Ich, Akademikerin: Frau-Sein in der Wissenschaft

Ein Gastbeitrag von Christine Stedtnitz (University of Essex, Colchester)

Marie Curie – unter Männern

Dieses Genderthema finde ich ziemlich nervig.

Wenn Politiker von „Bürgerinnen und Bürgern“ sprechen, halte ich das für Wort- und Zeitverschwendung. Wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Sätze mit „ich als Mann“ oder mit „ich als Frau“ anfangen habe ich selten Lust, den Rest des Satzes anzuhören. Bei „Du als Frau“ oder „Du als Mann“ werde ich passiv aggressiv. Wenn der Satz mit „müsstest“ weitergeht, kündige ich die Freundschaft auf.

All das änderte sich schlagartig, als ich, anno 2015, begann zu promovieren. Plötzlich redete alles über gender. Ständig. Und das obwohl zumindest mein Promotionsjahrgang vollkommen gender-ausgeglichen war. Schon in meinem ersten Promotionssemester wurde mir zugeteilt, dass es Mentoringprogramme gäbe, nur für Frauen, ganz toll, und, noch toller, eine Konferenz in den USA, wo ich nur Frauen meine Forschung vorstellen könnte. Als pflichtbewusste Preußin habe ich auch sofort eine halbherzige Bewerbung mit einem mittelmäßigen Abstract eingereicht. (Wundersamerweise bekam ich eine Absage.)

Continue reading “Ich, Akademikerin: Frau-Sein in der Wissenschaft”

15 Gute Vorsätze (die ich vermutlich nicht einhalten werde)

Frohes Neues Jahr von uns im Café cum laude! Wir hoffen, ihr hattet erholsame Feiertage. Seid ihr bereit für 2019? Wir verbinden große Hoffnungen mit diesem Jahr: Hoffentlich eine abgegebene Diss, hoffentlich ein veröffentlichtes Buch, neue berufliche Perspektiven und geographische Veränderungen für uns beide.

Eat more Pie! Foto: Flickr

Jahreswechsel lassen mich immer in Melancholie verfallen. Altes und Gutes liegen zurück (manchmal auch Schlechtes, aber immerhin wusste man da, woran man war) und wer weiß, was das neue Jahr bringt? Deshalb liegen mir auch gute Vorsätze nicht. Es steckt so viel Optimismus in der Annahme, man könne sie auch nur annähernd einhalten.  Außerdem reicht meiner Erfahrung nach ein guter Vorsatz pro Jahr aus, wenn er halbwegs realistisch bleiben soll. Dieser gute Vorsatz sollte irgendwo auf das Kontinuum zwischen „machbar“ und „ehrgeizig“ fallen. Idealerweise sollte er auch messbar sein.

Aber warum eigentlich nicht ein bisschen optimistisch sein? Und den Schwung des neuen Jahres nutzen, sich an einige Dinge zu erinnern, die man schon lange mal verändern wollte? Ich habe nicht den Anspruch an mich selbst, am Ende des Jahres hinter jeden Punkt einen Haken setzen zu können. Deshalb stehen dort auch Sachen, die wenig messbar sind. Aber das wird mich nicht davon abzuhalten, mir auf die Schulter zu klopfen, wenn ich einen Punkt abhaken kann!

Continue reading “15 Gute Vorsätze (die ich vermutlich nicht einhalten werde)”