Keine Experimente!

Zehn todsichere Schritte sozialwissenschaftliche Experimente in den Sand zu setzen

Heute ist unsere Gastbloggerin aus England zurück: Christine Stedtnitz schreibt darüber, wie sozialwissenschaftliche Experimente garantiert nicht gelingen. 

Mehr über Christine und ihr Promotionsprojekt in Politikwissenschaft an der University of Essex erfahrt ihr auf ihrer Website und bei LinkedIn.

Nach dem Motto des besten Teeniefilms der 2000er und des besten Brexit-Plans des letzten britischen Außenministers heute ein 10-Punkte-Plan für sozialwissenschaftliche Experimente.

Experimente in den Sozialwissenschaften, das geht so: Du hast einen Raum voller Computer. Je mehr Geld, desto mehr Computer. Unseren Raum nennen wir Labor, oder, auf Englisch, ‘lab’, denn das klingt so wissenschaftlich. Nun brauchen wir noch Leute. Erstens Leute um die Experimente zu leiten und zweitens Leute um an den Experimenten teilzunehmen. Für beides sind Studis hervorragend geeignet. Am besten Bachelorstudis, je pleite desto besser. Hiwis heißen Studis herzlich Willkommen, erzählen ihnen, wo sie sich hinsetzen dürfen, wie das Spiel läuft und zahlen ihnen am Ende ihren gerechten Lohn von 8 Pfund pro Stunde. In Essex braucht es für diesen hochqualifizierten Job einen Doktoranden. Mindestens. Zum Beispiel mich. Nachdem ich in diesem Sommer zum ersten Mal meine eigenen Experimente geleitet habe, gebe ich hiermit meine erfolgreich getesteten Tipps und Tricks an die nächste Generation weiter.

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Forscherin, Dozentin, Promovendin – Wer bin ich eigentlich, und wenn ja, wie viele?

Heute gibt es einen Beitrag von Gastautorin Alessa Hillbrink. Alessa ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Hochschullehre (ZHL) der WWU Münster, wo sie unter anderem zu den Perspektiven von Nachwuchswissenschaftler/innen auf Forschung und Lehre promoviert und Workshops zu den Themen Rollenverständnis und Kommunikation hält.

Alessa Hillbrink lehrt und forscht am Zentrum für Hochschullehre der WWU Münster

Wenn ich gefragt werde, wozu ich denn eigentlich in der Psychologie promoviere, reagiert das Gegenüber auf meine Antwort regelmäßig mit einem Schmunzeln. Ich promoviere über die Doppelrolle von Promovierenden als Forschende und Lehrende  – über mich selbst also, könnte man denken. Da die Psychologie sich aber von der Introspektion als Methode zum Erkenntnisgewinn längst verabschiedet hat, schreibe ich keine Abhandlung über mein eigenes Innenleben, sondern führe Fragebogenstudien und Experimente mit Promovierenden verschiedener deutscher Unis durch. Continue reading “Forscherin, Dozentin, Promovendin – Wer bin ich eigentlich, und wenn ja, wie viele?”

Was man in einer Promotion wirklich lernt – Teil 2

Christine Stedtnitz

Heute geht es weiter mit der Mini-Serie “Was man beim Promovieren wirklich lernt” unserer Gastautorin Christine Stedtnitz. Christine promoviert an der University of Essex in Colchester (UK) und hat für uns ihre gesammelten Weisheiten und Tipps zusammengefasst!

Teil zwei einer zweibloggigen Serie. Letzte Woche: Teil 1, Akademische Weisheiten. Heute: Teil 2, Weitere Weisheiten: persönliche Erkenntnisse und soft skills. Man könnte sie auch Erkenntnisse der Selbstständigkeit taufen, oder Lebenserfahrung, aber als Promovierende in Selbsttherapie führen wir sie selbstverständlich ausschließlich auf unsere Promotion zurück.

