Meine Home Office Routine

Das sieht ergonomisch nicht so günstig aus.

April 2021, wir befinden uns im zweiten Corona-Jahr. Ich bin in einer denkbar privilegierten Position: ich habe eine schöne Wohnung mit Terrasse, ich lebe sehr gerne mit meinem Mann zusammen, ich habe einen sicheren Job, der mir großen Spaß macht und ich kann meiner Arbeit ohne Schwierigkeiten im Home Office nachkommen. Natürlich weiß ich wie gut es mir damit geht aber trotzdem fällt mir die Dankbarkeit immer häufiger schwer. Der Teil-Lockdown und die Kontaktbeschränkungen zermürben einen, ich möchte mit Freundinnen (Plural!) in eine Bar gehen, in den Urlaub fahren, wenigstens in diesem Jahr unsere Hochzeit groß feiern können und ohne Sorge meine Eltern besuchen können.

Ich lebe in diesem fremdbestimmten Alltag in dem sich stündlich ändert was erlaubt und was vernünftig und was verantwortungsbewusst ist. Und alles was mir einfällt ist noch einen Artikel übers Home Office zuschreiben. Ich hoffe es ist vielleicht für die eine oder den anderen doch eine Hilfe. Immerhin verbringen wir mit 40 Stunden 24 % unserer Wochenzeit im Home Office, spazieren gehe ich höchstens 5 % meiner Woche (8 Stunden).

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Zitieren in der Doktorarbeit: Plagiate, Urheberrechtsverletzung und das gefürchtete Bildzitat

Dieses Bild dient nur der Illustration aber keine Sorge, ich habe die Lizenz überprüft. Es ist frei verwendbar 🙂

Der Plagiatsvorwurf ist wohl der größte Alptraum aller Wissenschaftler*innen. Und das zu Recht. Die wissenschaftliche Arbeit einer anderen Person als die eigene auszugeben ist nicht in Ordnung. Soweit klingt es einfach: wenn ich Ideen/ Erkenntnisse/ Daten Anderer nutze, muss ich das zitieren. Aber wenn man in einem Fach promoviert, in dem man bisher noch nicht so viel Erfahrung mit dem wissenschaftlichen Schreiben sammeln konnte, stellt man sich spätestens bei der Dissertation eine Menge Fragen. Was muss ich alles zitieren und wie soll ich zitieren? Was für Bilder darf ich in meiner Doktorarbeit benutzen? Muss man Software eigentlich zitieren?

Dann liest man alle paar Jahre noch von einem Politiker, dem der Doktortitel entzogen wurde, weil er nicht richtig zitiert hat. Hier erst mal die gute Nachricht: Niemandem wird der Doktortitel entzogen weil etwas nicht richtig zitiert ist oder ein paar Zitate fehlen. In solchen Arbeiten wurde entweder bewusst betrogen oder richtig schlampig gearbeitet. Versteht mich nicht falsch; es ist wichtig gründlich und ordentlich zu zitieren, aber es gibt keinen Grund in Panik zu geraten.

In diesem Artikel versuche ich ein paar Fragen, die ich selbst hatte oder die andere mir schon gestellt haben, zu beantworten. Die Regeln des Zitierens gelten natürlich für alle Fächer aber wie man Software oder Abbildungen zitiert sind eher Fragen, die sich in experimentellen und empirischen Doktorarbeiten stellen.

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“The Home Edit” für deine Doktorarbeit – Jetzt wird aufgeräumt!

Photo by Paul Hanaoka on Unsplash

Nachdem in den Weihnachtsferien 2018/2019 alle besessen vom Marie Kondo Hype waren, hat jetzt die Aufräumserie „The Home Edit“ auf Netflix einen neuen Organisier-Wahn ausgelöst. Das Konzept ist denkbar einfach: Cleo und Joanna besuchen Stars und normale Familien und räumen ein Zimmer, einen Schrank oder eine Tiefkühltruhe auf.

Kaum hat man eine Sendung gesehen, juckt es in den Fingern, die Chaosschublade in der Küche zu entrümpeln und die Teebeutel in Regenbogenfarben zu sortieren. Einerseits ist die Generalüberholung der Wohnung natürlich eine tolle Prokastinierungsaufgabe für verregnete Sonntage. Andererseits kann man das System, dass Cleo und Joanna vorschlagen, aber auch großartig für die Promotion umgesetzt werden!

(Disclaimer: Dieser Beitrag ist übrigens weder von Netflix noch von The Home Edit gesponsort!)

