Was dich bei einer experimentellen Doktorarbeit erwartet

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In den meisten Naturwissenschaften ist eine experimentelle Arbeit der Standard. Das heißt du musst die Daten auf denen deine Arbeit basieren soll, erst noch generieren. Es gibt vielleicht schon eine Hypothese oder Vorarbeiten oder einen experimentellen Setup aber du wirst noch (eine Menge) Experimente durchführen müssen.

Das Experiment ist der heilige Gral der Wissenschaft. Es kann wunderschöne Theoriegebäude abreißen und völlig neue Richtungen vorgeben. Das klingt großartig. Aber was erwartet dich wirklich in einer experimentellen Doktorarbeit? Mit Tipps für ein vernünftiges Laborbuch 😉

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Ich hasse unsere Liebe auf Distanz

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Ich mochte Revolverheld noch nie aber ihren Song „Liebe auf Distanz“ finde ich besonders ätzend. Wer will das hören? Für wen ist diese Lied? Ich bin ziemlich sicher, dass jeder, der sich in einer Fernbeziehung befindet, umschaltet sobald es im Radio kommt. Ich zum Beispiel.

Das Thema Fernbeziehung ist so sehr ein Wissenschaftlerthema, dass es auf englischen Uniblogs sogar einen Begriff dafür gibt: the two-body problem. Das soll ein mittelmäßig witziges Wortspiel auf das Dreikörperproblem der Physik sein. Dabei geht es darum die Bahnen dreier Himmelkörper, die sich gegenseitig anziehen, zu berechnen. Wie auch immer.

Mit dem Zweikörperproblem ist speziell gemeint, dass zwei Menschen, die sich in einer romantischen Beziehung befinden und beide im wissenschaftlichen Betrieb arbeiten wollen, kein leichtes Los haben. Eine wissenschaftliche Karriere erfordert, dass man da hin zieht wo die Arbeit ist und zwei gute wissenschaftliche Stellen in Pendelweite zu finden ist schon in Europa schwierig, in den USA quasi unmöglich.

Natürlich ist diese Problem nicht einzigartig für wissenschaftliche Karrieren. Tendenziell ziehen wir häufiger um, um Studienplätze, Promotionsstellen oder Jobs anzunehmen, dabei ist manchmal eine Fernbeziehung die Folge.

Mein Freund und ich führen seit etwa einem Jahr eine Fernbeziehung zwischen Detroit und Münster. Genau, Detroit in den USA. Die schnellste Verbindung von Düsseldorf nach Detroit braucht 12 Stunden. Das verrückte ist: Ich glaube wir machen das ziemlich gut. Falls ihr also an Gedanken und Tipps zum Thema Fernbeziehung interessiert seid, lest hier weiter.

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Warum eine Dissertation schreiben genauso ist wie eine Hochzeit zu planen

Durchschnittlich sind Frauen bei ihrer (Erst)heirat 31,7 Jahre alt, Männer 34,2 Jahre. Zum Abschluss ihrer Promotion waren die Deutschen im Jahr 2013 im Schnitt 33 Jahre alt . Das heißt, dass die verheirateten Promovendinnen dies mit einiger Wahrscheinlichkeit im Laufe ihrer Promotion geheiratet haben, die Männer statistisch gesehen danach. Zufälligerweise falle ich in dieses demographische Element: Ich habe, während ich an meiner Dissertation gearbeitet habe, eine ganze Weile damit verbracht, meine Hochzeit zu planen. Das war nicht nur eine willkommene Ablenkung – ich bin der Meinung, dass das Projekt Diss und das Projekt Hochzeit tatsächlich viele Gemeinsamkeiten aufweisen! Und dass ich durchaus einiges bei der Hochzeitsplanung gelernt habe, das ich auch auf mein Diss-Projekt anwenden konnte. Nur eine Ausrede, um mein Gewissen zu erleichtern? Vielleicht. Aber urteilt selbst:

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Frühjahrsputz für Doktoranden

Seit Marie Kondo auch Netflix erobert hat, ist Ausmisten und Aufräumen zu einem richtigen Lifestyle mutiert. Auch ich muss zugeben, dass es mich mit tiefer Zufriedenheit erfüllt Dinge auszusortieren und eine schön ordentliche Unterwäscheschublade zu besitzen.

