Ich hasse unsere Liebe auf Distanz

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Ich mochte Revolverheld noch nie aber ihren Song „Liebe auf Distanz“ finde ich besonders ätzend. Wer will das hören? Für wen ist diese Lied? Ich bin ziemlich sicher, dass jeder, der sich in einer Fernbeziehung befindet, umschaltet sobald es im Radio kommt. Ich zum Beispiel.

Das Thema Fernbeziehung ist so sehr ein Wissenschaftlerthema, dass es auf englischen Uniblogs sogar einen Begriff dafür gibt: the two-body problem. Das soll ein mittelmäßig witziges Wortspiel auf das Dreikörperproblem der Physik sein. Dabei geht es darum die Bahnen dreier Himmelkörper, die sich gegenseitig anziehen, zu berechnen. Wie auch immer.

Mit dem Zweikörperproblem ist speziell gemeint, dass zwei Menschen, die sich in einer romantischen Beziehung befinden und beide im wissenschaftlichen Betrieb arbeiten wollen, kein leichtes Los haben. Eine wissenschaftliche Karriere erfordert, dass man da hin zieht wo die Arbeit ist und zwei gute wissenschaftliche Stellen in Pendelweite zu finden ist schon in Europa schwierig, in den USA quasi unmöglich.

Natürlich ist diese Problem nicht einzigartig für wissenschaftliche Karrieren. Tendenziell ziehen wir häufiger um, um Studienplätze, Promotionsstellen oder Jobs anzunehmen, dabei ist manchmal eine Fernbeziehung die Folge.

Mein Freund und ich führen seit etwa einem Jahr eine Fernbeziehung zwischen Detroit und Münster. Genau, Detroit in den USA. Die schnellste Verbindung von Düsseldorf nach Detroit braucht 12 Stunden. Das verrückte ist: Ich glaube wir machen das ziemlich gut. Falls ihr also an Gedanken und Tipps zum Thema Fernbeziehung interessiert seid, lest hier weiter.

Man braucht einen gemeinsamen Plan für die Zukunft

Das Wichtigste zuerst. Trotz glamourösem Jetset (haha) sind Fernbeziehungen für die allermeisten Menschen nicht so großartig und sollten möglichst bald beendet werden. Daher: ein Plan muss her.  Im Podcast „Eine Stunde Liebe“ von Deutschlandfunk Nova, habe ich vor einiger Zeit einen Paartherapeuten gehört. Der sagte, das Wichtigste für eine Beziehung ist nicht die gemeinsame Vergangenheit, noch weniger die aktuelle Gegenwart, sondern die gemeinsame Zukunft.

Das würde ich, insbesondere für Fernbeziehungen, komplett unterschreiben. Es ist wichtig, dass beide Partner ein gemeinsames Ziel für die Partnerschaft haben. Ich glaube, dass ist immer wichtig aber in einer Fernbeziehung wird es noch viel wichtiger. Eine Fernbeziehung mit der Aussage „Naja, wir gucken mal.“ zu führen kann nur schief gehen. Dann ist nur mindestens Einer zu feige, um Schluss zu machen.

Lerne das Telefon zu lieben

Man kann leider nichts daran ändern, dass körperliche Nähe in einer Fernbeziehung fehlt. Das ist ätzend aber nicht überraschen. Intimität sollte es aber trotzdem geben. Während die normalerweise so ganz nebenbei entsteht während man Zeit miteinander verbringt, Hand in Hand durch die Stadt geht und auf dem Sofa rumknutscht, erfordert sie in einer Fernbeziehung mehr Bewusstsein und fast genauso viel Zeit.

Mit Whatsapp, Skype oder Wechat kann man in den meisten Regionen der Welt kostengünstig und stabil (video)telefonieren, das muss man aber auch tun. Wenn man in der Woche nur abends fünfzehn Minuten miteinander spricht, lebt man sich natürlich auseinander. Es ist wichtig die Zeit mit dem Partner zu priorisieren, auch wenn es anstrengend ist. Manchmal muss man ein bisschen kreativ werden, um z.B. mit der Zeitverschiebung umzugehen.