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Wie fängt man eine Promotion an?

Photo by Kolleen Gladden on Unsplash

Der Starts in Wintersemester 20/21 ist ein ganz besonderer, weil er von Pandemie und Lockdown geprägt ist. Trotzdem beginnen auch in diesem November viele Promovierende ihre Dissertation und damit die spannende Reise in Richtung Doktortitel!

Wie jedes neue Projekt ist auch der Beginn einer Promotion ziemlich aufregend. Neben einer Prise Abenteuerlust schwingt bei dem Start in einen neuen Lebensabschnitt auch immer ein bisschen Unsicherheiten und Ängste mit. Das ist bei der Promotion nicht anders!

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Jobsuche nach der Promotion für Naturwissenschaftler*innen

Schon einen Job gefunden? Photo by Pawel Janiak on Unsplash

Disclaimer: Ich arbeite inzwischen als Senior Customer Success Engineer bei MathWorks. Dieser Text gibt meine eigene Meinung wieder. Falls ihr euch für einen Job im Gebiet Customer Success interessiert, hier ist mein LinkedIn Profil. Schreibt mir einfach mit Bezug auf diesen Blog und ich erzähle euch gerne mehr.

Nachdem die Dissertation abgegeben, die Disputation bestanden und diese Errungenschaften auch gefeiert wurden, steht der Einstieg in einen neuen oder nicht so neuen Job an.

Im Idealfall sollte man sich schon ein bisschen vor der Abgabe der Diss Gedanken über den zukünftigen Karriereweg machen. Aber dafür hat man zwischen Korrekturlesen, letzten unüberlegten Änderungen des Layouts und Vorbereitung der Disputation dann doch meistens keine Zeit. Als kleine Hilfestellung, habe ich hier einige typische Arbeitsfelder und Einstiegsstellen für promovierte Naturwissenschaftler*innen, Informatiker*innen und Mathematiker*innen aufgelistet. Einige dieser Felder sind aber auch für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen typisch.

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Wissenschaftliches Schreiben muss gelernt sein

Photo by NeONBRAND on Unsplash

Sind wir mal ehrlich, die Promotionszeit ist ein einziges Auf und Ab. Eine emotionale Achterbahnfahrt – vielleicht für die Eine mit größeren Höhen und Tiefen, für den Anderen wiederum mit nur wenigen Wellenbewegungen. Aber manchmal kann es auch sein, dass man sich fühlt, als sei man nur noch auf Talfahrt und ein Richtungswechsel ist nicht in Sicht. Gerade für diese Situationen ist ja eigentlich eine Promotionsbetreuung da. Der Gedanke liegt nahe, dass der oder die wissenschaftlichen Betreuer*in genau in solchen Momenten unterstützend unter die Arme greifen könnte. Er oder sie könnte neue Ideen vorschlagen, den Knoten im Kopf mit cleveren Fragen lösen helfen oder einen guten Hinweis geben – aber eben meist aus einer dezidiert wissenschaftlichen Perspektive und mit einem spezifischen Blick, der oft auf das Themenfeld der Promotion beschränkt ist. Aber was ist, wenn es gar nicht diese Probleme sind, die einen blockieren? Was ist, wenn es eigentlich um vermeintlich ganz allgemeine Dinge geht? Oder was, wenn ich (noch) gar nicht genau sagen kann, was das Problem eigentlich ist?

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Motivationstief oder Update für’s Gehirn? 5 (+1) Tipps für Schluffi-Tage

Photo by Tony Tran on Unsplash

Es gibt einfach Tage, an denen geht nichts. Du bist unkonzentriert, lenkst dich ständig selbst ab. Einen Satz zu schreiben ist eine Qual und jeden Satz, den du liest, hast du danach sofort wieder vergessen. Die Vorstellung, heute etwas an der Diss zu schaffen – undenkbar! Ich nenne diese Tage liefevoll „Schluffi-Tage“. Solche schlechten Tage haben alle Promovierenden von Zeit zu Zeit, und ganz besonders gern, wenn eigentlich eine Deadline drohend heranrückt oder man sich am Vortag vorgenommen hat „Ab jetzt starte ich aber so richtig durch!“

Was ganz besonders fatal ist – manchmal dauert dieser Schluffi-Tag länger als einen Tag. Ganz, ganz selten wird daraus sogar eine ganze Schluffi-Woche. Kein Wunder also, dass die meisten Promovierenden nach Strategien suchen, um aus diesem Motivationsloch wieder rauszukommen. Wir haben 5 +1 Tipp zu dem Thema gesammelt!