Bei mir in der Straße gibt es so eine gift box. Da kann man Kleidung, Bücher und Sonstiges, das man nicht mehr braucht rein legen und wer mag nimmt es sich raus. Neulich war ich gerade dabei ein paar alte Klamotten darin aufzuhängen, als zwei ältere Damen auf mich zu kamen und ganz interessiert daran waren. Die eine war happy über meine pinke Yogahose, die Andere über einen Schal. Ich habe mich natürlich auch gefreut, das die Sachen noch genutzt werden und nicht in der Müllverbrennungsanlage enden. Das nur als Einstieg, um euch positiv aufs Aufräumen zu stimmen.

Jetzt geht es um den speziellen Frühjahrsputz im Doktorandenleben. Was waren eure Vorsätze für diese Jahr? Endlich Bücher in die Unibibliothek zurückbringen? Paper auch lesen und nicht nur ausdrucken? Vielleicht ist ein Frühjahrsputz das richtige, um diese Vorsätze noch einmal aufzufrischen.

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Nervennahrung: Klassische Bagels

In dem Film „Julie & Julia“ kommt die Protagonistin Julie eines Abends nach Hause, nachdem sie einen furchtbaren Tag erlebt hat, an dem nichts so lief, wie sie wollte. Auf dem Heimweg kommt sie an einer Chocolaterie vorbei und… die Inspiration ist da: Chocolate Cream Pie. Julie erklärt ihrem Mann ihre Liebe zum Kochen mit folgenden Worten:

You know what I love about cooking? … I love that after a day when nothing is sure—and when I say ‘nothing’ I mean nothing!—you can come home and absolutely know that if you add eggs yolks to chocolate and sugar and milk, it will get thick. It’s such a comfort.

Julie in Julie&Julia

Ich finde, Julie fasst perfekt zusammen, warum mir das Kochen und Backen in der Diss-Phase so besonders viel Spaß gemacht hat. Während mein Alltag ein riesiges Drei-bis-Vier-Jahres-Projekt war, heruntergebrochen auf To-Do-Listen für Monate, heruntergebrochen auf To-Do-Listen für Tage, ist ein Brot, ein Kuchen, eine Tarte, eine Suppe so wunderbar überschaubar. Ein Projekt, das nicht einmal einen ganzen Abend füllt, und an dem ich am Ende des Abends ein Resultat präsentieren kann: Fertig! Und wenn ich die Hefe nicht überhitze oder das Brot im Ofen vergesse, kann auch nicht viel schief gehen. Ich habe Kontrolleüber die Faktoren, die das Gelingen meines Projekts ausmachen. Dann stellt sich dieses zufriedenstelle Gefühl von Erfolg ein: Ich habe es geschafft. Ich kann etwas vorweisen.

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Depression während der Doktorarbeit: Ein Erfahrungsbericht

Bild: Pixabay

Das Thema Depression während der Doktorarbeit eignet sich wenig für Smalltalk in der Kaffeepause oder den Doktorandenstammtisch. Und dennoch ist es eines, das viele von uns betrifft – so viele, dass viele von euch unseren Blog gefunden haben, weil sie diese Stichworte bei Google eingegeben haben. Wir konnten aus eigener Erfahrung bislang nur über Gefühle des Deprimiertseins während der Promotion sprechen. Heute teilen wir den Erfahrungsbericht einer Freundin, die während ihrer Promotion in England persönlich von einer Depression betroffen war. Aus verständlichen Gründen tun wir dies in anonymer Form. Wir sind sehr dankbar für diesen offenen und ehrlichen Bericht.

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8 Dinge, die ich über die Wissenschaft gelernt habe

Between the lines – Die ungeschriebenen Regeln der Wissenschaft verstehen lernen
(Foto: Guido Klumpe, Flickr)

Bei einer Weihnachtsfeier saßen wir – Doktoranden, Hilfskräfte und andere Beteiligte im Wissenschaftsbetrieb – beisammen und sprachen darüber, warum es eigentlich so viele Sammelbände in den Geisteswissenschaften gibt. Jedes Jahr werden unzählige neue Sammelbände herausgegeben, die, ganz ehrlich, häufig von minderer Qualität sind und niemanden sonderlich interessieren. Aber es wird fleißig weiter publiziert. Warum?

Und warum tragen eigentlich auf Konferenzen immer nur die selben Namen vor (und wollen am liebsten vorher wissen, wer noch so kommt)? Und stellen Fragen, die allenfalls peripher etwas mit dem Vortrag zu tun haben?

Hier legten wir kurz eine Pause ein.  Unsere junge Kollegin warf ein, dass sie gerade außerordentlich viel lerne. Tatsächlich: Das war nur der Anfang von lauter ungeschriebenen Regeln, die unser Wissenschaftsgebäude zusammen halten. Wir haben mal zusammengetragen, was uns so einfällt an Regeln, die man als Studentin nicht einmal erahnt hat, die aber als Doktorand höchst nützlich zu wissen sind. 

