Während der Promotion bloggen: Soll ich? Soll ich nicht?

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Im November wird Café cum laude zwei Jahre alt und ich glaube, ich habe wenig erreicht in den letzten Jahren auf das ich so stolz bin wie die Tatsache, dass wir diesen Blog ins Leben gerufen und in guten wie in schlechten Zeiten gehegt und gepflegt haben. Ich habe beim Bloggen unglaublich viel gelernt (dazu unten mehr) und habe über den Blog auch den Einstieg ins außeruniversitäre Berufsleben geschafft (auch dazu unten mehr). 

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Die Doktorarbeit als 40-Stunden-Woche

Wir haben es ja schon anklingen lassen: Es gibt Neuigkeiten im Café cum laude! Ab sofort ist Franziska Englert mit im Boot der regelmäßigen Autorinnen. Franziska E. promoviert seit April 2018 in Köln im Fach Regionalstudien Lateinamerika über Versöhnungstelenovelas. Ihr Doktorandenalltag pendelt zwischen zwei Extremen: Telenovelas-Schauen und der Versuch, diese Telenovelas mit juristischen Konzepten und dem kolumbianischen Friedensprozess zu verbinden. Abseits von der Diss schlägt ihr Herz für Kochen (und Backen und Fermentieren), Sport, Flohmärkte und Kino. Wir freuen uns sehr, dass Franziska mit im Team ist und freuen uns, bald noch mehr von ihr zu lesen!

Ich finanziere meine Diss über ein Vollzeitstipendium. Das bedeutet, ich habe keinen Nebenjob in der Gastro, und auch keine Verwaltungsaufgaben am Lehrstuhl, keine Lehrveranstaltungen zu planen oder zu halten und keine Klausuren zu korrigieren – ich habe (im Prinzip) den lieben langen Tag Zeit für die Diss.

Was für manche wie ein Traum klingt, kann sich schnell zum Albtraum entwickeln.

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Lieblinge, 5

Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Lieblinge. Ich schreibe diesen Blogpost gerade ganz klischeemäßig im Starbucks in Münster. Das liegt nicht daran, dass ich so gerne Iced Vanilla Lattes trinke (obwohl das eines meiner guilty pleasures ist), sondern daran, dass es so unglaublich heiß ist.

Daher steigen wir aus gegebenem Anlass gleich ein mit zwei Tipps gegen die Hitze. Erstens parkt euer Fahrrad nicht in der Sonne. Insbesondere nicht, wenn es einen schwarzen Sattel hat. Zweitens, wie ihr sicher wisst kühlt kaltes Wasser ganz gut. Mutige füllen einfach den Büromülleimer mit kaltem Wasser und stecken ihre Füße hinein. Wem das zu auffällig ist, ein Taschentuch kalt befeuchten und in den Nacken legen hilft auch ganz gut und ist ziemlich unauffällig.

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Warum eine Dissertation schreiben genauso ist wie eine Hochzeit zu planen

Durchschnittlich sind Frauen bei ihrer (Erst)heirat 31,7 Jahre alt, Männer 34,2 Jahre. Zum Abschluss ihrer Promotion waren die Deutschen im Jahr 2013 im Schnitt 33 Jahre alt . Das heißt, dass die verheirateten Promovendinnen dies mit einiger Wahrscheinlichkeit im Laufe ihrer Promotion geheiratet haben, die Männer statistisch gesehen danach. Zufälligerweise falle ich in dieses demographische Element: Ich habe, während ich an meiner Dissertation gearbeitet habe, eine ganze Weile damit verbracht, meine Hochzeit zu planen. Das war nicht nur eine willkommene Ablenkung – ich bin der Meinung, dass das Projekt Diss und das Projekt Hochzeit tatsächlich viele Gemeinsamkeiten aufweisen! Und dass ich durchaus einiges bei der Hochzeitsplanung gelernt habe, das ich auch auf mein Diss-Projekt anwenden konnte. Nur eine Ausrede, um mein Gewissen zu erleichtern? Vielleicht. Aber urteilt selbst:

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Warum all deine Kollegen Elsevier hassen und wie du endlich mitreden kannst

Wer soll das bezahlen?

