Der Doktorhut

In unserem heutige Gastbeitrag von Iris Niehues gibt es einige praktische Tipps zum basteln eines genialen Doktorhutes.  Iris promoviert an der Universität Münster über Festkörperphysik. In ihrer Arbeit untersucht sie die optischen Eigenschaften von atomar dünnen Halbleitern unter Dehnung.

Der Hut kommt zum Schluss

Aus dem Bundesbericht für wissenschaftlichen Nachwuchs 2017 geht hervor, dass in Deutschland zwischen 57 und 67% aller Promotionen erfolgreich abgeschlossen werden. Nachdem man, im Schnitt 3,5 bis 4,5 Jahre, alle Höhen und Tiefen bezwungen hat, muss natürlich gebührend gefeiert werden. Dazu ist dann neben der Arbeitsgruppe auch zu meist die Familie und Freunde eingeladen. In den Naturwissenschaften gehört in Deutschland zur feierlichen Promotion auch häufig die Übergabe eines Doktorhutes (auch Mortarboard genannt). Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen schwarzen Standard-Doktorhut, wie man ihn von amerikanischen Universitäten oder auch aus Filmen und Serien kennt, sondern um ein individuell für den Promovenden angefertigtes Stück. Nur das Grundgerüst aus Kappe und viereckiger Platte wird dabei übernommen. Der Hut wird von den Kollegen gebastelt und sollte möglichst alle Eigenschaften darstellen, durch die sich der frisch gebackene Doktor auszeichnet. Wenn ihr mehr zur ursprünglichen Tradition und Geschichte von Robe und Hut aus dem Mittelalter, die durch die Studentenbewegung (“Unter den Talaren Muff von Tausend Jahren!”)  1968 in Deutschland abgeschafft wurden, erfahren wollt, schaut doch mal z.B. auf dieser Seite hier.

Leider ist es mir beim Schreiben dieses Artikels nicht gelungen herauszufinden, seit wann die neue Tradition des Doktorhut Bastelns besteht. Ich muss außerdem der Vollständigkeit halber erwähnen, dass es sehr viele unterschiedliche Vorgehensweisen, speziell bei der Übergabe des Hutes gibt. Jede Uni, jeder Fachbereich und teilweise sogar jede Arbeitsgruppe entwickelt eine eigene Tradition. Hier möchte ich euch gerne von meiner Erfahrung erzählen und ein paar (hoffentlich hilfreiche) Tipps geben. Ich promoviere in einer jungen Arbeitsgruppe, es gab also noch keine Tradition als im letzten Jahr der erste Doktorand bei uns seine Prüfung ablegte. Wir haben uns deshalb ein wenig an den Traditionen im Fachbereich und von befreundeten Arbeitsgruppen orientiert und das übernommen was uns gut gefallen hat. Man kann sich leicht vorstellen, dass das Basteln eines solchen Hutes eine Herausforderung für die gesamte Arbeitsgruppe ist. Die Erstellung des Doktorhuts gliedert sich dabei in vier Phasen: die Vorbereitung, das Ideen sammeln, das Basteln und das Überreichen. Hier nun ein kleiner Überblick.

Phase 1: Die Vorbereitung

Um einen passenden Doktorhut zu basteln, benötigt man zunächst den Kopfumfang. Der Hut soll am Ende ja schließlich weder zu eng sein, noch rutschen. Eigentlich beginnt hier schon das Zeremoniell. Im Anschluss an die bestandene Prüfung wird in unserer Arbeitsgruppe, natürlich erst nachdem der erste Sekt getrunken wurde, das Maßband gezückt und der Kopfumfang vermessen. Nun ist zumeist noch ausreichend Zeit den Hut, der bei uns am Tag der feierlichen Promotion des Fachbereichs am Ende des Semesters übergeben wird, zu basteln.

Phase 2: Ideen sammeln

So langsam rückt der Tag der Feier näher und es gibt immer noch keinen Hut? In jeder Arbeitsgruppe gibt es nun eine Person die so langsam nervös wird und versucht die Phase 2, das Ideen sammeln einzuleiten. Diese Person trägt von jetzt an die Hauptverantwortung für die gesamte Bastelaktion! Hier ein paar Tipps: Versucht gar nicht erst alle Kollegen einen Tisch zu bringen- ein Ding der Unmöglichkeit! Die hauptverantwortliche Person legt einfach einen Termin fest der ihm / ihr passt, freut sich über jeden Kollegen der auftaucht und fängt mit dem Brainstorming an. Wie bereits erwähnt sollte der Hut die besonderen Eigenschaften des Promovenden zeigen. Es helfen folgende Fragen:

  • Welche Hobbies hat der Promovend? Spielt er/sie ein Instrument? Ja? Super! Ab damit auf den Hut. Oder hat er/sie ein Lieblingscomputerspiel?
  • Welche Eigenschaften hat er/sie? Hat er/sie ein Lieblingsgetränk- oder ein Lieblingsessen? Ist er/sie besonders unordentlich / ordentlich? Auch das gehört mit auf den Hut.
  • Gab es besondere Funktionen, die er/sie in der Arbeitsgruppe übernommen? Hat er/sie z.B. die Kaffeekasse organisiert, kann man Kaffeebohnen und Geld mit auf den Hut kleben.
  • Gibt es witzige Anekdoten die man sich erzählt? Hier muss man dann bei der Umsetzung meist improvisieren
  • Welche Kooperationen gab es?

