Welche 3 Fehler oder Umwege Du am Ende vielleicht vermeiden kannst

Das Ende der Arbeit an Deiner Promotion ist in Sicht? Du musst vielleicht „nur“ noch die letzten Seiten überarbeiten/Korrektur lesen (lassen)/Anhang und Formalia erledigen? Dann bereits an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch – Du bist wirklich weit gekommen und die Abgabe Deiner Dissertationsschrift steht kurz bevor. Das ist richtig toll und Du kannst und solltest stolz auf Dich sein. Aber nun kommen die letzten Feinheiten und manchmal stecken genau in den Feinheiten auch ein paar richtig fiese Gemeinheiten. Daher möchte ich heute drei Fehler oder zumindest Umwege mit Dir teilen, die ich gegangen bin – und die Du dadurch vielleicht vermeiden kannst.

Es ist natürlich zu beachten, dass die Endphase bei Allen unterschiedlich aussieht: Wir haben unterschiedlich „viel“ oder „wenig“ Zeit übrig, um abzugeben. Wir sind unterschiedlich pragmatisch oder perfektionistisch – und dann gibt es sicherlich auch große Unterschiede zwischen den Fächerkulturen im Hinblick darauf, was alles noch in eine Dissertationsschrift gehört. Wie umfangreich wird der Anhang? Welche Daten muss ich wem zugänglich machen und wer bekommt eigentlich wie die Dissertationsschrift ausgehändigt? Meine Erfahrungen beziehen sich daher auf eine Situation, in der ich nur noch ein paar Tage Zeit hatte, ich keine Lust und keinen Spaß mehr hatte und einfach nur noch fertig werden wollte. Daher habe ich auch manche „Fehler“ einfach so stehen lassen 😉 Aber eine Sache vorab: Mein wichtigster Tipp ist wirklich – mach dich selbst schlau! Lies oder Frag nach, denn nichts ist ärgerlicher oder frustrierender, als eine jahrelange Arbeit einreichen zu wollen und dann an einem formalen Fehler (kurzfristig) zu scheitern… (so geht beispielsweise bei uns die Geschichte von einem Kollegen um, der seine Diss erst nicht abgeben konnte, bzw. neu drucken lassen musste, weil auf dem Titelblatt der falsche! Doktorgrad stand, den er erlangen wollte)

1. Strg H hilft…: Such gezielt nach Fehlern und lass mindestens ein Mal ganz am Ende wen anderes hinschauen!

Es ist vielleicht der banalste und doch (unter Zeitdruck) schwierigste Part am Ende. Der Text steht, endlich sind alle Einzelteile in einem Fließtext beieinander und Du bist fleißig dabei zu formatieren, zu finalisieren und das Literaturverzeichnis, den Anhang und das 100ste Mal das Literaturverzeichnis an die Kapitel anzupassen (geht zwar auch in Word automatisch, aber man muss ja doch immer wieder erst mal auf aktualisieren klicken – nicht vergessen!). Nun gibt es die Möglichkeit nochmals alles zu Lesen – um vielleicht auch noch den letzten Fehler zu finden – aber wer hat tatsächlich dazu am Ende die Lust/Zeit/Energie? Ich weiß es nicht. Daher hat mir die Suche-Funktion über Strg-H sehr geholfen. Ich habe vor allem auf den letzten Metern die wichtigsten Begriffe meiner Diss überprüft, indem ich sie abgekürzt gesucht habe. Dadurch konnte ich ein paar häufige Buchstabenverdreher ausfindig machen (z.B. Landarbeitsmigrant*innen – das habe ich dann als Landa* und ähnliches gesucht). Da kommen natürlich viele Treffer bei rum – aber das lohnt sich! So hat sich bei mir doch das eine oder andere verdrehte Wort finden lassen. Außerdem kannst Du damit auch doppelte Leerzeichen suchen und dann löschen – auch davon hatte ich (nachdem eigentlich alles schon Korrektur gelesen war etc.) noch mehr als 40 Stück im gesamten Text! Aber was ich nicht gesehen hatte, war der krasse und vielleicht peinlichste Fehler, den ich hätte machen können. Ich hatte tatsächlich das Wort „Universität“ auf der Titelseite falsch geschrieben . . . OMG. Daher mein ernst gemeinter Tipp – lass am Ende mal eine Person auf Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Anhang/Überschrift gucken, die am besten noch nicht viel mit Deiner Diss zu tun hatte. Also einen frischen Blick drauf werfen kann – mehr auch nicht! Bei mir war es mein netter Nachbar – ich zeigte ihm stolz meinen ersten Druckversuch, als er gerade in der Tür stand – Titelseite vorne – und das erste was er sagte war: „ist Universität nicht falsch geschrieben“? Autsch.

