Kulturschock USA Teil 1 – Es ist nicht alles schlechter in den USA

Das ist die Straße vor unserer Wohnung. Vierspurig, wie fast alle Straßen hier.

Seit ziemlich genau vier Wochen lebe ich in der Nähe von Detroit, Michigan in den USA. Ich bin also sicherlich keine Expertin für die Kultur der USA oder das Leben hier. Trotzdem möchte ich euch in dieser kurzen Serie an meinen ersten Kulturschock-Erfahrungen in Amiland teilhaben lassen. Die USA sind insbesondere für Wissenschaftler ein beliebtes Arbeitsland. Kein Wunder: diese Auswahl an exzellenten Universitäten findet man nirgendwo sonst.

Nun muss ich zugeben, dass ich der Universität schon den Rücken gekehrt habe und es hier daher nicht um die Universitätslandschaft gehen wird. Dazu könnt ihr aber hier erfahren wie ihr eure Diss in den USA veröffentlicht oder euch hier über den College Admission Skandal informieren. Hier findet ihr meine Erfahrungen zur Suche nach einer Postdoc Stelle (als ich noch nicht sicher war, dass ich keinen Postdoc machen möchte).

Im ersten Teil dieser Serie geht es um den klassischen Kulturschock und die kaum versteckte Arroganz der Deutschen gegenüber den Amerikanern.

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Die Disputation – Zwischen „Reine Formsache“ und „Panikattacke“

Photo by DDP on Unsplash. Ist einfach weglaufen auch eine Alternative bei der Disputation? Leider nein.

Nach Abgabe der Dissertation sehen deutsche Promotionsprüfungsordnungen die Verteidigung der Arbeit als nächsten Schritt vor. Ich habe meine Disputation im Dezember letzten Jahres gut überstanden und euch hier fünf Dinge aufgeschrieben, die ich gerne vorher gewusst hätte.

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Wie feiert man eigentlich seine Erfolge?

Photo by Analise Benevides on Unsplash.

Vor ein paar Wochen an einem Donnerstag habe ich meine Dissertation abgegeben. Vier Tage später, am Montagabend, wurde mir plötzlich klar, dass ich meinen besten Freunden noch nicht davon erzählt hatte. Ich hatte am Donnerstag eine Nachricht an meinen Mann und meine Eltern geschickt und das war das. Alle weiteren Personen, denen ich davon erzählt hatte, hatte ich sowieso getroffen und wahrheitsgemäß auf „Was gibt’s bei dir so?“ geantwortet. Ist das nicht schockierend? Ich habe mich dann gefragt, ob es nun meine persönliche Schwäche ist, dass ich Erfolge nicht so leicht genießen kann oder ob das ein typisches Problem ist. Ich hatte zwar keine Zeit für eine repräsentative Umfrage, aber da ich davon ausgehe, dass der eine oder die andere ähnlich tickt, habe ich zumindest diesen Post geschrieben.

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Thesis Bootcamp Review

Die Doktorandin und das leere Blatt. Stoff für einen düsteren Horrorthriller. Photo by Florian Klauer on Unsplash

Ich habe drei Wochen in einem selbst auferlegten Thesis Bootcamp verbracht, um an meiner Dissertation zu schreiben. Insgesamt war die Zeit ziemlich erfolgreich und ich möchte euch gerne an meiner Reflexion teilhaben lassen. Ich werde relativ konkret auf die Anforderungen in meinem Fachbereich und meine Situation eingehen aber das meiste lässt sich sicher generalisieren.

Auch wenn ihr in einem Fachbereich promoviert, in dem das Schreiben an der Dissertation Alltagsgeschäft ist, kann es Sinn machen sich zwischendurch ein paar Wochen zu nehmen, in denen man keine neuen Quellen sichtete und Orgakram liegen lässt, um sich dem tatsächlichen produzieren von (lesbarem) Text zu widmen. Ich weiß nicht mehr welcher Artikel auf Thesis Whisperer es war, aber irgendwo wurde das Argument gebracht, dass man seine Diss auch mal einfach als Schriftwerk mit 100 – 400 Seiten sehen soll, und Erfolg in Zeichen/Seiten misst anstatt in gefühltem Verständnis oder Impact. Seitenzahlen lassen sich nämlich nicht verhandeln (wenn das Layout einmal steht 😉 ), währen die Bewertung von Einsicht oder Impact unseren tagesaktuellen Gefühlen unterliegt.

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Wie schreibe ich ein gutes Résumé für eine Postdoc Stelle in den USA?

Ein Gebäude der University of Michigan. Ok, die law school. Der Rest ist aber auch ganz hübsch.

Willkommen zurück aus der Sommerpause! Wir freuen uns wieder da zu sein! Es gibt auch Neuigkeiten, dazu aber mehr in zwei Wochen (Zur Erinnerung, ab jetzt machen wir im zweiwöchigen Rhythmus weiter).  Ich hoffe ihr habt die letzten Wochen trotz Hitzewelle genossen und seid voller Vorfreude auf das neue akademische Jahr 😉

Ich habe die letzten Wochen in einem selbstauferlegten Thesis Bootcamp verbracht und es war … okay. Nebenbei habe ich mich auch mit der Frage beschäftigt, wie es für mich nach der Promotion weiter gehen soll. Da mein Verlobter (läuft mit der Fernbeziehung, Tipps siehe hier) immer noch in Detroit wohnt, war eine Postdoc Stelle an der University of Michigan eine naheliegende Option. Ich habe in den letzten Monaten jeden, der mir kompetent erschien, nach Tipps für einen amerikanischen Lebenslauf gefragt und diese Tipps und meine Erfahrungen möchte ich heute mit euch teilen.