Generell ist alles gut was blinkt, summt, knallt, sich bewegt oder anderweitig auffällig ist. Natürlich sollte auch etwas von der Forschung auf dem Hut Platz finden. Zum Beispiel das meist zitierte Paper oder ein besonders schöner Report. Eigentlich sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. In unserer Arbeitsgruppe ist inzwischen eine selbst programmierte LED-Lichterkette fast schon Pflicht für den Hut.

Nachdem Ideen gesammelt wurden müssen die einzelnen Komponenten für den Hut besorgt werden. Legt am Besten direkt einen Termin zum Basteln fest, an dem alle Einzelteile da sein sollen. Plant hierfür auf jeden Fall 1-2 Wochen wegen der Lieferzeit ein und verteilt die Aufgaben explizit an eine bestimmte Person, die dann auch verantwortlich ist.

Phase 3: Das Basteln

Jetzt geht es in die heiße Phase. Der Tag des Bastelns ist gekommen und hoffentlich sind auch alle Einzelteile da. Dann kann es ja losgehen. Auch hier gilt wieder, wartet nicht auf alle, startet einfach mit denen die da sind. Wenn man erstmal losgelegt hat, stößt der Rest früher oder später dazu. Zuerst wird aus schwarzer Pape ein Grundgerüst eines typischen Doktorhutes gebastelt, welches dann anschließend mit all euren Ideen geschmückt werden kann. Ein fertiger Hut sollte individuell und auffällig sein. Falls der Promovend eine Lieblingsfarbe hat, kann man das schwarz natürlich auch ersetzten. Zum Schluss wird die Kordel an den Hut angebracht- wir verwenden dafür meisten Kabel, die eignen sich hervorragend.

Ein Beispiel eines fertigen Hutes aus unserer AG seht ihr in diesem Bild.

Ein in der AG gefertigter Doktorhut.

Wir haben zunächst auf den Deckel eine LOL (League of Legends – Computerspiel) Karte aufgeklebt. Darauf befinden sich als „Spielfiguren“, eine Schokocappuchino- und eine Ovomaltine-Dose, gegenüber ein paar Pappaufsteller mit witzigen Fotos. Die Fahnen im Hintergrund stehen für die Konferenzreisen ins Ausland (USA und Polen), die Wappen im Vordergrund symbolisieren Münster und Chemnitz, die Orte an denen promoviert wurde. Umrahmt ist das Ganze von einer LED- Lichterkette die mit einem Laser versehen wurde. Die Lichterkette wurde so programmiert, dass sie das durchgeführte Experiment darstellt (für Physik-Spezialisten: Die Emission von einzelnen Photonen aus einem lokalisierten Emitter nach Anregung durch einen Laser ). Auf der unteren Kappe, im Bild nicht sichtbar, sind noch weitere Fotos und ein paar Publikationen aufgeführt.  Jedes Element hat hier also eine eigene Bedeutung für den Promovenden.

Phase 4: Das Überreichen*

Nach der offiziellen Ernennung zum Doktor bei der feierlichen Promotion des Fachbereichs geht die Feier in unserem Seminarraum weiter, wo der Promovend ein Buffet und Getränke organisiert hat.  Traditionell wird bei uns der Hut vom Doktorvater/-mutter überreicht. Dieser hat dann auch die Aufgabe alle Elemente auf dem Hut der anwesenden Familie und den Freunden zu erklären. Fairer Weise bekommt er aber vorher heimlich eine kleine Erklärung. Spannend ist dann wie viel noch im Gedächtnis geblieben ist, wenn es dann soweit ist. Manchmal ist das ganz einfach: „Das hier ist ein Saxophon, weil XX in seiner Freizeit im Orchester Saxophon spielt.“, manchmal wird es aber auch ungewollt komisch, wenn der Doktorvater/-mutter mit den Darstellungen nichts mehr anfangen kann: „DSA- Das war doch so ein Brettspiel?“ (Anmerkung: DSA- Das schwarze Auge, ein Fantasy Pen and Paper Rollenspiel). Anschließend wird der Hut dem Promovenden aufgesetzt und damit er/sie ist offiziell ein Doktor. Spätestens jetzt weiß man: Die ganze Arbeit hat sich gelohnt!

 

* Hier gibt es, wie oben erwähnt, sehr viele Unterschiedliche Vorgehensweisen. Es gibt auch Arbeitsgruppen in denen der Promovend die Elemente auf dem Hut selber erraten und erklären muss. In anderen Arbeitsgruppen muss sich der Hut noch in einer extra Spaß-Prüfung erarbeitet werden (z. B. Spiegel putzen mit Kältehandschuhen und großer Schutzbrille).

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