Welche Professuren gibt es in Deutschland?

Foto: Andre Hunter auf Unsplash

Ein Überblick über den Titeldschungel

Bist du auch schon über die Bezeichnung „Emmy-Noether-Professorin“ gestolpert und hast dich gefragt, warum sich diese Frau  nicht einfach Prof. Emmy Noether nennt? Was bitte ist eine Lichtenberg-Professur? Und was sagt das „W“ vor der Professur aus? Die deutsche Hochschullandschaft ist reichlich unübersichtlich.

Wir haben dir eine Übersicht zusammengestellt – Karrierestationen vom PostDoc bis zur W3-Professur, inklusive Vergütung. Irgendein Licht am Horizont muss es ja für uns mindest entlohnte Promovenden geben…

PostDocs

Wenn du als frisch gebackener Dr. den Karriereweg an der Uni anstrebst ist das vermutlich dein nächster Halt: Der PostDoc. In den ersten Jahren nach der Promotion läufst du, wie es meine Kollegin formulierte, deinem Lebenslauf hinterher. Bis hier zählte nur die Diss – jetzt musst du publizieren, publizieren, publizieren! Und oben drauf Tagungen veranstalten, Sammelbände herausgeben, lehren, Vorträge halten… 

Dabei entwickelst du gleichzeitig ein neues Forschungsprojekt (normalerweise dein Habilitiationsprojekt), welches sich im inhaltlichen Fokus und in der wissenschaftlichen Verortung deutlich unterscheidet von deinem Promotionsprojekt. Wenn du also zur Entwicklung der Pizza als italoamerikanischen Identifikationsmarker im 20. Jahrhundert promoviert hast, solltest du dich nicht als nächstes mit Bagels als Transportmittel einer jüdisch-amerikanischen Identität beschäftigen! Nebenher publizierst und vermarktest du die Forschungsergebnisse aus deiner Dissertation. Die Zeit des einen Projekts ist vorbei (um wieder meine Kollegin zu zitieren).

PostDocs können die Finanzierung ihrer Stelle entweder selbst über Drittelmittel einwerben oder sie haben eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Lehrstuhl. Ähnlich wie bei der Wahl einer Promotionsstelle spricht viel für die Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, so du eine ergatterst. Denn um dich auf PostDoc-Stipendien bewerben zu können, musst du als Geisteswissenschaftler in der Regel deine Dissertation veröffentlicht haben, die Disputatio reicht nicht aus. Bis das geschehen ist, vergeht aber in der Regel ein gutes Jahr (es sei denn, du publizierst elektorisch). Du hast also eine nicht absehbare Zeit finanziell zu überbrücken, was nicht immer einfach ist. Außerdem musst du dich als Stipendiatin freiwillig krankenversichern, zahlst nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, hast nicht die Möglichkeit, Krankengeld zu beziehen und bekommst in der Regel kein Elterngeld. Trotzdem kann ein PostDoc-Stipendium eine gute Möglichkeit sein, deinen Lebenslauf zu füllen und ein eigenständiges wissenschaftliches Profil zu entwickeln, während du dich nach WiMi-Stellen umsiehst oder eine eigene Stelle bei der DFG oder ein Marie-Curie-Fellowship beantragst oder dich um eine Stelle als Nachwuchsgruppenleiterin bewirbst.

Verdienst:zwischen 1800 Euro (Stipendium) und ab ca. 2200 Euro netto (erstes Jahr bei TV-L 13 Besoldung)

Einen groben Überblicküber Förderinstitutionen vermittelt das Portral Research in Germany. Welche Stiftungen für dich in Frage kommen, ist von Fachbereich zu Fachbereich verschieden. Auf E-fellows.net gibt es auch eine Stipendiendatenbank.

Nachwuchsgruppenleitung: Emmy-Noether-Programm, ERC Starting Grant etc.

Als Nachwuchsgruppenleiter leitest du dein eigenes Forschungsprojekt (was in der Regel auch dein Habilitationsprojekt ist), in dem du nun auch Angestellte (wie Promovenden und studentische Hilfskräfte) beschäftigst. Normalerweise beträgt die Projektlaufzeit fünf Jahre. Neben der Arbeit am Projekt gibst du auch Lehrveranstaltungen und betreust Promotionen sowie Abschlussarbeiten (darfst allerdings keine Promotionsprüfung abnehmen).

Das bekannteste und renommierteste Programm ist das Emmy-Noether-Programmder Deutschen Forschungsgemeinschaft, welches auf sechs Jahre angelegt ist und in der Regel zwei Jahre PostDoc-Erfahrung voraussetzt. Außerdem solltest du für das Programm den Ort wechseln, also nicht an den Ort deiner Promotion zurückkehren.

Ein weiteres renommiertes (und mindestens ebenso kompetitives) Programm sind die ERC Starting Grants des European Research Council. Das Programm richtet sich an Nachwuchswissenschaftler zwei bis sieben Jahre nach ihrer Promotion. Der Antrag muss gemeinsam mit einer Gastinstitution (innerhalb der EU) gestellt werden, und der Hauptantragsteller bzw. die Hauptantragstellerin stellt auch hier Angestellte ein. Erfolgreiche Projekte werden mit bis zu 1.5 Millionen Euro für die Dauer von fünf Jahren gefördert. 

Weiter Förderprogramme bieten beispielsweise die Helmholtz-Gemeinschaft,Fraunhofer Attractoder die Max-Planck-Forschungsgruppen.

