Wie fängt man eine Promotion an?

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Der Starts in Wintersemester 20/21 ist ein ganz besonderer, weil er von Pandemie und Lockdown geprägt ist. Trotzdem beginnen auch in diesem November viele Promovierende ihre Dissertation und damit die spannende Reise in Richtung Doktortitel!

Wie jedes neue Projekt ist auch der Beginn einer Promotion ziemlich aufregend. Neben einer Prise Abenteuerlust schwingt bei dem Start in einen neuen Lebensabschnitt auch immer ein bisschen Unsicherheiten und Ängste mit. Das ist bei der Promotion nicht anders!

Viele Studierende liebäugeln vielleicht während ihres Masters mit der Idee, zu promovieren oder bekommen dies von Professorinnen und Dozenten nahegelegt. Aber wie fängt man so eine Promotion überhaupt an? Wie findet man eine Promotionsstelle, ein Thema, eine Betreuung und wie fängt dann wirklich mit dem Schreiben an?

Wie so oft gibt es dafür keine Patentlösung und es ist stark vom Fach abhängig.  Deshalb haben wir hier mehr oder weniger pünktlich zum Semesterstart unsere Erfahrungen für euch aufgeschrieben! Manche Erfahrungen beschäftigen sich eher mit dem formalen Weg, andere beschreiben, wie sie dann wirklich mit den Forschen begonnen haben – vielleicht helfen sie der einen oder dem anderen!

Dana, Promotionsstart ca.2014 in Soziologie

Wie habe ich mit der Dissertation angefangen? Wie bin ich zu meinem Thema gekommen und was hat mir zu Beginn geholfen? Das sind alles spannende und wichtige Fragen, die sich sicherlich nur aus der retrospektive beantworten lassen. Aber obwohl ich nun schon einige Jahre promoviere, fällt es mir doch schwer zu sagen, wie genau eigentlich alles angefangen hat. Ich würde eher sagen, dass ich in die Arbeit an der Promotion mehr oder weniger bewusst reingerutscht bin.

Während des Masterstudiums habe ich bereits an zwei Lehrstühlen als studentische Hilfskraft gearbeitet und die Lehrstuhlinhaberinnen haben damals auch meine Masterarbeit bewertet. Während des Schreibens der Masterarbeit selbst haben mich beide darauf angesprochen, was ich eigentlich nach dem Studium machen möchte (ich wollte reisen!) und ob eine Promotion für mich in Frage kommen würde. So wurde mir eigentlich erst der Gedanke zugetragen, dass auch ich promovieren könnte – denn das hat in meiner Familie und im engeren Freundeskreis bis dato noch niemand (zu Ende) gemacht.

Da für mich die Entscheidung zur Promotion aber auch ganz bewusst mit einer Finanzierung meines Lebensunterhalts einhergegangen ist, habe ich im Anschluss an das Studium erst mal als Wissenschaftliche Hilfskraft (WHK) für die beiden Lehrstühle weitergearbeitet und war dort in Forschungsprojekte involviert. Aus einem Projekt hat sich dann mehr und mehr ein Thema für mich entwickelt, dass an meine empirische Masterarbeit und an meine theoretischen Interessen anknüpfte und mich dann auch wirklich gepackt hat – so habe ich angefangen ein eigenes Exposé zu entwickeln. Aber dauerhaft ausschließlich als WHK zu arbeiten, war weder eine Option für mich, noch für die beiden Professorinnen. Außerdem wechselte eine Professorin die Universität, sodass sich die andere Professorin als Betreuerin meines Vorhabens herausstellte. Um also eine sichere Finanzierung zu haben und eine strukturelle Unterstützung der Arbeit an der Promotion zu bekommen, bewarb ich mich anschließend auf ein passendes Kolleg, an dem auch meine Betreuerin beteiligt war – und wurde prompt abgelehnt. Das war zwar ein herber Rückschlag, aber dafür hatte mich in dem Bewerbungs-Prozess mein Thema mittlerweile doch selbst so überzeugt, dass ich entschied mich nun auf ein Stipendium zu bewerben. Das Stipendium habe ich dann glücklicherweise erhalten und konnte endlich bezahlt an meinem Thema weiterarbeiten.

Schließlich hat mir also der gesamte Prozess geholfen – der übrigens fast zwei Jahre gedauert hat, bis ich offiziell an der Uni „angefangen“ habe zu promovieren – überhaupt anzufangen und weiterzumachen. Der Austausch in einem Forschungskolloquium meiner Betreuerin, an dem ich schon vor der Förderung teilnehmen konnte, war in dieser Zeit aber genauso hilfreich, wie der Zwang Abgabefristen für die Bewerbungen einzuhalten. Es hat sich also alles schrittweise so ergeben.