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Oft werde ich gefragt worüber man sich denn die ganze Zeit unterhalten soll. Das ist eine berechtigte Frage. Wenn man auch mal ein paar Stunden miteinander verbringen will, ist es anstrengend das Gespräch nur so aus sich zu generieren. Es ist eben schön, etwas gemeinsam zu machen und darüber zu reden. Das klassische Date lässt sich in der Fernbeziehung etwas schwieriger durchführen, ist aber keinesfalls unmöglich.

Unser liebstes Date ist gemeinsam zu kochen. Durch die Zeitverschiebung ist es dann bei mir das Abend- und bei ihm das Mittagessen. Wir beide bauen unsere Laptops in der Küche auf und skypen, während wir das gleiche Gericht kochen. Es ist eine witzige Mischung aus interaktiver Kochshow und Telefondate. Manchmal vereinbaren wir auch nur, uns beide einen Schokokuchen und Eis für das Telefonat zu kaufen. Wir haben auch via Skype zusammen Yoga gemacht, Scrabble gespielt oder ein Bad genommen.

Man könnte auch gemeinsam einen Film schauen oder Podcast hören, wobei ich das etwas wenig aktiv finde.

Wichtig finde ich, auch für die Vorfreude, sich tatsächlich wie für ein Date fertig zu machen. Also sich schick anziehen, die Wohnung/Küche aufräumen und ein paar Kerzen anzünden zum Beispiel. Wobei einer der Vorteile von Skype-Dates ist, dass man zum schicken Kleid statt hohen Schuhen genauso gut Wollsocken tragen kann.

Man muss auch schwierige Themen am Telefon besprechen

Wann und wie man in einer Beziehung Dinge anspricht, die einen ärgern, ist eine Kunst für sich und ich möchte nicht behaupten sie besonders gut zu beherrschen. Wenn man aber drei Wochen lang nicht erwähnt, dass es einen stört, wenn der Partner im Auto mit einem telefoniert und dann komplett ausflippt, ist das sicher nicht optimal. Gerechtfertigt schon, aber nicht hilfreich.

Vielleicht hast du dir auch überlegt, dass du doch lieber einen Postdoc in München machen möchtest, anstatt bei einem Startup in Berlin anzufangen, obwohl deine Partnerin super gerne nach Berlin möchte.

Tja, die Ausrede „das möchte ich nicht am Telefon besprechen“ gilt in Fernbeziehungen nicht.

Man kann sich sehr gut kennen lernen

Während man in Fernbeziehungen manchmal unangenehm von Alltagsdetails überrascht wird (Wie du trinkst deinen Kaffee jetzt schwarz? Wer bist du?), redet man naturgemäß mehr über Ideen, Vorstellungen, Träume und Ziele und lernt den anderen dadurch durchaus sehr gut kennen.

Außerdem erzwingt die Fernbeziehung viel mehr Reden über die Beziehung. Dieses soul-searching kann anstrengend sein aber auch sehr belohnend.

Konkrete Tipps

Zuletzt noch ein paar konkrete, erprobte Ideen, um die Fernbeziehung erträglicher zu gestalten.

  • Schreibe Liebesbriefe. Falls du dachtest, es wäre schwierig eine Dissertation zu schreiben, versuch dich mal an einem Liebesbrief. Wieso klingen die Gedanken in meinem Kopf so viel besser als auf Papier?  Trotzdem, es gibt nichts schöneres als Liebesbriefe zu bekommen.
  • Schicke kleine Aufmerksamkeiten. Falls das Porto in dein Zielland sehr teuer ist, ist es oft günstiger die Dinge online zu bestellen und vom Onlineversand verschicken zu lassen.
  • Besucht euch regelmäßig. Klar, es ist aufwändig und teuer und Urlaubstage sind plötzlich ein extrem knappes Gut aber es ist super wichtig sich auch regelmäßig zu sehen. Wir schaffen das etwa alle zwei Monate.
  • Macht Dinge im Alltag getrennt gemeinsam. Zum Beispiel das gleiche Buch lesen oder die gleiche Serie schauen.

Habt ihr noch Tipps und Ratschläge zum Thema Fernbeziehung? Wir sind sehr interessiert!

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