Was verdienen Doktoranden?

Die Corona-Krise hat uns weiterhin fest im Griff und ein Thema, das immer mehr Raum einnimmt, ist die wirtschaftliche Krise die damit einhergeht. In einer Rezession bekommt die Frage „Wie finanziere ich eigentlich meine Doktorarbeit?“ für Viele ein stärkeres Gewicht.

In einer schwierigen wirtschaftlichen Situation entscheiden sich einige vielleicht sogar eher für eine Promotion, da die Jobsuche außerhalb der Uni schwierig ist und eine Promotion vielleicht die eigenen Chancen erhöht. Eine Promotion anzufangen, weil man keinen anderen Job findet kann aber auch richtig schief gehen. Vor allem, weil man sich in ein Projekt stürzt, das extrem anspruchsvoll ist aber nicht das was man eigentlich wollte. Zur Frage „Soll ich promovieren oder nicht?“ findet ihr hier mehr.

Zur Frage ob sich eine Doktorarbeit finanziell lohnt habe ich zwei relativ aktuelle Artikel (beide von 2019) gefunden. Einmal hier vom FAZ Schulportal und einmal hier von der Agentur „Text und Wissenschaft“.

In diesem Beitrag habe ich euch heute die wichtigsten Infos zum Thema „Was verdienen Doktoranden?“ zusammengetragen: The Good, the Bad and the Ugly – drei Modelle um eine Doktorarbeit zu finanzieren

The Ugly: Du finanzierst dich über einen Nebenjob selbst

Natürlich ist es möglich ohne offizielle finanzielle Unterstützung zu promovieren. Du könntest tagsüber an deiner Diss arbeiten und nachts hinter dem Tresen stehen. Mir fallen wirklich nicht viele Vorteile zu dieser Art der Finanzierung ein. Vielleicht diese: man muss keine zusätzlichen Arbeiten für den Doktorvater oder die Doktormutter erledigen (wie beim Stipendium), man macht Erfahrungen außerhalb des Unikosmos und man kann sich seine Promotionszeit völlig frei einteilen, da man weder durch einen Arbeitgeber noch die zeitliche Beschränkung eines Stipendiums eingeengt wird.

Die Nachteile überwiegen meiner Meinung nach aber deutlich. Zum einen ist es schwierig einen Job zu finden, der den Lebensunterhalt sichert und dabei nicht zu viele mentale, emotionale und zeitliche Kapazitäten frisst. Dann muss man in einem so freien Konzept ohne natürliches Ablaufdatum sehr selbstdiszipliniert und organisiert sein. Außerdem: Wenn es für das Thema keinerlei finanzielle Unterstützung gibt, was sagt das über seine Relevanz? Und wie ernst nimmt einen der Doktorvater oder die Doktormutter, wenn man einen Großteil seiner Zeit außerhalb der Uni verbringt?

Lediglich, wenn Job und Promotion sich gut ergänzen, kann eine freie Promotion eine tolle Möglichkeit sein. Diesen Fall gibt es häufig für ältere Promovenden. Jemand der schon Jahre als Pfarrer arbeitet entschließt sich vielleicht seine Arbeitszeit zu reduzieren und diese Zeit für eine Promotion in Theologie oder Philosophie zu nutzen. Oder jemand mit einer eigenen Arztpraxis hat ein innovatives Produkt oder eine interessante Patientenkohorte und verfasst darüber ihre Dissertation.

The Bad: Du hast ein Stipendium

Ein Stipendium ist eine sehr beliebte Art sich während der Doktorarbeit zu finanzieren. Typischerweise bekommen Promotionsstudenten zwischen 1150 € und 1450 € im Monat. Meist bekommt man zunächst ein Stipendium über zwei Jahre, das dann nochmal um ein Jahr verlängert wird.

Die Finanzierung über ein Stipendium hat den Vorteil, das man all seine Zeit für die Dissertation verwenden kann und nicht noch am Lehrstuhl arbeiten muss. Das kann aber auch eine echte Herausforderung sein, wie ihr hier nachlesen könnt.

Die Nachteile sind vor allem finanziell. Promotionsstipendien müssen in aller Regel nicht versteuert werden. Geregelt ist das in § 3 Nr 44 des Einkommenststeuergesetzes (EstG) und es gilt: Stipendien, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, nur die Lebenserhaltungskosten decken und bei denen keine bestimmte wissenschaftliche/ künstlerische oder arbeitnehmerähnliche Gegenleistungen erwartet wird, sind steuerfrei.