Ob das jedoch die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Promotionsvorhaben sind, kann und will ich an dieser Stelle (noch) nicht bewerten. Es war aber mein Weg, der sich rückblickend noch heute richtig anfühlt. 

Franziska E., Promotionsstart 2018 in Regionalstudien Lateinamerika

Ich schreibe eine klassische Individualpromotion und bin nicht in ein Forschungsprojekt eingebunden. Das heißt, meine Diss ist ganz allein mein Projekt. Das hat den Start nicht unbedingt leichter gemacht – denn ich wusste irgendwie überhaupt nicht, wie man so eine Doktorarbeit anfängt.

Meistens hat man ja schon eine ungefähre Idee, für was man sich interessiert. Zum Beispiel eine Theorie, eine Methode, ein Land, eine Epoche, eine bestimmte Bevölkerungsgruppe oder ein Aspekt. In meinem Fall hatte sich das grobe Thema (Vergangenheitsbewältigung in Kolumbien) während meiner Masterarbeit herausgeschält. Der erste – und vielleicht der schwierige Schritt – in einer Promotion ist es, aus diesem groben Thema eine passgenaue Fragestellung zu machen. Das bedeutet, der erste Schritt auf deiner To-Do Liste auf dem Weg zum Doktor ist die Frage zu klären: was will ich eigentlich herausfinden?

Ein super Tipp, den ich damals bekommen habe: Fang mit einer Begriffsdefinition an! Da geht auch, wenn man noch nicht genau weiß, wohin die Reise geht. In deiner Arbeit soll es um Kinderarbeit gehen? Dann kann es sinnvoll sein, an diesem Punkt anzusetzen und erstmal zu definieren, was Kinderarbeit ist. Dazu muss man Literatur zu dem Thema sichten und vielleicht fallen dir interessante Problemlagen auf, z.B. Spannungen zwischen legalen, sozialen und der wirtschaftlichen Ebene von Kinderarbeit.

Um die Forschungsfrage dann wirklich zu konkretisieren, habe ich fast ein Jahr gebraucht. In dieser Zeit habe ich wahnsinnig viel gelesen und unzählige Mindmaps gemacht. In diesen Mindmaps habe ich visuell festgehalten, welche interessanten Themenbereiche ich identifiziert habe und wie die zusammenhängen. Außerdem habe ich meine wirren, unausgegorenen Ideen schnell zur Diskussion gestellt, z.B. in diversen Kolloquien, Forschungsgruppen und Studierenden-Konferenzen. Zusammen mit dem Input von anderen Promovierenden, Postdocs und Professorinnen habe ich immer mehr Schwachstellen meines Projekts identifiziert und ausgebügelt, die Quellen und Methoden konkretisiert und mich so immer näher meiner eigentlichen Frage genähert.

Der Anfang einer Promotionszeit ist von jeder Menge „Neu-Anfängen“ geprägt. Viele Ideen werden entwickelt und wieder verworfen. Das fühlt sich manchmal frustrierend an, ist aber ein wichtiger Teil. Es wird ganz schlimm, bevor es besser wird. Irgendwann während des ersten Jahres kommt der Punkt, an dem man das Gefühl hat, sich ins größte Chaos manövriert zu haben. Seit Monaten sitzt man an der Diss, hat aber gefühlt noch keine Erfolge. Bücher, Aufsätze stapeln sich und du hast das Gefühl, nach all dem Lesen weißt du weniger als vorher. Auch das ist vollkommen normal!

Wichtig ist, sich nicht komplett Planungen zu verlieren. Irgendwann muss man einfach den Mut haben, an irgendeinem Ende anzufangen. Rückblickend weiß ich heute, dass ich lange Zeit in eine „falsche“ Richtung gelesen habe, die letztendlich für meine Dissertation keine Rolle spielt. Das konnte ich damals aber noch nicht wissen – erst durch die Beschäftigung mit dem Thema habe ich erkannt, dass ich doch keine Lust habe, 3 Jahre zu diesem Thema zu arbeiten. Das „eigentliche“ Kernthema meiner Diss ist mir dann zufällig bei der Recherche in die Hände gefallen. So beschreiben es die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen – wenn man heute da erste Exposé liest, muss man häufig schmunzeln und bemerkt, dass man am Ende eine ganz andere Diss geschrieben hat, als anfangs angenommen.

