Worauf sollte man bei der Wahl einer Promotionsstelle achten? – Naturwissenschaftler-Edition

Der erste Artikel auf diesem Blog hieß „Promovieren – Soll ich oder soll ich nicht?“. Aber wie geht es weiter wenn man sie dann mit „Soll ich! Will ich!“ beantwortet hat? Diese und nächste Woche geht es darum, wie man eine gute Promotionsstelle findet.

Heute gibt es fünf Tipps, um eine gute Promotionsstelle für eine experimentelle Arbeit zu finden.

Der Professor

Seltener auch: die Professorin. Ich hab keine Ahnung, ob das einen Unterschied macht. Ich habe in meinem Studium nur eine Vorlesung bei einer Professorin besucht, und nie in einer Arbeitsgruppe mit einer Professorin gearbeitet. Das ist aber ein Problem für einen anderen Blogpost.

Dein Prof ist dein Ansprechpartner, Berater, Unterstützer und bewertet deine Arbeit am Schluss. Meiner Meinung nach ist wenig für deine Promotion so entscheidend wie die Beziehung zu deinem Chef. Daher sollte eine gewisse Sympathie vorhanden sein. Es ist immer von Vorteil, wenn ein Chef gut über seiner Arbeitsgruppe denkt und die Arbeitsgruppe gut über ihn. Ein guter Prof sollte Zusammenarbeit und gute Beziehungen zwischen den Kollegen fördern und nicht Konkurrenz und Zwietracht stiften. Gerade in sehr erfolgreichen Gruppen (insbesondere an Eliteuniversitäten in den USA aber auch in Europa) gibt es Gruppenleiter, die ihren Doktoranden hochriskante Projekte anbieten und in Kauf nehmen, dass ein großer Teil eben nicht erfolgreich ist oder die mehrere Doktoranden auf ein Thema ansetzten mit der Ansage, dass nur der Erste eine Publikation rausbringen kann. Auf solche Spielchen würde ich mich nicht einlassen, auch nicht für einen großen Namen.

Außerdem sollte dein Prof eine positive Einstellung gegenüber der Forschung seiner Gruppe und deinem Thema insbesondere haben. Die meisten Professoren sind unverbesserliche Optimisten. Das ist auch wichtig, denn Grundlagenforschung bringt es mit sich, dass die meisten Thesen, die man aufstellt falsch sind und die meisten Ansätze, die man versucht, nicht funktionieren. Es ist gut jemanden an seiner Seite zu haben, der mit unerschütterlichen Glauben weiter geht und auch mal unerwartete/unerwünschte Ergebnisse schön redet („Das hat ja noch niemand berichtet! Wir sind da auf einer wichtigen Spur!“).

Diese weichen Faktoren lassen sich natürlich am besten beurteilen, wenn man schon ein Praktikum in der Gruppe gemacht hat oder sogar die Bachelor- oder Masterarbeit. Wenn es dir in deiner Masterarbeit gefallen hat, würde ich auch sehr dafür plädieren für die Promotion dazubleiben. Aber auch wenn man nur ein Bewerbungsgespräch macht und einmal mit ins Labor geht, kann man viel darüber erfahren.

Auch wichtig ist das Alter des Professors. Ist er schon so alt, dass man sich mit der Promotion beeilen muss? Oder noch ganz am Anfang, vielleicht sogar noch Juniorprof, sodass es großen Druck gibt zu publizieren und sich zu beweisen? Wärst du vielleicht sogar der erste Doktorand? Das kann spannend sein aber auch belastend. Möchte dein Prof bald die Uni wechseln und besteht das Risiko, dass du deinen Versuchsaufbau mitten in der Promotion umziehen musst?

Ein letzter Punkt sind typische Promotionszeiten in der Gruppe. Ist der Prof eher der Meinung, dass man in drei Jahren fertig sein soll oder das weniger als fünf Jahre keine anständige Promotion sein können? Da ist nicht unbedingt das eine richtig und das anderen falsch, es sollte sich aber mit deinen Zielen decken.

Die Kollegen

Die meiste Zeit wirst du mit deinen Kollegen verbringen. Jeder Job ist mit netten Kollegen besser und mit schrecklichen Kollegen ätzend.

