Kulturschock USA Teil 1 – Es ist nicht alles schlechter in den USA

Das ist die Straße vor unserer Wohnung. Vierspurig, wie fast alle Straßen hier.

Seit ziemlich genau vier Wochen lebe ich in der Nähe von Detroit, Michigan in den USA. Ich bin also sicherlich keine Expertin für die Kultur der USA oder das Leben hier. Trotzdem möchte ich euch in dieser kurzen Serie an meinen ersten Kulturschock-Erfahrungen in Amiland teilhaben lassen. Die USA sind insbesondere für Wissenschaftler ein beliebtes Arbeitsland. Kein Wunder: diese Auswahl an exzellenten Universitäten findet man nirgendwo sonst.

Nun muss ich zugeben, dass ich der Universität schon den Rücken gekehrt habe und es hier daher nicht um die Universitätslandschaft gehen wird. Dazu könnt ihr aber hier erfahren wie ihr eure Diss in den USA veröffentlicht oder euch hier über den College Admission Skandal informieren. Hier findet ihr meine Erfahrungen zur Suche nach einer Postdoc Stelle (als ich noch nicht sicher war, dass ich keinen Postdoc machen möchte).

Im ersten Teil dieser Serie geht es um den klassischen Kulturschock und die kaum versteckte Arroganz der Deutschen gegenüber den Amerikanern.

Disclaimer: USA ist nicht gleich USA

Die verschiedenen Bundestaaten bieten ein riesiges Spektrum an Klima, Natur, politischer Einstellung, Reichtum, religiöser Prägung und kultureller Vielfalt. Meine Erfahrungen beschränken sich auf die Metropolregion Detroit in Michigan. Michigan ist ein sogenannter Swing-State, der nicht eindeutig republikanisch (wie Texas) oder demokratisch (wie Kalifornien) ist. Das heißt hier wird wesentlich weniger und vorsichtiger über Politik gesprochen, da man nicht weiß was der Nachbar wählt. Detroit hat knapp 700 000 Einwohner und die Metropolregion etwa 4,3 Millionen.

Detroit hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In den 1920er Jahren war Detroit eine der reichsten und größten Städte der USA, einige wunderschöne Art déco Wolkenkratzer stammen aus dieser Zeit. Damals war die Automobilindustrie wahnsinnig erfolgreich und die Stadt erlebte einen Boom. Ab den 1960er Jahren ging es Detroit immer schlechter. Die Bevölkerung verarmte und zog weg. Insbesondere die weiße Mittelschicht zog in die Vororte, während die ärmere schwarze Bevölkerung in der Stadt zurückblieb (Detroit hat eine mehrheitlich schwarze Bevölkerung, 2010 waren 72 % der Bewohner Afroamerikaner). 2013 meldete Detroit Insolvenz an, damals lebten etwas 30 % der Bewohner in Armut und die Kriminalitätsrate war eine der höchsten in den USA. Seitdem erlebt die Stadt eine Renaissance. Die ist vor allem der besseren wirtschaftlichen Lage zu verdanken, aber es wurden sicher auch gute politische Entscheidungen für einen Strukturwandel getroffen. Außerdem gibt es einige reiche Bürger, die der Stadt leerstehende Gebäude abgekauft haben.

Trotzdem ist die Gegend geprägt von dieser Zeit. Für mich, wie für die meisten (weißen, heterosexuellen, cisgender) Deutschen ist vor allem die Einteilung in sichere und gefährliche Gegenden der Stadt völlig unbekannt.

Kulturschock heißt die eigene Blase (zumindest in kleinen Teilen) zu erkennen 

Man könnte meinen, dass die Dinge in den USA gar nicht so anders sind. Ein weiteres westliches Land mit einer Sprache, die man gut spricht und die Popkultur kennt man doch sicher von Netflix. Aber selbst hier, wird einem die eigene kulturelle Arroganz deutlich. Einen prägenden Moment hatte ich noch in Deutschland, da habe ich an einem Workshop mit eben dem Thema „Culture Clash USA“ der Uni Münster teilgenommen. Da sagte die Trainerin zu uns: „Ich glaube eine der großartigsten Sachen, die ihr in den USA erfahren werdet, ist wie es ist eine entspannte Beziehung zum Judentum zu haben.“. Meint ihr ich hätte bis zu diesem Moment mal über meine Beziehung zum Judentum nachgedacht? Nicht wirklich und ich fürchte hoffe es werden noch einige meiner blinde Flecken aufgedeckt.