Ulrike, Promotionsstart 2013 in Geschichte

Ich hatte eigentlich nie vor, zu promovieren. Der Gedanke daran, so lange an einem Projekt zu arbeiten, schreckte mich ab. Außerdem fand ich, dass es eher an der Zeit für den Einstieg ins „echte“ Berufsleben war, ohne noch mehr Zeit auf ein verlängertes Studentenleben zu verschwenden. Ohne jetzt zu kitschig klingen zu wollen: Es war tatsächlich das Thema, das mich umgestimmt hat.

Ich hatte mich in meinem Masterstudium in Berlin schon immer gerne mit dem Themenkomplex Politik und Religion in den USA beschäftigt. Als ich dann erfuhr, dass es in Münster ein Exzellenzcluster „Religion und Politik“ gab und man dort die Möglichkeit hatte, zu promovieren, war klar, dass ich mich auf jeden Fall bewerben wollte. Schon die Arbeit am Exposé machte mir unglaublich viel Spaß, die Vorstellungsgespräche erstaunlicherweise auch und auch die Stadt passte zu mir, fand ich. Als dann die Nachricht kam, dass es geklappt hat, musste ich überhaupt nicht überlegen, bevor ich zusagte.

Letztendlich habe ich mit meinem Thema noch zwei Schleifen gedreht, bevor es die Konturen annahm, die es dann auch als Diss hatte. Aber das machte nichts, da ich weiter in dem Themenfeld forschen, lesen und schreiben konnte, das mich faszinierte (und ich dankenswerterweise auch durch mein Umfeld und meine Betreuung die Unterstützung hatte, die ich brauchte).

Bis zum Ende ist dieser Spaß am Thema nie verloren gegangen, und auch die harte Zeit direkt vor der Abgabe war ich von vielem genervt, aber nicht von meinem Thema. Das ist sicher auch der Grund, warum ich dran geblieben bin – es hat einfach nie aufgehört, mich zu packen. Dazu kamen aber auch sehr günstige Rahmenbedingungen. Ich konnte mir schnell ein vertrautes soziales Umfeld aufbauen, habe mich am Lehrstuhl wohlgefühlt und hatte durch Mentoring und diverse Begleitveranstaltungen für die Promovenden des Clusters nie das Gefühl, Einzelkämpferin zu sein. Eine Dozentin von mir sagte einmal über ihre eigene Entscheidung, zu promovieren: Wenn mich jemand dafür bezahlt, zu lesen und zu schreiben – wie verrückt wäre ich denn, das abzulehnen!

Franziska A., Promotionsstart 2015 in Physik

Ich bin wie die meisten Physikstudierenden zu meiner Dissertation gekommen: über die Masterarbeit. Im Masterstudium habe ich eine Vertiefung im Bereich Biophysik belegt und darin wiederum die Vertiefung MR Bildgebung gewählt. In diesem Bereich habe ich dann auch meine Masterarbeit gemacht.

Ich hatte zu Beginn meines Maters überhaupt nicht vor zu promovieren. Der Bachelor in Physik ist mir sehr schwergefallen und ich dachte ich hätte weder die nötige Begeisterung noch das nötige Talent für einer Dissertation. Glücklicherweise war für unsere Masterarbeit ein ganzes Jahr eingeplant (Projektarbeit + Masterarbeit), sodass ich Gelegenheit hatte wirklich in den Alltag einer Forschungsgruppe zu schauen und mich in die experimentelle Arbeit zu vertiefen. Und siehe da, es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Als mein Prof mir dann eine Promotionsstelle angeboten hat, habe ich noch mal kurz ernsthaft darüber nachgedacht ob es das richtige ist. Mich dann aber dafür entschieden, auch weil ich das Gefühl hatte, mit meiner Forschung gerade an einem spannenden Punkt zu sein.

Ich weiß noch genau wie ich zur Personalabteilung, die zwei Straßen weiter war, gelaufen bin, um meinen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Ich war sehr glücklich und habe innerlich ein Memo für Zukunfts-Franziska aufgenommen, damit ich mich auch in schwierigen Phasen der Diss daran erinnern könnte wie sehr ich mich darauf gefreut hatte und wie viel Spaß ich an meiner Arbeit hatte.