Elsevier ist ein Verlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher mit Sitz in Amsterdam. Elsevier wird daher auch nicht französisch ausgesprochen, sondern etwa so wie „elsewir“ mit Betonung auf der ersten Silbe. Insbesondere Wissenschaftlern aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereichen ist Elsevier außerdem als alles-das-was-mit-der-Wissenschaft-nicht-stimmt und das-Böse-in-Verlagsform bekannt. Der Verlag veröffentlicht Forschungsergebnisse, die mit Steuergeldern bezahlt wurden, lässt diese Ergebnisse von Wissenschaftlern beurteilen, die zumeist mit öffentlichen Geldern bezahlt werden (peer-review) und nimmt dann horrende Summen von den Universitätsbibliotheken, um diese Ergebnisse zur Verfügung zur stellen. Dabei macht Elsevier Gewinne von deutlich über 30 % (siehe z.B.: hier, hier und hier).

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Das Archiv: Unendliche Weiten, lange Wartezeiten

Heute freue wir uns über einen Gastbeitrag von Jana Weiß! Dr. Jana Weiß promovierte 2013 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Rahmen des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ mit einer Studie zur Entwicklung der Zivilreligion an US-amerikanischen Feiertagen (Fly the Flag and Give Thanks to God. Zivilreligion an US-amerikanischen patriotischen Feiertagen, 1945-1992. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier, 2015).
Wenn sie nicht gerade im Archiv sitzt, recherchiert sie in Brauereien zu ihrem laufenden Habilitationsprojekt, das sich mit der Geschichte des Lagerbieres in den USA beschäftigt. Mehr über Jana und ihre Arbeit findet ihr hier.

Drei Deadlines und viele „Cafés“ später (danke für Deine Geduld, Ulrike!) sitze ich nun zu Hause (nein, eine Historikerin ist nicht ständig im Archiv) vor dem noch leeren Word-Dokument und ertappe mich dabei, wie die Worte „Das Archiv“ in meinem Kopf den Star Trek-Vorspann inklusive Titelmusik auslösen: „Das Archiv – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Dies sind die neuen Abenteuer der Geschichtsstudenten…“. Und dabei bin ich gar kein Star Trek-Fan. Aber ich komme vom Thema ab.

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Keine Experimente!

Zehn todsichere Schritte sozialwissenschaftliche Experimente in den Sand zu setzen

Heute ist unsere Gastbloggerin aus England zurück: Christine Stedtnitz schreibt darüber, wie sozialwissenschaftliche Experimente garantiert nicht gelingen. 

Mehr über Christine und ihr Promotionsprojekt in Politikwissenschaft an der University of Essex erfahrt ihr auf ihrer Website und bei LinkedIn.

Nach dem Motto des besten Teeniefilms der 2000er und des besten Brexit-Plans des letzten britischen Außenministers heute ein 10-Punkte-Plan für sozialwissenschaftliche Experimente.

Experimente in den Sozialwissenschaften, das geht so: Du hast einen Raum voller Computer. Je mehr Geld, desto mehr Computer. Unseren Raum nennen wir Labor, oder, auf Englisch, ‘lab’, denn das klingt so wissenschaftlich. Nun brauchen wir noch Leute. Erstens Leute um die Experimente zu leiten und zweitens Leute um an den Experimenten teilzunehmen. Für beides sind Studis hervorragend geeignet. Am besten Bachelorstudis, je pleite desto besser. Hiwis heißen Studis herzlich Willkommen, erzählen ihnen, wo sie sich hinsetzen dürfen, wie das Spiel läuft und zahlen ihnen am Ende ihren gerechten Lohn von 8 Pfund pro Stunde. In Essex braucht es für diesen hochqualifizierten Job einen Doktoranden. Mindestens. Zum Beispiel mich. Nachdem ich in diesem Sommer zum ersten Mal meine eigenen Experimente geleitet habe, gebe ich hiermit meine erfolgreich getesteten Tipps und Tricks an die nächste Generation weiter.

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The Art of Academic Writing – Auf Englisch Schreiben (3)

Heute gibt es Teil 3 unserer Reihe „The Art of Academic Writing – Auf Englisch Schreiben“. In Teil 1 ging es um die Basics, in Teil 2 gab es Tipps und Tricks für angehende Pros. Heute geht es darum, was man auf Englisch vermeiden sollte, wenn man elegante Texte verfassen will. (Und noch eine persönliche Anmerkung: Dieser Post ist Allie Brudney gewidmet, von der ich einen Großteil dieser Dinge gelernt habe!).

