Was dich bei einer experimentellen Doktorarbeit erwartet

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In den meisten Naturwissenschaften ist eine experimentelle Arbeit der Standard. Das heißt du musst die Daten auf denen deine Arbeit basieren soll, erst noch generieren. Es gibt vielleicht schon eine Hypothese oder Vorarbeiten oder einen experimentellen Setup aber du wirst noch (eine Menge) Experimente durchführen müssen.

Das Experiment ist der heilige Gral der Wissenschaft. Es kann wunderschöne Theoriegebäude abreißen und völlig neue Richtungen vorgeben. Das klingt großartig. Aber was erwartet dich wirklich in einer experimentellen Doktorarbeit? Mit Tipps für ein vernünftiges Laborbuch 😉

Labore sehen leider nicht so schick/futuristisch/sauber aus wie im Fernsehen

Dafür brechen auch wesentlich seltener tödliche Epidemien aus. Oder werden Labore überfallen, um waffenfähige Materialien zu stehlen. Oder mutieren Versuchstiere derart, dass sie sich zusammenrotten und eine Rebellion anzetteln.

Außerdem sind Labore immer dreckig. Das liegt daran, dass das Putzpersonal aus Sicherheitsgründen in viele Labore nicht reindarf. Vielleicht auch daran, dass niemand unbedacht in der Nähe von millionenschweren Geräten mit einem Wischer hantieren soll. Jedenfalls sind in den meisten Laboren die Wissenschaftler fürs putzen zuständig und wart ihr schon einmal in einer sauberen 12er-WG? Nee, eben.

Trotzdem entwickeln die meisten Doktoranden im Laufe ihrer Doktorarbeit eine gewisse Liebe für ihren Setup. Wenn man sich erst einmal eine Weile damit vertraut gemacht hat, gewinnt man auch dem ominösen Kabelsalat und dem fensterlosen Raum etwas ab.

Murphy’s law im Labor: Das erste Experiment funktioniert immer. Die nächsten 3-3256 eher nicht

Was man vor Allem lernt bei einer experimentellen Arbeit: Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz.

Laborbuch führen

Es ist wirklich wichtig sein Laborbuch sauber zu führen. Insbesondere, falls du jemals ein Patent anmelden möchtest und nachweisen musst, dass du zuerst den entscheidenden Gedanken hattest. Aber auch beim Schreiben eines Papers oder später der Diss ist ein ordentliches Laborbuch ein Segen. Außerdem ist es bei einigen Arbeiten gesetzlich erforderlich.

Für jedes Experiment sollte es einen Eintrag im Laborbuch geben. Daraus muss hervor gehen was du genau gemacht hast und wo die Daten zum Experiment zu finden sind. Wichtig ist, dass man alles ausführlich beschreibt. In dem Moment wo du das Experiment durchführst weißt du natürlich was das Standard-Prozedere ist und wo du warum vom Standard abweichst. In zwei Jahren weißt du das aber nicht mehr. Daher schreibe alle Einstellungen auf, auch wenn die am Tag zuvor genauso waren. Wenn du andere Einstellungen nutzt, schreibe dazu warum. Wenn du ein paar Sachen durchprobierst, dann schreib einfach das dazu.

Prinzipiell werden Laborbücher mit Kugelschreiber oder Tinte geführt, nicht mit Bleistift. Wenn du etwas korrigierst ist es guter Stil, das Falsche so durchzustreichen, dass es noch lesbar ist. Wenn du am nächsten Tag etwas nachträgst, solltest du den Nachtrag mit dem Wort „Nachtrag“ und dem Datum kennzeichnen.

Wichtig ist auch, dass ein Laborbuch kein Tagebuch ist. Es gehört nicht dir, sondern der Universität und muss insbesondere für gentechnische Tätigkeiten eine bestimmte Anzahl von Jahren aufbewahrt werden.

