Wie feiert man eigentlich seine Erfolge?

Photo by Analise Benevides on Unsplash.

Vor ein paar Wochen an einem Donnerstag habe ich meine Dissertation abgegeben. Vier Tage später, am Montagabend, wurde mir plötzlich klar, dass ich meinen besten Freunden noch nicht davon erzählt hatte. Ich hatte am Donnerstag eine Nachricht an meinen Mann und meine Eltern geschickt und das war das. Alle weiteren Personen, denen ich davon erzählt hatte, hatte ich sowieso getroffen und wahrheitsgemäß auf „Was gibt’s bei dir so?“ geantwortet. Ist das nicht schockierend? Ich habe mich dann gefragt, ob es nun meine persönliche Schwäche ist, dass ich Erfolge nicht so leicht genießen kann oder ob das ein typisches Problem ist. Ich hatte zwar keine Zeit für eine repräsentative Umfrage, aber da ich davon ausgehe, dass der eine oder die andere ähnlich tickt, habe ich zumindest diesen Post geschrieben.

Es wird viel um die konkrete Abgabe der Dissertation gehen, denn die Zeit zwischen Abgabe und Verteidigung ist tatsächlich irgendwie komisch. Einerseits ist man quasi fertig, andererseits steht noch diese Prüfung im Raum. Ich denke, dass man insebsondere diese Momente, in denen man etwas wichtiges aber noch nicht alles geschafft hat, gebührend feiern sollte. Mehr Zufriedenheit und weniger Selbstzweifel ist wahrscheinlich für alle Doktoranden ein gutes Motto (zum Thema Impostor-Syndrom siehe hier).

Was sind denn feierwürdige oder denkwürdige Erfolge?

Als perfektionistische Doktoranden neigen wir vielleicht noch mehr als andere dazu nur finaler Ergebnisse wertzuschätzen. Das ist dann also nicht die abgegeben Arbeit, sondern die Promotionsurkunde, die man nach erfolgreicher Verteidigung und Veröffentlichung in der Hand hält. Aber warum eigentlich? Insbesondere in diesem Fall ist die Dissertation der mit Abstand größte Teil der Gesamtaufgabe. Aber auch sonst sollte man gelungene Vorträge, Vorlesungen, Seminare und Veröffentlichungen genießen. Allein schon um ein Gegengewicht zu den Misserfolgen zu haben, die leicht dazu tendieren viel zu viel Platz im Kopf einzunehmen.

Was hält uns davon ab Erfolge wertzuschätzen?

Mir sind ziemlich schnell vier Gründe eingefallen, warum man seine Fortschritte und Ergebnisse nicht wertschätzt. Besonders typisch für Doktoranden sind vielleicht Perfektionismus und die Tendenz sich gleich dem nächsten Projekt zuzuwenden. Man ist vielleicht der Meinung, dass der Vortrag noch besser hätte sein können oder sogar müssen. Oder man fokussiert sich sobald die Dissertation abgegeben ist vollkommen auf die Disputation und bemerkt den Moment, in dem man die Arbeit von drei bis fünf Jahren zusammengetragen und in schicker Form eingereicht hat, gar nicht.

Insbesondere beim Abschluss sehr langer Projekte kann man auch einfach zu erschöpft sein. Es wirkt nur wie noch mehr Arbeit jetzt auch noch in irgendeiner Form zu feiern. Vielleicht ist auch die Außenwahrnehmung (gefühlt) nicht so positiv, weil man zum Beispiel sehr lange für die Promotion gebraucht hat oder in einem Fach promoviert, dass deine Familie nicht wertschätzt.

Warum sollte man Erfolge trotzdem bewusst feiern?

Selbst wenn man der Meinung ist, dass die Dissertation gar nicht so toll ist, die Disputation schon am Horizont droht und man außerdem viel zu k.o. ist, um auch nur eine Flasche Sekt zu kaufen, kann man den Moment genießen! Der Trick ist wie so oft im Leben sich erstmal bewusst zu entscheiden den Erfolg zu feiern und so zu handeln, die Gefühle machen dann schon mit. Was die Außenwahrnehmung angeht: Oft ist es nur die Innenwahrnehmung und der eigene Perfektionismus, der einen unsicher macht. Und falls nicht: Fuck them! Eine Dissertation abzuschließen oder ein Paper zu veröffentlichen oder einen guten Vortrag zu halten oder ein spannendes Seminar zu organisieren, sind großartige Erfolge auch wenn Tante Erna das nicht sieht.

Ideen, um Erfolge zu feiern

  • Sekt funktioniert immer.
  • Sich etwas können: Das kann etwas Kleines sein wie ein leckeres Stück Torte, etwas größeres wie ein schickes Kleid oder ein neuer Tennisschläger oder sogar ein tolles Fahrrad oder ein neuer Laptop. Was auch immer du für angemessen hältst.
  • Sich einfach ein paar Minuten Zeit nehmen und über das Erreichte Nachdenken.
  • Jemanden davon erzählen.
  • Freunde zum Essen einladen.
  • Sich bei Menschen, die einen unterstützt haben, bedanken.
  • Wenn es ein konkretes, physisches Ding wie eine Urkunde, eine Zeitschrift, ein gebundenes Exemplar der Arbeit gibt, diesem einen besonderen Platz in deiner Wohnung geben.

In diesem Sinne, keine falsche Bescheidenheit mehr!

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