Wie alteingesessenen Leserinnen und Leser des Blogs wissen ist diese Liebe für mich im Laufe meiner Dissertation deutlich abgekühlt und folgerichtig habe ich die Uni dann auch nach der Promotion verlassen. Trotzdem hat mir diese bewusste Freude und Begeisterung am Anfang immer wieder geholfen dran zu bleiben und optimistisch zu bleiben. Ich wusste immer, dass die ich Entscheidung zu promovieren aus den für mich richtigen Gründen getroffen hatte und konnte mich zumindest ein bisschen wieder in die Aufbruchsstimmung des ersten Promotionsjahres hineinversetzen.

Ihr seht – der Weg zur Doktorarbeit ist nicht immer gradlinig. Häufig dauert es länger, bis die Stelle passt, die Finanzierung steht und das Thema festgezurrt ist. Das ist vollkommen normal, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, man sei die Einzige mit diesen Problemen. Schildert uns eure Erfahrungen gern in den Kommentaren!

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10 Wahrheiten über interdisziplinäre Doktorarbeiten

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Du hast dich entschlossen, eine interdisziplinäre Doktorarbeit zu schreiben? Herzlichen Glückwunsch und willkommen in einem Abenteuer voller Höhen und Tiefen!

Interdisziplinarität ist ein Buzzword, das sich viele Grad Schools, Institute und Forschungseinrichtungen auf die Fahnen schreiben. Dabei ist häufig nicht genau klar, was das eigentlich bedeutet, aber „Interdisziplinarität“ scheint jede Forschung aufzuwerten. Kein Wunder: wer interdisziplinär arbeitet, führt Fragen und Ergebnissen verschiedener Wissenschafts- und Forschungsbereiche zusammen. Deshalb umgibt den Begriff der Interdisziplinarität immer eine Aura des Besonderen, des Komplexen und des besonders Ambitionierten.

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Forschungsaufenthalt im Ausland mit Baby – (wie) geht das überhaupt?

Ein Erfahrungsbericht von Dana Dülcke
Ein Forschungsaufenthalt im Ausland ist immer spannend und herausfordern. Und dann noch mit Baby? Photo by Ken Yam on Unsplash

Wir schreiben den Sommer 2014. Ich habe endlich meine Finanzierung für meinen ersten großen Forschungsaufenthalt in Kanada mit meinem Stipendien-Geber organisiert, es stehen schon viele Interviewtermine fest und Übernachtungsmöglichkeiten sind gebucht. Das soll der erste große Meilenstein in meiner (Forschungs-)Arbeit an meiner Doktorarbeit werden. Ich freue mich riesig und mir ist manchmal auch schon etwas schlecht vor Aufregung – aber, wenn ich ehrlich bin, ist mir eigentlich meist auch etwas mulmig zumute, weil ich zu dieser Zeit bereits schwanger bin.

Aber der Plan steht. Ich werde mit dickem Babybauch nach Kanada fliegen und meine ethnografische Forschung vor Ort durchführen. Das heißt konkret: In Kanada hin und her reisen, geplante und ungeplante Interviews führen, an unterschiedlichen Veranstaltungen teilnehmen und alles für die Analyse dokumentieren. Das geht ja alles auch schwanger.

Dann kommt alles anders als gedacht. Ich kann nicht fliegen. Es gibt Komplikationen in der Schwangerschaft und meine Ärztin untersagt mir die Reise. Sie empfiehlt, dass ich im nächsten Jahr fliegen soll. Ich falle in ein emotionales Loch und bin für einige Tage total aus der Bahn geworfen. Denn wie soll ich nun meinen Promotionsprozess voranbringen, wenn ich nicht noch vor der Geburt in die Feldforschung gehen kann? Promovieren mit Kind ist ja schon so eine Herausforderung, wie es Ulrike schon mal hier beschrieben hat. Aber eine Feldforschung im Ausland mit Baby? Über mehrere Monate hinweg?

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Wie ist es eigentlich… in Schweden zu promovieren?

Forschung ist heute international und deshalb ist es inzwischen keine Seltenheit mehr, einen Teil oder sogar die ganze Promotion im Ausland zu verbringen. Wir freuen uns sehr, heute einen Gastbeitrag in unserer Serie “The International PhD” über das Promovieren in Schweden mit euch teilen zu können! Gastautorin Lea Eldstål-Ahrens promoviert seit September 2019 in den Bildungswissenschaften an der Göteborger Universität in Schweden. In ihrer Forschung untersucht sie, wie Grundschulkinder zu demokratischen Konzepten wie Gleichheit, Macht und Repräsentation in Gruppendiskussionen argumentieren. In diesem Blogeintrag konzentriert sich Lea auf die Forschungsausbildung der Göteborger Universität.