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Das Ende ist absehbar

Ein paar völlig subjektive und wenig zusammenhängende (eher negative) Gedanken zum letzten Jahr der Dissertation. Die Abschlussphasen-Thematik häuft sich gerade auf dem Blog, hier und hier hat Ulrike schon darüber geschrieben, wie man seine Diss gut zu Ende bringt.

Über das erste Jahr der Dissertation gibt es meistens weniger zu sagen (klagen). Im ersten Jahr meiner Doktorarbeit war ich total motiviert und begeistert. Man hätte mich gar nicht bezahlen müssen, ich hätte auch so gerne im Labor gearbeitet. Natürlich ist man mit Vielem überfordert aber man lernt eben auch sehr viel. Vor allem ist man hauptsächlich mit technischen Dingen und konkreten (Arbeits-)Abläufen überfordert, das sind alles Dinge von denen man weiß, dass man sie lernen kann. Falls ihr euch in dieser Phase der Doktorarbeit befindet, hört jetzt auf zu lesen!

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Geld? Welches Geld? – Finanzen für Doktoranden

Falls es euch noch nicht aufgefallen ist, es ist jetzt Trend sich um seine Finanzen zu kümmern. Es gibt hunderte Blogs, Podcasts und Bücher zu Themen wie investieren, finanzielle Freiheit und passivem Einkommen. Falls ihr euch beim Anblick eures Kontos auch immer wieder fragt: Geld? Welches Geld? Ist es vielleicht an der Zeit sich mit dem Thema auseinanderzusetzten.

Zum einen, weil es wichtig ist seine persönlichen Finanzen im Griff zu haben. Zum anderen, weil man in einer kapitalistischen Gesellschaft vielleicht ein kleines bisschen über das, was man mit Kapital so machen kann, wissen sollte.

Meine Empfehlungen sind der Podcast von Madame Moneypenny und das Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ von Gerd Kommer. Madame Moneypenny heißt im echten Leben Natascha Wegelin und ist im Moment überall. Ihr Podcast ist lehrreich und unterhaltsam. Das Buch von Gerd Kommer zielt natürlich darauf ab sein Geld in ETFs anzulegen aber es bietet auch eine super Einführung in Grundbegriffe der Börse und Geldanlage. Man lernt zum Beispiel was diese ETFs* sind, von denen alle reden, was Risiko an der Börse tatsächlich bedeutet und was der Unterschied zwischen anlegen und spekulieren ist. Das Buch ist recht wissenschaftlich geschrieben, man lernt also eine Menge und hört zu den meisten Thesen Pro- und Kontraargumente. Es erfordert dadurch aber auch etwas mehr Konzentration beim Lesen.

Dieser Beitrag soll euch dabei helfen, einfach mal mit dem Thema anzufangen und erst einmal einen Überblick über eure Finanzen zu gewinnen.

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Mündlich präsentieren: Wie überarbeite ich meinen Vortrag für die Konferenz?

Mündlich präsentieren: Meinen Vortrag überarbeiten (Bild: Russell Davies, Flickr)

Überarbeitet ihr eigentlich eure eigenen Konferenzvorträge? Worauf achtet ihr dabei? Wie Vorträge bei Konferenzen gehalten werden, unterscheidet sich ja stark von Disziplin zu Disziplin. In der Politikwissenschaft wird viel Arbeit in die Powerpoint (oder, hipper, die Prezi)-Präsentation gesteckt. Der Vortrag läuft à la Ted-Talk mündlich und mit viel Augenkontakt ab. In der Geschichte dagegen werden die Vorträge abgelesen. (Und das ist wörtlich zu nehmen. Ja, sie werden tatsächlich vorgelesen!).

Wenn du also in einer ähnlich altmodischen Disziplin wie der Geschichtswissenschaft unterwegs bist und willst, dass dir dein Publikum deinem Vortrag folgt (und glaubt mir, das ist manchmal echt schwer auf HistorikerInnen-Konferenzen), willst du wahrscheinlich etwas Arbeit in dein Vortragsmanuskript stecken. Nachdem der inhaltliche Teil steht heißt das, dass du den Vortrag auf Hörbarkeit überprüfst. Gerade für Menschen von der nervösen Sorte, die nicht spontan vom Manuskript aufschauen und den Rest frei erzählen (oder solchen, die auf keinen Fall Details vergessen wollen), kann man hier viel gewinnen, wenn man auf ein paar einfache Dinge achtet!

Also, hier sechs Tipps, um deine Präsentation sprachlich zu überarbeiten (mit Beispielen):

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