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Lieblinge, 5

Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Lieblinge. Ich schreibe diesen Blogpost gerade ganz klischeemäßig im Starbucks in Münster. Das liegt nicht daran, dass ich so gerne Iced Vanilla Lattes trinke (obwohl das eines meiner guilty pleasures ist), sondern daran, dass es so unglaublich heiß ist.

Daher steigen wir aus gegebenem Anlass gleich ein mit zwei Tipps gegen die Hitze. Erstens parkt euer Fahrrad nicht in der Sonne. Insbesondere nicht, wenn es einen schwarzen Sattel hat. Zweitens, wie ihr sicher wisst kühlt kaltes Wasser ganz gut. Mutige füllen einfach den Büromülleimer mit kaltem Wasser und stecken ihre Füße hinein. Wem das zu auffällig ist, ein Taschentuch kalt befeuchten und in den Nacken legen hilft auch ganz gut und ist ziemlich unauffällig.

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Wie, wo und wann schreibt man eigentlich eine empirische Doktorarbeit? Ein paar praktische Aspekte.

Auch ein wichtiger Tipp: irgendwann muss man anfangen und sich damit anfreunden, dass der erste Entwurf von fast allem katastrophal ist.

Nachdem man sich durch Jahre der Datenakquisition (zu den Freuden und Leiden einer experimentellen Diss, siehe hier), -verarbeitung und -analyse gekämpft hat, steht nur noch ein winziges Detail zum Abschluss der Dissertation vor einem: das tatsächliche Schreiben eben dieser.

Ich habe diesen Prozess gerade begonnen und habe definitiv mehr Fragen als Antworten. Aber vielleicht ist es für die Eine oder den Anderen hilfreich von meinen Versuchen und Ideen zu hören. Heute geht es um die ganz praktischen Aspekte des Schreibens, also wie, wo und wann schreibe ich. Außerdem gibt es noch eine Idee, sich der Struktur seiner Diss zu nähern.

Falls ihr mit der Diss schon fast fertig seid, hier hat Ulrike darüber geschrieben, wie man einen guten Schlussteil verfasst. Und für uns alle gibt es hier einen Pep-talk von Ulrike, dass wir das wirklich auch schaffen können.

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Was hat es mit wissenschaftlichen Postern auf sich?

Nicht solche Poster …. Foto: Unsplash

Letzte Woche war ich auf der ISMRM, der internationalen Konferenz für MRT in klinischen und präklinischen Anwendungen. Die ISMRM ist eine ziemlich große Konferenz mit etwa 5500 Teilnehmer und fand dieses Jahr in Montreal statt. Ein hoch auf den Uni-Jetset!

Anlass diese Posts ist aber nicht der Glamour-Faktor einer Konferenz, sondern die Basis: Posterbeiträge. Für alle nicht-Wissenschaftler klingt es immer etwas schräg, wenn man ein Poster für eine Konferenz macht. Die meisten wissenschaftlichen Poster kommen aber ganz ohne den Einsatz von Kleber und Schere aus. Tatsächlich hat die ISMRM in diesem Jahr etwas gewagt, was ich noch auf keiner Konferenz gesehen habe: es gab keine traditionellen Papierposter mehr, sondern nur noch digitale.

Das Schöne an Posterpräsentationen ist, das man ganz direkten mit interessierten Wissenschaftlern ins Gespräch kommt. Man hält weniger einen Monolog, sondern unterhält sich über seine Forschung. Dadurch kann man als Zuhörer viele Fragen stellen und über die Dinge, die einen besonders interessieren, mehr hören. Als Vorstellender bekommt man sehr direktes Feedback und oft auch gute Ideen, was man noch mit den Daten oder der Methode machen kann. Außerdem ist es für die meisten viel entspannter sich am Poster mit zwei bis drei Menschen gleichzeitig zu unterhalten anstatt vor hundert Menschen einen Vortrag zu halten.

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Was dich bei einer experimentellen Doktorarbeit erwartet

Foto: unsplash

In den meisten Naturwissenschaften ist eine experimentelle Arbeit der Standard. Das heißt du musst die Daten auf denen deine Arbeit basieren soll, erst noch generieren. Es gibt vielleicht schon eine Hypothese oder Vorarbeiten oder einen experimentellen Setup aber du wirst noch (eine Menge) Experimente durchführen müssen.

Das Experiment ist der heilige Gral der Wissenschaft. Es kann wunderschöne Theoriegebäude abreißen und völlig neue Richtungen vorgeben. Das klingt großartig. Aber was erwartet dich wirklich in einer experimentellen Doktorarbeit? Mit Tipps für ein vernünftiges Laborbuch 😉

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