Lea Eldstål-Ahrens in der Göteborger Innenstadt

Die letzten Prüfungen sind bestanden, „Midsommar“ ist gefeiert und der Urlaub ruft: Mein erstes Studienjahr als Doktorandin an der Göteborger Universität liegt so gut wie hinter mir – Zeit für einen Zwischenbericht. Den Begriff Studienjahr benutze ich deshalb, weil die Promotion hier tatsächlich viel mehr einem (dritten) Studium gleicht als ich es in Deutschland erfahren habe. Diesen Vergleich kann ich machen, da ich in Deutschland vor 4 Jahren meinen ersten Promotionsversuch gestartet habe. Aufgrund meines Umzug nach Schweden habe ich diesen nach etwa eineinhalb Jahren beendet und könnte aus jetziger Perspektive über diese Entscheidung nicht glücklicher sein.

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Eine Verteidigung per Zoom – 4 praxiserprobte Tipps

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Man kann es langsam nicht mehr hören, aber es ist nun mal Realität: die Corona-Pandemie hat uns fest im Griff und plötzlich ist alles anders. Das gilt für das Leben im Allgemeinen und für das Promovieren im Speziellen. Wenn man es trotz Home-Office, geschlossenen Bibliotheken und abgesagten Feldphasen geschafft hat, die Doktorarbeit abzugeben, redet Corona auch noch ein Wörtchen bei der Verteidigung mit.

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(M)ein anderer Blick auf die Corona-Krise

Ein Gastbeitrag von Katrin Getschmann

Piacenza: Foto von Davide DeNova auf Flickr

Dieser Beitrag entstand in Reaktion auf Franziska Englerts Artikel “Die Liebe zur Forschung in Zeiten von Corona.” Wir sind Katrin sehr dankbar, dass sie uns hier einen sehr ehrlichen Einblick in ihre Erfahrungen in der Bewältigung von Krisen gibt – und auch erzählt, wie Corona die Diss auf einmal ganz persönlich machte.

Ich bin noch nicht ganz fertig mit meiner Doktorarbeit. Noch nicht – diese Formulierung trage ich seit langer Zeit mit mir herum. Immer wieder habe ich das Schreiben unterbrochen, nicht, weil ich keine Lust mehr hatte, sondern weil das Leben dazwischenkam. Bei den meisten meiner Mitdoktoranden waren es Familiengründungen, durchweg sehr schöne Ereignisse. Mich hat ein schwerkranker Elternteil begleitet – vier Jahre lang – und als Familie haben wir versucht, das Beste daraus zu machen. Ich glaube, es ist uns geglückt.

Ich muss manchmal daran denken, wenn ich das erste Kapitel überarbeite, das ich vor wirklich vielen Jahren schrieb. Wenn ich heute das Datum 26.09.2012 in einer Fußnote lese, dann weiß ich: Damals war meine Welt als junge Doktorandin noch einigermaßen in Ordnung, eine Woche später befand ich mich mitten in einer unwirklichen Realität. Ich hatte bis dahin „nur“ mit den ungewohnten Gepflogenheiten einer fremden Stadt zu kämpfen, in die ich zum Promovieren zog, hatte „nur“ eine Fernbeziehung und Heimweh, das mich regelmäßig den Supermarkt plündern ließ. Doch dann wurde alles plötzlich anders, viel schlimmer und teilweise doch auch besser. Ich wünsche keinem, der dieser Tage seine Promotion beginnt oder schreibt, ähnliche Erfahrungen wie meine. Ich hoffe, dass es in dieser Krise mehr verständnisvolle, flexibel denkende und vertrauende Doktorväter oder Doktormütter (und generell Arbeitgeber) gibt wie meine. An dieser Stelle vorab einmal: Danke – von ganzem Herzen! Mein Promotionsprojekt hat mich durch all die Jahre begleitet und zum Durchhalten motiviert. Wer oder was auch immer mein Leben verließ oder sich veränderte, der Text blieb und wartete geduldig auf mich.

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Die (meritokratische) Illusion – Strukturelle Hürden für Promovierende der Ersten Generation und wie man sie überwinden kann

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In diesem Blog geben wir uns große Mühe, viele Stimmen zu Wort kommen zu lassen und ganz unterschiedliche Erfahrungen rund ums Thema promovieren zu beleuchten. Deshalb sind wir stolz wie bolle, heute einen Gastbeitrag auf dem Blog veröffentlichen zu dürfen, der sich mit einem totgeschwiegenen Thema beschäftigt: akademischer Habitus, das Tabu der sozialen Herkunft und die Hürden die Promovenden meistern, die nicht aus Akademikerhaushalten kommen. Wir freuend uns, dass Ann-Kristin Kolwes vom Verein Erste Generation Promotion e.V. und einen Einblick in das Thema in die großartige Arbeit des Vereins gibt.