Mittlerweile sind wir auf dem sicheren Weg dahin, uns zu wahren Meistern des eleganten Schreibens zu entwickeln: Wir wissen, dass auf Englisch kurze Sätze König sind, wir Passiv vermeiden, of’s und Präpositionen nur sparsam einsetzen und Titel groß schreiben. Außerdem haben wir uns darin geübt, uns so spezifisch wie möglich auszudrücken, Nomen und Verben eng beieinander zu platzieren und uns kreative Titel und packende Einleitungen auszudenken.

Das also sollen wir tun – heute geht es weiter damit, was wir nicht tun sollten. Übrigens sitzen wir da im gleichen Boot mit den Muttersprachlern, denn auch die haben ja das akademische Schreiben nicht mit der Muttermilch aufgesogen.

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The Art of Academic Writing – Auf Englisch Schreiben (2)

Heute folgt Teil 2 unserer Reihe “Auf Englisch schreiben.” In Teil 1 ging es um die Basics: Was macht einen gut geschriebenen Text auf Englisch aus? Was gilt im Englischen als gute Praxis, was im Deutschen gar nicht geht? Von welchen liebgewonnenen Gewohnheiten und Regeln muss ich mich trennen?  Heute geht es weiter mit Tipps und Tricks für einen ganz besonders eleganten Schreibstil – für die pros und alle, die es werden wollen:

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The Art of Academic Writing – Auf Englisch Schreiben (1)

Heute beginnen wir mit einer losen Reihe zum Schreiben und Publizieren auf Englisch. Wie schreibe ich gute Texte auf Englisch? Wie überarbeite ich meine eigenen englischen Texte? Und von welchen Gewohnheiten sollte ich mich trennen, wenn ich auf Englisch schreibe? Heute gibt es einige grundlegende „How to’s“ mit auf den Weg, die euch helfen sollen, aus klobigen denglischen Texten elegante englische Texte zu machen.


Fast alle jungen Wissenschaftler sehen sich im Laufe ihrer Promotion mit der Aufgabe konfrontiert, auf Englisch publizieren zu wollen, zu sollen oder zu müssen. In den Naturwissenschaften wird ohnehin fast nur auf Englisch publiziert, da die entsprechenden Journals alle auf Englisch herausgegeben werden. Die Naturwissenschaftler haben begriffen, was auch in fast jeder anderen Disziplin gilt: Wer möchte, das seine Forschung international wahrgenommen wird, muss auf Englisch publizieren. Wer aber nicht selbst regelmäßig auf Englisch liest (oder TV-Serien konsumiert…), für den kann diese Anforderung ziemlich abschreckend wirken. Hat man sich nicht für Geschichte als Studienfach entschieden, weil man nie wieder etwas mit Englisch zu tun haben wollte? Der Geschichtspromovend hat wahrscheinlich schon im Laufe seines Studiums festgestellt, dass man sich so einfach nicht aus der Affäre ziehen kann, wenn im Seminar auf einmal Texte von englischen Forschern zum ersten Weltkrieg gelesen wurden. Nun aber selbst auf Englisch publizieren?!

Als jemand, der sich relativ viel im internationalen Umfeld bewegt, werde ich immer wieder von Freundinnen und Kollegen gebeten, ihre englischen Texte Korrektur zu lesen. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass es für Deutsche ganz besonders schwierig ist, gute englische Texte zu schreiben – denn auf einmal stehen alle Regeln Kopf! Was auf Deutsch elegant aussieht, gilt auf Englisch als viel zu pompös. Wir Deutschen lieben das Passiv, auf Englisch ist es verpönt. Wir Deutschen können gar nicht genug Substantive verwenden, auf Englisch sollen wir exakt diese vermeiden, etc. pp. Kurzum: Es ist wirklich gemein, aber für uns Deutsche fängt ein guter englischer Text damit an, ziemlich viele unserer lieb gewonnen Regeln und Gewohnheiten über Bord zu werfen.

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