Eine Variation des klassischen ePosters sind digitale Poster auf großen Bildschirmen. Diese Bildschirme sind so breit wie ein A0 Poster aber nicht so hoch. Sie sollen dir die Möglichkeit geben auszuwählen, ob du deine Arbeit eher im ePoster Style (als Präsentation) oder im traditionellen Poster Style (dann halt auf zwei Folien) zeigst.

Postersessionformate

Traditionell

In einer traditionellen Postersession wird dir eine Zeit zugewiesen wann du an deinem Poster sein sollst, um dort direkt mit anderen Konferenzteilnehmern zu sprechen. Diese Sessions sind in der Regel thematisch geordnet, sodass dann für 60-120 Minuten alle Wissenschaftler mit einem Poster zum Thema “Brustkrebsdiagnostik” an ihrem Poster anzutreffen sind. Dieses Format funktioniert für jedes Posterformat.

Power Pitch / Poster Pitch

Bei einer Postersession mit Pitch beginnt die Session mit 2-Minutenvorträgen von jedem Teilnehmer. Das heißt, du stellst dein Poster in einem kurzen Vortrag vor und hast im Anschluss die Möglichkeit direkt an deinem Poster mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Dieses Format bietet allen Zuhörern die Chance einen schnellen Überblick über die vorhandenen Poster zu bekommen. Außerdem kannst du mit einem spannenden Vortrag sehr gut Werbung für dein Poster machen. Wichtig ist dabei, den Pitch nicht als vollständigen Vortrag zu sehen. Du sollst dein Poster nicht komplett erklären und sicher nicht detailliert auf die Methoden eingehen. Es geht mehr darum Interesse zu wecken. Das geht gut indem man zunächst das Problem beschreibt z.B. Mammographien finden viele “Tumore”, die gar keine Tumore sind, dann deine Lösung ganz kurz vorzustellen, dann zu zeigen wie viel besser deine neue Methode ist und zu sagen, dass du die Details deiner Methode gerne am Poster erläuterst.

Poster Pitches kann man zu jedem Format machen, üblicherweise werden sie bei digitalen Postern eingesetzt, sodass die Zuhörer einen Überblick über die Themen bekommen ohne das Programm genau studieren zu müssen.

Poster Walk

Ein Poster Walk kann Teil einer traditionellen Postersession sein. In den Sessions mit Vorträgen gibt es üblicherweise zwei Moderatoren, die sogenannten chairs. Im Falle eines Poster Walks haben auch die Postersessions chairs und die gehen zu Beginn der Session rum und besuchen jedes Poster. Bei einem Poster Walk weißt du, dass du dein Poster mindestens einmal komplett vorstellen wirst. Poster Walks werden normalerweise gemacht, um Posterpreise zu vergeben.

Das gilt immer

  • Das Poster sollte nicht zu voll sein. Zum Einen sieht das blöd aus, zum Anderen ist es dann viel schwerer zu erfassen. Also sorge dafür, dass ausreichend Abstand zwischen Absätzen/ Stichpunkten oder Bildern ist.
  • Die Grafiken sollten nicht zu kompliziert sein. Ein Poster ist kein Paper und niemand ist gewillt sich hinzustellen und fünf Minuten zu brauchen, um eine Grafik zu verstehen. Jede Grafik solltest du in zwei Sätzen erläutern sollen. Falls das nicht geht, würde ich die Grafik aufspalten.
  • Insbesondere wenn du noch nie ein Poster gemacht hast, solltest du das Vorstellen einmal üben. Dabei gibt es zwei Varianten, entweder jemand kommt zu deinem Poster und sagt “Erzähl mal” oder jemand kommt mit ganz konkreten Fragen. Für den ersten Fall solltest du vorbereitet sein.
  • Da du dein Poster übersichtlich halten willst, wirst du kürzen müssen. Wichtig sind die Ergebnisse und die Diskussion. Je nachdem wie weit gestreut die Session thematisch ist, auch die Einleitung. Bei den Methoden darf man sich ruhig zurück halten. Wenn es jemand ganz genau wissen will, kannst du es ja erklären. Ansonsten würde ich die nötigen Methoden schon aufs Poster setzen aber optisch nicht in den Mittelpunkt rücken. Also zum Beispiel nach unten setzen und die Schriftgröße etwas kleiner wählen.
  • Zum Thema Schriftgröße: die sollte groß genug sein! Für ein gedrucktes Din A0 Poster sollte die Textschriftgröße wenigsten 32 Punkt sein. Für digitale Formate geben die Konferenzorganisatoren in der Regeln Hinweise, da man vorher nicht unbedingt weiß wie groß die Bildschirme sind.
  • Auch wichtig für die Lesbarkeit: die Bildqualität.
  • Man sollte das Format für das Poster und die Session beachten und wo es geht ausnutzen.
    • Digitale Poster: Versuche Videos oder Gifs einzubinden.
    • Traditionelle Poster: Benutze großformatige Grafiken und sorge dafür, dass die wesentlichen Dinge im vorbei schlendern zu erfassen sind.
    • Poster Walk: Da du weißt, dass du dein Poster einmal komplett vorstellen wirst und eventuell sogar Preise winken, solltest du das vorher üben.
    • Power Pitch: Ein Poster Pitch ist ein Teaser kein vollständiger wissenschaftlicher Vortrag. Vor allem solltest du die Leute mit deinen Ergebnissen neugierig machen. Außerdem wichtig: überzieh nicht deine zwei Minuten.

Ob du dein Poster dann mit PowerPoint, Adobe Illustrator oder Latex machst, ist letztendlich egal. Am besten passt du dich einfach an deine Arbeitsgruppe an, dann kannst du die Formatvorlage mit allen wichtigen Logos auch gleich übernehmen.

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