Teil 2: Persönliche Weisheiten

Als ich mal ein Jahr in Frankreich studiert habe, habe ich gelernt, dass jedes Essay, genau wie jede Vorlesung, genau drei Punkte haben darf. Man nennt sie: „großes eins“, „große zwei“, und „große drei“, römisch nummeriert. (Selbstverständlich werden die Überschriften in der Vorlesung mitdiktiert. Während deutsche Studierende gegen Ende der Vorlesung die eurozentrische Brille des Dozenten bemängeln, beziehen sich Rückfragen der französischen Kommilitonen auf die großen Nummern: War Punkt X Teil des großen 2 oder Teil des großen 3? Große Frage.) Also: drei große weitere Weisheiten aus dem PhD. (Dass jeder große Punkt gleich lang sein muss und zudem entweder zwei oder drei Unterpunkte haben darf, werden wir im Folgenden ignorieren.)

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Was man in einer Promotion wirklich lernt – Teil 1

Diese Woche gibt es wieder einen Gastbeitrag von Christine Stedtnitz. Christine promoviert in Politikwissenschaft an der University of Essex in Colchester. Ihre Freizeit verbringt sie allerdings lieber in London, wo es den besseren Kaffee gibt. Sie hat für uns zusammengefasst, was man beim Promovieren wirklich lernt. Heute geht es los mit Teil 1: Akademische Weisheiten.

Ein Professor, das weiß jedes Kind, ist ein bärtiger älterer Herr,  der jeden Nachmittag bis in die frühen Abendstunden mit einer kubanischen Zigarre im linken Mundwinkel in einem Sessel vor seinem Kamin sitzt, und seinen Blick abwechselnd in ein dickes, ledergebundenes Buch und, nachdenklich, in das knisternde Feuer wirft. Er schläft jeden Morgen bis 8 Uhr, schlürft jeden Morgen um halb 9 seinen frisch gebrühten Filterkaffee, von dem jeden Morgen mindestens ein paar Tropfen seine FAZ schmücken, spaziert um Punkt 9:55 los zur 10 Uhr-Vorlesung, lässt pünktlich um viertel nach 10 seine Ledertasche auf das Pult plumpsen, betrachtet eingehend und leicht kurzsichtig sein mit Zunahme der Semesterwochenzahl schwindendes Publikum und ergreift nach einem kurzen Augenblick, so er denn Naturwissenschaftler ist, die weiße Kreide oder, so er denn Geisteswissenschaftler ist, die kubanische Zigarre und richtet sich, der Naturwissenschaftler vor der Tafel und der Geisteswissenschaftler auf dem hölzernen Stuhl, den seine Sekretärin nun wirklich doch einmal auswechseln sollte, ein. Und doziert. Ab 10.20 Uhr ist er so in seine Vorlesung vertieft, dass ihn weder das Mitschreiben der fleißigen Kommilitonen noch das beschauliche Schnarchen der letzten Reihen sonderlich beeindruckt; erst der Gong um 11.45 Uhr unterbricht – rüde! – seinen Gedankengang und somit seine Vorlesung. „Auf Wiedersehen“ sagt er bevor er den letzten Satz zu Ende sprechen konnte, erfreut sich der klopfenden Masse, und bewegt sich sogleich in die Mensa, wo er alltäglich um Punkt 12 seine Fachgenossen zum Feierabend trifft. (Denn an das Mensaessen hat er sich bereits vor 40 Jahren gewöhnt.) Nach der Kohlroulade macht er sich auf und spaziert nach Hause (das mit dem Laufen hat ihm sein Arzt verordnet und sein Haus befindet sich selbstverständlich in bester Wohnlage, fußläufig zur innerstädtischen Universität.) Dort legt er sich erst einmal auf einen 45-minütigen Mittagsschlaf je nach Saison in die Hängematte oder das Sofa. Dann, um Punkt 15 Uhr, ergreift er sein Buch, seine Zigarre, und sein abgewetztes Notizbuch und liest und schreibt, bis ihn seine Frau oder seine Haushälterin – rüde! – zum Abendessen beordert.

Was also lernt ein Doktorand oder eine Doktorandin? Einfach. So wie Prinz William sich auf das Königsein vorbereitet, bereitet sich der oder die Promovierende auf das Professorsein vor. Man liest, recherchiert, denkt, schreibt und trinkt ungemein viel Kaffee.