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Forschungsaufenthalt im Ausland mit Baby – (wie) geht das überhaupt?

Ein Erfahrungsbericht von Dana Dülcke
Ein Forschungsaufenthalt im Ausland ist immer spannend und herausfordern. Und dann noch mit Baby? Photo by Ken Yam on Unsplash

Wir schreiben den Sommer 2014. Ich habe endlich meine Finanzierung für meinen ersten großen Forschungsaufenthalt in Kanada mit meinem Stipendien-Geber organisiert, es stehen schon viele Interviewtermine fest und Übernachtungsmöglichkeiten sind gebucht. Das soll der erste große Meilenstein in meiner (Forschungs-)Arbeit an meiner Doktorarbeit werden. Ich freue mich riesig und mir ist manchmal auch schon etwas schlecht vor Aufregung – aber, wenn ich ehrlich bin, ist mir eigentlich meist auch etwas mulmig zumute, weil ich zu dieser Zeit bereits schwanger bin.

Aber der Plan steht. Ich werde mit dickem Babybauch nach Kanada fliegen und meine ethnografische Forschung vor Ort durchführen. Das heißt konkret: In Kanada hin und her reisen, geplante und ungeplante Interviews führen, an unterschiedlichen Veranstaltungen teilnehmen und alles für die Analyse dokumentieren. Das geht ja alles auch schwanger.

Dann kommt alles anders als gedacht. Ich kann nicht fliegen. Es gibt Komplikationen in der Schwangerschaft und meine Ärztin untersagt mir die Reise. Sie empfiehlt, dass ich im nächsten Jahr fliegen soll. Ich falle in ein emotionales Loch und bin für einige Tage total aus der Bahn geworfen. Denn wie soll ich nun meinen Promotionsprozess voranbringen, wenn ich nicht noch vor der Geburt in die Feldforschung gehen kann? Promovieren mit Kind ist ja schon so eine Herausforderung, wie es Ulrike schon mal hier beschrieben hat. Aber eine Feldforschung im Ausland mit Baby? Über mehrere Monate hinweg?

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Abbrechen oder Durchhalten? Teil 1

Herzlich Willkommen zurück nach der Sommerpause! Ich hoffe ihr ertragt die Hitzewelle und verbringt eure Zeit im Wasser statt am Schreibtisch soweit möglich.

Photo by Paolo Bendandi on Unsplash

Ich wage mal diese These: Jede Doktorandin und jeder Doktorand denkt während der Promotion ans Aufhören. Die Frage ob man eine Promotion durchziehen oder abbrechen sollte wird dementsprechend in Foren und auf Blogs viel diskutiert. Auch mir ist beim Schreiben aufgefallen, dass es eine Menge Argumente, Gefühle und Sorgen gibt, die dabei mitspielen. Daher wird dieser Artikel zwei Teile haben. In Teil 1 geht es um die häufigsten Probleme, die Doktoranden ans Aufhören denken lassen. In Teil 2 wird es um die guten oder schlechten Gründe gehen aus denen Doktoranden sich dann doch entscheiden weiter zu machen.

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Chunk-Work oder die Macht des freien Tages

Photo by Corinne Kutz on Unsplash

Viele Promotionsratgeber vergleichen die Doktorarbeit mit einer Pflanze, die man kontinuierlich pflegen und jeden Tag gießen soll. Würde man das nicht tun – und die Pflanze dann nach Wochen mit einer ordentlichen Portion Wasser bzw. Arbeit überschütten, verkraftet das Pflänzchen das nicht und geht ein. Es gibt dementsprechend auch viele Tipps à la „jeden Tag mindestens einmal das Diss-Dokument aufmachen“ um „am Ball zu bleiben“. Für viele ist das bestimmt der richtige Weg und gegen kontinuierliches Arbeiten habe ich auch gar keine Argumente. Trotzdem habe ich gemerkt, dass ich deutlich besser mit meiner Doktorabeit vorankomme, seitdem ich nicht mehr jeden Tag daran arbeite. Ich gebe sogar zu – ich habe regelmäßig „dissfreie Tage“ – unter der Woche!

Ich spoilere schon mal so viel: Die Methode hinter diesem ketzerischen Arbeitsrhythmus heißt Chunk-Work und sie hat meinen Arbeitsalltag revolutioniert.

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