2. Frag immer nach!: Den Druck und das „Aussehen“ der Diss (besser) planen:

Welche Schriftgröße, welche Randabstände? Braucht es Platz für Korrekturen und soll es ein doppelseitiger Druck werden? Gibt es hierzu genaue Vorgaben durch Deine Hochschule? Auch hier gilt wirklich: Mach dich schlau und lies oder frag nach! Und wenn es keine offiziellen Infos gibt: Dann frag nochmals nach! Bei mir war es so, dass die Universität keine Vorgaben zum Format macht, also was Ränder, Abstände etc. angeht. Also habe ich meine Betreuerin gefragt und ihr war vor allem ein doppelseitiger Druck (damit die Diss später in der Verteidigung für die Kommissionsmitglieder nicht so dick aussieht ;)) sowie etwas mehr Rand für Notizen wichtig. Und hier kommen wir schon zum nächsten Fail, den ich mir „erlaubt“ habe. Denn soweit ich das beurteilen kann, habe ich das mit dem Rand nicht wirklich gut umgesetzt. Ich habe es für den Druck auf doppelseitig eingestellt, mich aber zusätzlich auch an wechselnden Randstärken versucht, damit immer auf der Innenseite (dort wo es später geklebt/gebunden wird) der Rand etwas breiter ist. Das erschien mir in der Planung sinnvoll, weil es beim Umblättern auch in der Mitte des Buches so noch leichter zu lesen ist. Tja – ich hätte aber auch mal beim Copyshop nachfragen sollen 😉 Gut gedacht, ist halt nicht immer gut gemacht. Denn die Leimbindung ist gar nicht so umfangreich geworden, wie ich es fälschlicherweise angenommen hatte. Der Druck sieht nun final so aus, als ob ich immer auf der Innenseite einen viel breiteren Rand (was ja auch stimmt!) gelassen hätte, als auf der Außenseite – nur das ja die meisten Menschen intuitiv eher am Außenrand Kommentare und Anmerkungen hinterlassen – und nicht Innen, so wie es nun vermutlich für die meisten auf den ersten Blick aussieht. Meine Betreuerin wird sich sicher etwas wundern 😉 Aber gut. Es war gedruckt und ich lebe jetzt damit. Aber auch hier gilt, ein Mal mehr Fragen hätte mir etwas Frust (oder Überraschung) erspart.

3. Lass es alle/viele wissen, dass Du (bald) abgibst

Und auch der nächste Umweg hat etwas mit Kommunikation zu tun. Hier ist es aber zum Glück nicht die fehlende Kommunikation gewesen, die ein Fehler war, sondern meine Kommunikation hat mich vielleicht erst vor einem wirklichen epic fail bewahrt. Denn ein Tipp, den ich Dir unbedingt an Herz legen will: Gib vorab auch bei den offiziellen Stellen Bescheid, dass Du (bald) abgeben wirst! Ich hatte zwei Tage vor meiner Abgabe (und kurz nachdem ich die Diss in den Druck gegeben hatte) der zuständigen Person im Dekanat meines Fachbereichs eine Mail geschrieben, dass ich in den nächsten Tagen meine Dissertation einreichen werde – und dass ich das in der Uni-Poststelle tun werde (so wie es auf der Internetseite der offiziellen Stellen steht). Es war mir einfach wichtig, damit ich nicht meine Arbeit einfach in der Poststelle der Promotionsgeschäftsstelle oder sonst wo einreiche und nachher verschwinden sieben Jahre Arbeit in den Mühlen der Hochschulbürokratie und ich habe keine weitere Ansprechperson für vielleicht noch auftretende Nachfragen oder was auch immer. Ich wollte am liebsten „mein Baby“ in gute Hände übergeben. Also schrieb ich die Mail – und bekam prompt am Nachmittag eine super wichtige Rückmeldung: Leider hatten sich gerade eine Woche zuvor die Formalia für die ehrenwörtlich Erklärung geändert. Das wurde aber noch nicht auf der Homepage des Promotionsbüros bekanntgegeben, da die zuständige Kollegin erkrankt war. Der Link bzw. der dort hinterlegte Text war also nicht mehr aktuell und doch musste diese ehrenwörtlich Erklärung „eigentlich zwingend“ in die Diss fest eingebunden werden. AHHHH. Ich bekam einen Herzaussetzer. Aber alles Gut. Die zuständige Person aus dem Dekanat meines Fachbereichs telefonierte sogleich mit dem Promotionsbüro – und legte sich für mich ins Zeug. Denn schließlich konnte ich von dieser Änderung ja gar nichts wissen und die Diss war schon gedruckt. Anstatt also meine Diss komplett neu drucken zu lassen, um eine Seite zu verändern (gut, dann hätte ich auch noch den Rand anpassen können ;)), konnte ich so eine extra Seite ausdrucken, diese unterschreiben, in jedes Exemplar einlegen und durfte dann das Ganze auch noch persönlich! bei der zuständigen Kollegin im Promotionsbüro abgeben. Was gewesen wäre, hätte ich die Mail nicht geschrieben und hätte meine Diss einfach so in die Post gegeben… ich will es mir gar nicht ausmalen. So war es schließlich doch noch ein wirklich gutes Gefühl – denn nach den prüfenden Blicken der Kollegin im Promotionsbüro war endlich klar: Es ist vollbracht, die Dissertation ist abgegeben, alles formal abgesegnet und das sogenannte Hauptverfahren wird eröffnet.

Und was machte ich? Ich schrieb eine Nachricht an alle meine Freund*innen, Kolleg*innen und Unterstützer*innen der letzten Jahre: „Ich habe gerade eben meine Dissertation in der Geschäftsstelle eingereicht – vielen Dank für Eure je unterschiedlichen Arten und Weisen der Unterstützung in den letzten Jahren!“ Naja, ihr wisst schon: Kommunikation und so 😉

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