Das mit dem Kaffee sollte sich als wahr herausstellen.

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Wie ist es eigentlich… in einem Graduiertenkolleg zu promovieren?

Der heutige Beitrag stammt von unserer Gastautorin Johanna Spangenberg. Johanna promoviert seit April 2017 am Internationalen Doktorandenkolleg MIMESIS der LMU München und des Elitenetzwerk Bayerns. In ihrer Dissertation untersucht sie das intermediale Weiterdenken der Poetik Stéphane Mallarmés in den Schriften und Kompositionen Pierre Boulez’ und möchte in einem zweiten Schritt herausarbeiten, welche Konsequenzen für die Neue Musik und die Philosophie des 20. Jahrhunderts sich aus dieser ‘Transformation von Denkweisen’ ergeben.

Der traditionelle Weg einer geisteswissenschaftlichen Promotion in Deutschland, bei der der „wissenschaftliche Betreuer zugleich Mentor, Prüfer und Vorgesetzter nach dem Meister-Lehrlings-Verhältnis ist, steht in krassem Gegensatz zu strukturierten und zum Teil standardisierten Ausbildungsmodellen in anderen Ländern“.[1] Dieses Zitat stammt aus einem 2006 erschienenen Tagungsband zum Thema Promovieren in Europa, der einen eindeutigen Schwerpunkt auf die Vorteile legt, die sich das deutsche Promotionswesen von einer Strukturierung im Zuge des Bologna-Prozesses erhoffen könnte. Und tatsächlich fällt zwölf Jahre später auf, dass die Möglichkeit, eine geisteswissenschaftliche Promotion im festen und idealerweise gut finanzierten Rahmen eines Graduiertenkollegs zu absolvieren, auch an deutschen Unis immer weniger Seltenheitswert hat. Als Graduiertenkolleg wird, dem genannten Tagungsband folgend, „eine durch Zusammenschluss einer Anzahl von Hochschullehrern getragene Einrichtung“ verstanden, die das Ziel hat, „Promovierende zu betreuen, ihnen ein Studienprogramm zu geben und sinnvolle Arbeitsbedingungen zu schaffen“.[2] Christine Stedtnitz hat sich im ersten Gastbeitrag für diesen Blog bereits mit den Vor- und Nachteilen einer Kollegs- und Lehrstuhlpromotion auseinander gesetzt.

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Wie ist es eigentlich… in England zu promovieren?

Heute haben wir eine Gastautorin aus England eingeladen: Christine Stedtnitz promoviert in Politikwissenschaften an der University of Essex. In ihrer Dissertation untersucht sie das Wahlverhalten in polarisierten Wahlkämpfen, insbesondere den Umgang mit falschen Fakten und mit Fakten, die die eigene politische Meinung herausfordern.

Hier ihr Erfahrungsbericht über das Promovieren in Brexit-Land!

Keine Lust mehr auf miefende alte verkrustete deutsche Unigebäude? Wie wär’s mit miefenden alten verkrusteten britischen Unigebäuden? Der Gedanke plagte mich vor gut drei Jahren, erst der erste, dann der zweite, und so erwachte ich eines Tages in einer bezaubernden britischen Kleinstadt, römisch, die älteste römische Stadt Großbritanniens (!) die, wie so oft, unter lateinischem Namen bekannter ist als unter Deutschem (Colchester, oder, wie bei Asterix bei den Briten, Camulodunum), mit dem Zug eine Stunde nordöstlich von London, mit dem Fahrrad eine Stunde westlich vom Wasser. Die Uni Essex stand der Uni Konstanz, vor der ich kam, in ihrem brutalistischen Charme der sechziger Jahre in nichts nach und so fühlte ich mich sogleich zuhause. Nach zweieinhalb Jahren also ein kurzer Leitfaden für den potentiellen Großbritannienpromovenden zum Thema Deutschland gegen England. Wir behandeln zwei Themen: England und englische Unis.

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