Es ist fast immer möglich einen Tag im Labor mitzumachen und das ist eine sehr gute Gelegenheit, um die Atmosphäre in der Gruppe kennenzulernen. Unterstützen sich die Leute gegenseitig? Oder gibt es Konkurrenz? Werden Fehler immer anderen zugeschoben oder konstruktiv gelöst?

Auch auf die Gruppendynamik sollte man achten. Sind die Leute interessiert an ihrer Arbeit oder tauchen alle erst um elf auf und gehen um drei? Es ist nämlich schwierig in einem unmotivierten Team selbst motiviert zu sein.

Zuletzt spielt auch hier Sympathie eine große Rolle. Deine Kollegen müssen nicht deine Freunde sein, aber es ist schon wichtig sich gut zu verstehen. Insbesondere wenn ihr gemeinsame Experimente macht, da verbringt man viel Zeit miteinander.

Labor und Ausstattung

Da kann man auch gleich einen Blick auf die Ausstattung im Labor werfen. Ist es ordentlich und gut sortiert? Oder herrscht Chaos? In einem schlampigen Labor wird selten ordentliche Forschung gemacht (es gibt Leute, die sehen das anders aber ich halte wenig vom kreativen Chaos). Auch wichtig ist die Frage wie knappes Laborequipment verteilt wird. In vielen Laboren ist es üblich, dass man mal abends oder am Wochenende kommen muss, aber man sollte vorher für sich klären was man da akzeptiert und was nicht.

Es kann auch ein Entscheidungskriterium sein, auf welche und wie viele Konferenzen man als Doktorand fahren darf. Oder ob es Workshops und Fortbildungen gibt, für die man Reisemittel bekommt.

Das Thema

In den Naturwissenschaften bewirbt man sich in der Regel nicht mit einem Exposé für ein bestimmtes Thema, sondern für ein ausgeschriebenes Thema oder themenfrei bei der Arbeitsgruppe. Ich glaube das Thema ist der am wenigsten wichtige Faktor, weil man sich ja doch für vieles interessieren kann. Außerdem kann man den tatsächlichen Inhalt der Arbeit ohnehin nicht am Thema, mit dem man anfängt, festmachen. Trotzdem sollte man sich überlegen ob man den Hauptteil seiner Zeit im Labor oder am Computer verbringen möchte.

Man sollte auch klären, ob man noch auf Gelder, Anträge oder Geräte warten muss, bevor man mit der Arbeit beginnen kann. Jedes Forschungsvorhaben verzögert sich, weil Geräte kaputt sind oder Ersatzteile nicht lieferbar oder etwas anderes Unvorhergesehenes passiert aber soweit möglich, sollte man nicht gleich so anfangen.

Der Job

In den Naturwissenschaften kann man in aller Regel mit einer 50%-Stelle rechnen, manchmal auch mehr. Das Geld ist also selten ein entscheidender Faktor. Trotzdem unterschieden sich Stellen in der Dauer der Verträge und vor allem darin wie viel Lehre und Arbeit für den Lehrstuhl gefordert ist. Eine Promotion ist auch ein Job und sollte deinen Lebensunterhalt sichern und dir genug Zeit für deine Forschung lassen. Manchmal gibt es Stellen, die von einem Institut bezahlt werden obwohl man in einem anderen Institut arbeiten würde. Es ist in der Regel kein Problem, wenn dein Geld von einem Projekt kommt an dem du gar nicht arbeitest aber jede Konstellation, die dafür sorgt, dass du zwei Chefs hast, ist mit Vorsicht zu genießen.

 

Wie man an der unterschiedlichen Wortanzahl der Punkte erkennt, denke ich, dass dein Professor überproportional großen Einfluss auf das Gelingen deiner Promotion hat. Da der Prof Ressourcen verteilt und die Bewertung entscheidend mitbestimmt, wundert das auch nicht.

Daher würde ich mich auf keinen Fall auf eine Promotionsstelle einlassen bei der man den Chef nicht einschätzen kann. Es sollte auf jeden Fall ein persönliches Gespräch und nicht nur ein Skype-Interview geben.

 

4 thoughts on “Worauf sollte man bei der Wahl einer Promotionsstelle achten? – Naturwissenschaftler-Edition”

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