Allerdings muss man von seinem Stipendium noch den Krankenkassenbeitrag zahlen, das sind aktuell 14,6 % des Einkommens oder mindestens 155 € (variiert ein bisschen von Krankenkasse zu Krankenkasse) wenn das Einkommen unter 1062 € liegt. Wie genau Krankenkasse das Stipendium als Gehalt anrechnen ist ziemlich undurchsichtig. Oft gilt das „Büchergeld“ oder „Forschungsgeld“ eines Stipendiums, meist 100 €, nicht als Gehalt, der Rest aber schon, wenn nur das Stipendium zur Berechnung des Krankenkassenbeitrag herangezogen werden kann. Der studentische Beitrag von 75 € gilt für Promotionsstudenten jedenfalls nicht.

Wenn man Verheiratet ist und die Ehepartnerin/ der Ehepartner in der gesetzlichen Krankenversicherung ist, kann man darüber familienversichert sein, in diesem Fall sehen Krankenkassen Stipendien nicht als Gehalt an. Das steht für die TK zum Beispiel hier. Vorsicht ist geboten, wenn man verheiratet ist und die Partnerin oder der Partner nicht in die gesetzliche Krankenkasse einzahlt (weil sie oder er privat versichert ist). Wenn man selbst weniger als 2344 € Brutto verdient, wird ein Familieneinkommen aus dem Gehalt beider Partner berechnet und darauf die 14,6 % angewendet. Das Familiengehalt wird aber maximal als 2343,75 € angesehen (auch wenn es darüber liegt, man muss dann maximal 342 € an die Krankenkasse zahlen). Auch hier gilt: Die Krankenkassen sehen ein Stipendium nicht als Gehalt an, das heißt das Familiengehalt ist das Gehalt deiner Partnerin/ deines Partners.

Die meisten Promotionsstudenten zahlen also einen relativ geringen Krankenkassenbeitrag von etwa 170 € (14,6 % von 1150 € aufgerundet). Bei einem 1150 € Stipendium bleiben einem dann noch 980 € zum Leben. Das ist in den meisten deutschen Studentenstädte nicht viel.

Wichtiger noch ist der Aspekt, dass du nach einem Stipendium in aller Regel kein Anrecht auf Arbeitslosengeld I hast (ALG I), da du nicht in den letzten 30 Monaten vor Arbeitslosmeldung mindestens 12 Monate versicherungspflichtig angestellt warst (hier zum Nachlesen auf der Website der Bundesagentur für Arbeit).

In aller Regel ist ein Stipendium finanziell nachteilig im Vergleich zu einer Anstellung. Dafür ist man aber eben auch nicht verpflichtet am Lehrstuhl zu arbeiten oder in irgendeinem Büro aufzutauchen. Das kann Vorteil und Nachteil sein. Je nachdem wie das Stipendium und die Promotion organisiert sind, muss man mehr oder weniger Eigeninitiative zeigen, um am Lehrstuhl angebunden zu sein und seine Doktormutter oder seinen Doktorvater regelmäßig zu sprechen.

The Good: Du bist an der Uni/ dem Graduiertenkolleg/ dem Forschungsinstitut mit mindestens 50 % angestellt

Im Idealfall bist du über eine Drittmittelstelle oder Haushaltsstelle an der Universität angestellt. Dann wirst du nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder bezahlt (TV-L, außer du bist in Hessen, da gilt der Hessentarif TV-H). Doktoranden und auch Postdocs werden nach Entgeltgruppe 13 (E13) bezahlt. Ohne Arbeitserfahrung im öffentlichen Dienst beginnt man in Stufe 1 (für 2020: 4002,26 TV-L oder 3842,21 € TV-H jeweils Brutto) mit der Arbeitserfahrung steigt man in den Stufen auf und bekommt mehr Gehalt. Nach einem Jahr kommt man in Stufe 2 mit insgesamt 3 Jahren Erfahrung in Stufe 3 und mit 6 Jahren Erfahrung in Stufe 4.

Entscheidend ist aber vor allem ob und was für eine Teilzeitstelle man hat, also 50 %, 65 % oder 75 %. Mehr als 75 % sind für Doktoranden sehr ungewöhnlich. An den meisten Universitäten ist 50 % Standard. Graduiertenkollegs oder Unis mit Exzellenz Cluster zahlen oft etwa mehr mit 65 %. Eine 50 % Stelle sind Netto in Stufe 1 etwa 1370 € (keine Kirchensteuer, Steuerklasse 1, keine Kinder) und dann in Stufe 3 etwa 1520 €. Außerdem bist du in der gesetzlichen Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Nach Ablauf deines Vertrags hast du Anspruch auf ALG 1, das sind 60 % deines vorherigen Nettoeinkommens. Wichtig: Wenn man selbst kündigt oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, ist man für drei Monate für ALG 1 gesperrt.

Auch wenn es im Prinzip zahllose Wege gibt seine Dissertation zu finanzieren, sind ein Stipendium oder eine Anstellung in der Regel die beste Wahl. Die meisten Doktoranden verdienen damit zwischen 1000 € (Stipendium) und 1700 € (65 % Stelle, Stufe 1) nach Steuern beziehungsweise Krankenkassenbeitrag.

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