Verdienst: In der Regel zwischen 3900 und 4800 Euro brutto. Das Emmy-Noether-Programm wird mit TV-L 15 besoldet, also anfangs ca. 2500 Euro netto im Monat (je nach Steuerklasse). 

Zum Weiterlesen: Perspektiven und Gehalt für Nachwuchsgruppenleiter bei academics.de.

Heisenberg-Professur

Neben den klassischen Universitätsprofessuren gibt es auch sogenannte Stiftungsprofessuren. Mit der Heisenberg-Professur macht sich eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler für eine Universität attraktiv: Für die ersten fünf Jahre zahlt die DFG die Stelle, anschließend, so der Gedanke, soll die Stelle in eine unbefristete Professur umgewandelt werden. Der Kandidat bzw. die Kandidatin muss also nicht nur bei der DFG die Professur einwerben, sie muss auch das Berufungsverfahren an der entsprechenden Universität durchlaufen. Qualifiziert sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die beispielsweise als Nachwuchsgruppenleiter, Juniorprofessorinnen oder DFG-Projektstellen ihre Berufbarkeit erlangt haben. Ebenso können sich Habilitierte bewerben.

Verdienst: Ja nach Verhandlung als W2- oder W3-Professur (siehe unten).

Zum Weiterlesen: Das Heisenberg-Programm(DFG).

Lichtenberg-Stiftungsprofessur

Am bekanntesten unter den Stiftungsprofessuren sind wohl die Lichtenberg-Stiftungsprofessuren, die von der Volkswagen-Stiftung und dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft vergeben werden. Die Idee: Die Unviersitäten sollen durch Fundraising einen Teil des Kapitals für die Professur aufbringen, den Rest (jeweils eine Million) stellen Volkswagenstiftung und Stifterverband (insgesamt sollen mindestens fünf Millionen Euro aufgebracht werden). Vorbild sind sogenannte endowed chairs im angelsächsischen Bereich.

Verdienst: Die Professuren werden, ähnlich wie Heisenberg, je nach Ausstattung und Voraussetzungen nach der W-Besoldung vergütet.

Zum Weiterlesen: Stiftungsprofessurbei academics.de

W1-Professur/Juniorprofessur

Professuren werden in Deutschland nach der Besoldungsordnung W vergütet. Dabei erfolgt die Vergütung aufsteigend von W1 bis W3.

Juniorprofessuren sind das klassische Beispiel für eine W1-Professur. Die Juniorprofessur wurde als Alternative zum klassischen Weg zur „richtigen“ Professur eingeführt. Sie sollte die Habilitiation ersetzen und Nachwuchswissenschaftlerinnen und – wissenschaftlern schon früh ermöglichen, eigenständig zu forschen, zu lehren, und Prüfungen abzunehmen. Nebenbei sind Juniorprofs in die selben Aufgaben eingebunden wie reguläre Professoren, nehmen als auch an der akademischen Selbstverwaltung teil, werben Drittmittel ein und sind in der Lehre tätig (wenn auch mit weniger Stunden). Wer eine Juniorprofessur absolviert hat, hat sich für eine reguläre Universitätsprofessur qualifiziert, muss sich also nicht mehr habilitieren. In der Praxis hat das aber nur in einigen Disziplinen geklappt. In der Geschichte beispielsweise ist die Habilitation nach wie vor unumgänglich auf dem Weg zur Professur. Die Juniorprofessur ist in der Regel auf sechs Jahre befristet. 

Verdienst: Circa 4500 Euro im Monat. 

W2-Professur

Je nach Ausschreibung kannst du dich nun auf W2- und W3-Professuren bewerben. Sollte es eine W2-Professur geworden sein (Glückwunsch!!), bewirb dich ruhig weiter, du kannst dann besser nachverhandeln.

Verdienst: Als W2-Professorin verdienst du je nach Bundesland am Anfang circa 5600 Euro (je nach Lohnsteuerklasse und anderen Faktoren)

W3-Professur

Verdienst: Die finanziell lukrativste Professur ist die W3-Professur. W3-Professorinnen und Professoren verdienen anfangs (auch hier natürlich je nach Bundesland, Lohnsteuerklasse, Familienstand, Kindern etc.) circa 6300 Euro. Am meisten verdienen W3-Professoren übrigens in Baden-Württemberg: Hier liegt das Gehalt bei um die 7000 Euro. (Einen Überblicküber die Gehaltsklassen findet ihr bei academics.com)

Und wie viele davon gibt es denn so an deutschen Hochschulen?

Laut statistischem Bundesamt waren 2017 insgesamt von 11.442 Professuren der größte Anteil W2-Professuren (4973), danach W1-Professuren (2621) und die auslaufenden C-Besoldungsgruppen. Die Anzahl der Juniorprofessuren lag bei 714. Zahlen für Nachwuchsgruppenleiter wurden nicht gesondert erhoben (Hier der Bericht).

Wie eine Studie der GEW betont, ist der Weg zur Professur allerdings steinig – und die Statistik sieht nicht gut aus. Auf jede Berufung auf W2/W3-Professuren kommen 20 Bewerbungen (die ja alle hoch qualifiziert sind) und nur ein Drittel all jener, die zwar berufbar sind, aber keine Professur erlangt haben, konnten eine Führungsposition an einer außeruniversitären Forschungsreinrichtung erlangen. (Die Studie, erstellt von Anke Burkhardt, ist hier einsehbar).

Ich habe gehört, in der freien Wirtschaft kann man auch Geld verdienen…

Auch relevant:

8 Dinge, die ich über die Wissenschaft gelernt habe

Leave a Reply

Your email address will not be published.