Die Hürden, denen Promovierenden jeden Tag bei ihrer Arbeit begegnen, liegen zwischen administrativem Kleinkram und existenziellen Forschungsfragen. Sie können hochgradig spezifisch sein oder aber ganz banal. Ganz besondere Schwierigkeiten kann es bereiten, wenn man die erste Person in der Familie ist, die promoviert, studiert oder überhaupt das Abitur gemacht hat.

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Der erste Job nach der Doktorarbeit

Ulrike am Schreibtisch
Bei der Arbeit…

Während der Promotion war die Zukunft für mich ein großes, schwarzes Loch, an das ich am liebsten gar nicht gedacht habe. Als Geisteswissenschaftlerin ist man ja die schlechten Taxifahrerwitze gewohnt (was sagt ein Historiker zum anderen? Einmal Pommes rot-weiß, bitte!) und hat sie, zu einem gewissen Grad, auch internalisiert. Niemand wäre also erstaunter als mein Ich vor sagen wir, zwei Jahren oder sogar acht Monaten wenn sie wüsste: Es ist alles gut gegangen. Ich stehe in Lohn und Brot und habe sogar einen Job, der mir Spaß macht – und für den mir die Diss etwas gebracht hat. 

Weil dieser Blog so viel von meinen Erfahrungen als Promovendin dokumentiert hat, hielt ich es für angemessen, auch den Übergang in den Berufsalltag festzuhalten: Der Weg dahin, welche Erfahrungen aus der Promotionszeit mir im Job weiterhelfen und was ganz anders ist als vorher. Falls du also Geisteswissenschaftlerin bist und an deinen Jobchancen verzweifelst, lass dir gesagt sein: Wahrscheinlich wird alles gut. Es wird möglicherweise eine Weile dauern (wenn du etwas Geld übrig hast von deinem Einkommen, dann spare schon mal!). Nutz die Zeit um dir Skills zuzulegen. Aber verliere nicht die Hoffnung. Es ist möglich!

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Die Doktorarbeit als 40-Stunden-Woche

Wir haben es ja schon anklingen lassen: Es gibt Neuigkeiten im Café cum laude! Ab sofort ist Franziska Englert mit im Boot der regelmäßigen Autorinnen. Franziska E. promoviert seit April 2018 in Köln im Fach Regionalstudien Lateinamerika über Versöhnungstelenovelas. Ihr Doktorandenalltag pendelt zwischen zwei Extremen: Telenovelas-Schauen und der Versuch, diese Telenovelas mit juristischen Konzepten und dem kolumbianischen Friedensprozess zu verbinden. Abseits von der Diss schlägt ihr Herz für Kochen (und Backen und Fermentieren), Sport, Flohmärkte und Kino. Wir freuen uns sehr, dass Franziska mit im Team ist und freuen uns, bald noch mehr von ihr zu lesen!

Ich finanziere meine Diss über ein Vollzeitstipendium. Das bedeutet, ich habe keinen Nebenjob in der Gastro, und auch keine Verwaltungsaufgaben am Lehrstuhl, keine Lehrveranstaltungen zu planen oder zu halten und keine Klausuren zu korrigieren – ich habe (im Prinzip) den lieben langen Tag Zeit für die Diss.

Was für manche wie ein Traum klingt, kann sich schnell zum Albtraum entwickeln.

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Depression während der Doktorarbeit: Ein Erfahrungsbericht

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Das Thema Depression während der Doktorarbeit eignet sich wenig für Smalltalk in der Kaffeepause oder den Doktorandenstammtisch. Und dennoch ist es eines, das viele von uns betrifft – so viele, dass viele von euch unseren Blog gefunden haben, weil sie diese Stichworte bei Google eingegeben haben. Wir konnten aus eigener Erfahrung bislang nur über Gefühle des Deprimiertseins während der Promotion sprechen. Heute teilen wir den Erfahrungsbericht einer Freundin, die während ihrer Promotion in England persönlich von einer Depression betroffen war. Aus verständlichen Gründen tun wir dies in anonymer Form. Wir sind sehr dankbar für diesen offenen und ehrlichen Bericht.

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