Die Menschen sind viel freundlicher und höflicher als in Deutschland (alle, nicht nur die, die dafür Trinkgeld bekommen)

Mir war gar nicht bewusst wie unfreundlich die Deutschen im Alltag sind und wie wenig man von seinen Mitmenschen war genommen wird. Jemandem die Tür aufzuhalten oder ein Kompliment zu machen ist hier völlig normal und es macht den Alltag wirklich angenehmer. Ich sehe sogar die positiven Aspekte des Small Talks (hier könnt ihr ein paar Tipps für Small Talk auf Konferenzen nachlesen, wenn euch das – wie mir – so gar nicht liegt). Ganz persönlich, ist es für mich eine gute Übung mit ganz verschiedenen Leuten zu sprechen, um mein Alltagsenglisch und vor allem meine Fähigkeit verschiedene Dialekte zu verstehen zu verbessern. Außerdem fällt mir auch bei anderen Veranstaltungen auf, dass die Amerikaner einfach geübter darin sind sich nett zu unterhalten. Manchmal bleibt das Gespräch oberflächlich, weil man feststellt, dass man nicht so recht auf einer Wellenlänge ist. In anderen Fällen aber entwickeln sich spannende Gespräche. Vielleicht übt man mit dieser Small Talk Kultur sogar die Einstellung, dass alle Menschen, die man trifft, interessant sind.

Der Kosmos Supermarkt

Die allermeisten neuen, ungewohnten, überraschenden und fantastischen Dinge fallen mir im Supermarkt auf. Der Supermarkt ist einfach eine zentrale Instanz des Alltags. Prinzipiell gibt es in den USA einige große Ketten, die sich ein bisschen von Staat zu Staat unterschieden. Zum Beispiel Walmart, Target, Trader Joes, Whole Foods, Kroger, Meijers oder Aldi (ja, das deutsche Aldi – ich war leider noch nicht drin). Es gibt aber auch viele unabhängige Supermärkte, wobei die häufig etwas teurer sind. Mein liebster Supermarkt ist Whole Foods, das ist der schicke Biosupermarkt. Target ist auch sehr wichtig, denn da gibt es alles – Klamotten, Drogerie, Elektronik, Geschirr, Möbel und eben auch Lebensmittel.

Fangen wir mit den negativen Klischees an, die leider bestätigt werden.

Plastikvermeidung ist kein Thema – Alles Obst und Gemüse wird in Plastik gepackt. Teilweise muss das auch, da Salate und anderes Grünzeug hier regelmäßig mit Wasser besprüht werden (um frischer auszusehen und vielleicht auch zu bleiben). Legt man den Salat also so auf Band ist das Band nass und dreckig und muss vom Kassierer abgewischt werden. An der Kasse wird alles ganz selbstverständlich vom Kassierer oder zusätzlichem Personal in Taschen gepackt. Die nutzen natürlich auch unnötig viele Taschen, damit es schneller geht. Ich bringe immer meine eigene Tasche mit, was in manchen Läden honoriert wird (mit 10 Cent Rabatt und einem netten Kommentar vom Kassierer) und in manchen Läden zu großer Verwirrung führt.

Es gibt super viel Convenience Food – Okay, das ist nicht nur negativ. Ich habe das Sortiment an fertigem Mac and Cheese noch nicht getestet, aber ein Foto gemacht.

Lebensmittel sind wesentlich teurer, vor allem Milchprodukte – Auch das ist nicht nur negativ. In Deutschland sind meiner Meinung nach viele Lebensmittel auch zu billig. Hier kostet ein Liter Biomilch umgerechnet 2,30 € und eine Packung Käse mit 10 Scheiben 3,50 €. Pflanzliche Milch hingegen ist hier eher günstiger. Schokolade ist auch wahnsinnig teuer. Lindt ist hier eine günstige Marke. Bei Obst, Gemüse, Reis, Nudeln, Brot und so sind die Preisunterschiede nicht ganz so deutlich.

Aber dann gibt es auch eine Menge schöner Überraschungen!

Leafy Greens – Leafy greens sind grüne Gemüse wie Spinat und Grünkohl. Hier gibt es aber noch eine viel größere Auswahl. Viele Sorten kannte ich gar nicht, andere gibt es bei uns selten im Supermarkt (Mangold zum Beispiel). Leafy greens sind einer meiner neuen Favoriten.

Es gibt eine großartige Auswahl an asiatischen und mexikanischen Lebensmitteln – So viel zu entdecken!

Cookies und Muffins sind hier einfach besser – Selbst in der Supermarktbäckerei!

Falls ihr jetzt Lust auf Cookies habt, backt doch diese und überlegt ob die USA vielleicht auf eure Liste für mögliche Postdoc-Abenteuer kommt. Ich bin gespannt wie diese Serie weiter gehen wird.

One thought on “Kulturschock USA Teil 1 – Es ist nicht alles schlechter in den USA”

  1. I wish I lived closer to a Whole Foods! You have access to the best in the state.
    Once I learned Aldi was German, it made sense… it is too efficient to have been USA born

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