Technische Details

Wenn du eine experimentelle Arbeit machen möchtest, wirst du nicht darum herumkommen, dich mit den technischen Details zu beschäftigen. Selbst wenn ein ordentlicher Setup schon existiert, wird irgendwann etwas kaputt gehen und du musst es reparieren. Ein Buch über Datenakquisition wäre sicher hilfreich. Ein paar Elektrotechnikgrundlagen auch. Selbst wenn du definiert nicht die Person bist, die sich mit den technischen Problemen auseinander setzten muss, solltest du ein paar Basics kennen. Zum Beispiel was für ein Signal euer Detektor ausgibt und wie es schon verarbeitet/gefiltert wird bist du es auf deinem Bildschirm siehst.

Menschliche Details

In einem Labor zu arbeiten bedeutet in aller Regel eng mit Anderen zusammen zu arbeiten. Zum Beispiel mit dem Kollegen, der nie die Arbeitsflächen abwischt. Oder der Kollegin, die das Werkzeug immer in die falsche Schublade tut. Warum fehlen eigentlich immer Handschuhe/ Schläuche/ Klebeband/ diese kleinen Adapterdinger? Und wer hat es gewagt an meinem Setup rumzujustieren?

In einigen Laboren ist „passiv-aggressiv“ die Standardsprache. Wenn in einem Labor schon hauptsächlich über Notizzettel kommuniziert wird, sollte man sich überlegen ob man aus der Nummer nicht noch irgendwie rauskommt. So eng in einem Team zu arbeiten, dass sich im besten Fall ignoriert und im schlimmsten Fall mutwillig Dinge von Anderen zerstört, ist wirklich nicht schön.

Was aber kann man tun, um da gar nicht erst hinzukommen? Es ist völlig normal, dass es mal zu Missverständnissen kommt und man sich mal über Kollegen ärgert. Jeder macht mal Fehler und wichtiges Equipment liegt wirklich am falschen Platz oder ist nicht ausreichend gesäubert oder geschützt gelagert. Wichtig ist, dabei nicht gleich bösen Willen zu unterstellen. Wir führen zum Beispiel ein Logbuch, wer wann am Setup war. Wenn ich darin sehe, dass die Kollegin vor mir bis drei Uhr nachts gemessen hat und dann nicht mehr alle Sachen ordentlich weggeräumt hat, würde ich mich einfach gar nicht beschweren, sondern es selbst schnell aufräumen. Ansonsten halte ich es prinzipiell für eine gute Strategie das Problem zu beheben und, wenn es mehrfach vorkam, dann der betreffenden Person kurz Bescheid sagen, dass xy nicht richtig sauber war und du es jetzt aber gereinigt hast.

Wenn dir das jemand sagt, sag einfach sorry und danke. Natürlich kann es auch vorkommen, dass dein Kollege die Proben nach Alphabet sortiert haben möchte während du es sinnvoller findest sie nach Datum zu sortieren. Wenn ihr euch nicht einigen könnt, und es für dich keine völlige Katastrophe ist deinem Kollegen zu folgen, würde ich bei sowas einfach nachgeben. Wichtig ist, nicht einen Kleinkrieg anzuzetteln, in dem jeder macht was er für richtig hält, sodass die Proben am Ende gar nicht sortiert sind.

Auch das Prinzip der positiven Aufräumbilanz ist nützlich. Das heißt, man räumt einfach immer etwas mehr auf, als man benutzt hat. So wird immer ausgeglichen, wenn jemand mal etwas vergessen hat und es erzeugt auch eine positive Atmosphäre. Auch lässt sich in Laboren sehr gut das „broken windows“ Phänomen beobachten. Wenn erst mal schlampig gearbeitet wurde, hat der Nächste auch keine Lust es ordentlich zu machen. Daher lohnt es sich für penible Ordnung zu sorgen, sodass sich jeder verpflichtet fühlt. Eine Kiste zu machen auf der steht „Franziska’s stuff. Do not touch!!!!!“ sollte jedenfalls der letzte Schritt sein.

Wenn man nämlich in einem guten Team arbeitet ist das eine großartige Unterstützung. Man macht zum einen weniger Fehler, wenn noch jemand mitguckt und mitdenkt. Zum Anderen, freuen sich deine Kollegen mit über deine Erfolge und fühlen mit, wenn gar nichts klappt.

Viel Spaß im Labor!

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