Wie, wo und wann schreibt man eigentlich eine empirische Doktorarbeit? Ein paar praktische Aspekte.

Auch ein wichtiger Tipp: irgendwann muss man anfangen und sich damit anfreunden, dass der erste Entwurf von fast allem katastrophal ist.

Nachdem man sich durch Jahre der Datenakquisition (zu den Freuden und Leiden einer experimentellen Diss, siehe hier), -verarbeitung und -analyse gekämpft hat, steht nur noch ein winziges Detail zum Abschluss der Dissertation vor einem: das tatsächliche Schreiben eben dieser.

Ich habe diesen Prozess gerade begonnen und habe definitiv mehr Fragen als Antworten. Aber vielleicht ist es für die Eine oder den Anderen hilfreich von meinen Versuchen und Ideen zu hören. Heute geht es um die ganz praktischen Aspekte des Schreibens, also wie, wo und wann schreibe ich. Außerdem gibt es noch eine Idee, sich der Struktur seiner Diss zu nähern.

Falls ihr mit der Diss schon fast fertig seid, hier hat Ulrike darüber geschrieben, wie man einen guten Schlussteil verfasst. Und für uns alle gibt es hier einen Pep-talk von Ulrike, dass wir das wirklich auch schaffen können.

Bevor man anfängt zu schreiben, sollte man ein wenig über die praktischen Aspekte des Schreibens nachdenken, also das wie und das wo und das wann.

Wie?

Zwei grundlegende Entscheidungen, die man früh treffen sollte und dann auf keinen Fall mehr hinterfragen sollte sind die Sprache und das Textverarbeitungsprogramm.

Vielleicht gibt dein Prof vor, ob du auf Deutsch oder Englisch schreiben sollst oder einer deiner Gutachter spricht nur Englisch, dann brauchst du diese Entscheidung nicht treffen. Vielleicht kannst du aber auch völlig frei entscheiden. Für mich sprach für Deutsch, dass es meine Muttersprache ist und dass Selbstplagiate unwahrscheinlich sind (alle meine Paper sind auf Englisch geschrieben). Dagegen sprach, dass ich es mehr gewohnt bin meine Forschung auf Englisch vorzustellen und dass meine Grammatik- und Rechtschreibfähigkeiten nicht so toll sind. Für Englisch sprach außerdem für mich, dass ich mich nach der Promotion in den USA bewerben möchte und das Schreiben als gute Übung erachte. Für eine Postdoc-Stelle schaut vielleicht sogar mal jemand rein. Außerdem hoffe ich, dass mir sprachliche Fehler weniger angekreidet werden (und auch weniger auffallen). Ich habe mich dementsprechend für Englisch entschieden.

Bei den Textprogrammen stehen für die meisten wohl Word/Pages oder Latex zur Auswahl. Ich habe in meinem Leben noch nie ein Inhaltverzeichnis mit Word erstellt und weiß nur vom Hörensagen, dass es Formatvorlagen gibt. Ich habe mich also für Latex entschieden. Ich würde immer das nehmen, mit dem ich mich besser auskenne, auch wenn es in meinem Fach unüblich wäre. Eine Dissertation zu schreiben ist herausfordernd genug, man sollte sich nicht auch noch Stunden damit beschäftigen müssen, wie man die Seitenzahlen von links unten nach rechts unten bekommt.

Womit wir beim dritten Thema wären: Layout. Wie wir alle wissen, ist das ein Fass ohne Boden. Und ja, ich habe ungefähr zwei Tage damit zugebracht mir zu überlegen, welchen Blauton ich für die Kapitelnummern im Text haben will und den auch, soweit es ging, für meine Datenplots genommen. Das war sicherlich verschwendete Zeit, das blöde Standardblau von Matlab ist doch völlig ok. Am besten ist es wahrscheinlich, einen Blick auf die Anforderungen des Fachbereichs zu werfen und dann mal „Formatvorlage Diss“ zu googlen und einfach irgendeine auszusuchen. Es kommt nicht darauf an, ob die Seitenzahl unten links oder oben in der Mitte steht, es ist völlig egal welche Farbe die Kapitelnummern haben und solange man auf deinen Plots alles erkennt (am PC und gedruckt), ist es auch egal ob das Farbschema schön oder nicht so schön ist. Außerdem sollte man ein paar praktische Dinge beachten, denn wenn jede Seite Farbe enthält wird der Druck auch ganz schön teuer. Natürlich möchte man, dass die Arbeit nachher schick aussieht. Aber wenn man merkt, dass man sich seit zwei Stunde mit Formatierungs- oder Layoutdetails ärgert, sollte man vielleicht ein paar Mal tief durchatmen und das Mantra „Das Layout ist gut genug. Ich schreibe keine Design-Dissertation.“ wiederholen.

Wo und wann?

Die Fragen nach dem wo und wann hängen eng zusammen. Da kommt es natürlich auch auf deine Umstände an. Vielleicht passt es für dich am besten zu Hause zu arbeiten, zum Beispiel, weil du das Home-Office schon gemeistert hast oder weil du ein Kind betreust (falls du das Home-Office noch nicht gemeistert hast, hier Tipps von Ulrike). Eine weitere klassische Option (die auch funktioniert, wenn dein Vertrag schon ausgelaufen ist und du kein Büro mehr hast) ist die Bibliothek. Die ist vielleicht sogar klimatisiert. Wenn du einen Büroplatz hast, bietet der aber auch Vorteile. Meistens zum Beispiel besseren Zugang zu deinen Daten, einen leistungsfähigeren Computer für aufwändige Grafikarbeiten und man kann direkt seine Kollegen mal um Rat fragen.

Bei mir ist es so, dass ich, auch wenn mein Projekt abgeschlossen ist, weiterhin im Laborbetrieb eingeplant bin und daher (fast) jeden Tag in Büro/Labor sein sollte. Mein Plan ist, vormittags im Büro zu sein und nachmittags (wenn man es unter dem Dach ohne Isolation und natürlich ohne Klimaanlage) nicht mehr aushalten kann, in die Bibliothek oder meine Wohnung zu wechseln. Das ist auch wichtig, um mich den Laborverpflichtungen dann zu entziehen. Wenn man im Büro sitzt, kommen ja doch häufig noch andere Aufgaben auf einen zu. Oder es kommt plötzlich jemand mit Kuchen und Sekt vorbei … wobei, das könnte auch ein Argument für das Büro sein.

Wenn man die Möglichkeit hat, ist es vielleicht auch gut, einen totalen Ortwechsel zu haben. Ich plane ein paar Wochen in Detroit zu schreiben (Fernbeziehung, Ideen und Aufmunterung dazu könnt ihr hier nachlesen). Außerdem habe ich mir vorgenommen am Wochenende häufiger mal zu meinen Eltern zu fahren. Erstens freuen die sich (und ich mich auch), zweitens ist der Sommer in Ostfriesland viel besser zu genießen als in Münster und drittens ist es super praktisch, wenn mal wer anders kocht und einkauft (und einen Trockner haben die auch!).

Zum wann gehört auch sich einen Zeitplan zu erstellen. Darin sollte man auch andere Verpflichtungen einbeziehen. Vieleicht musst du noch ein Praktikum betreuen, oder eine Konferenz besuchen oder verbringst relevant viel Zeit im Labor.

Struktur der Dissertation

Es ist wesentlich leichter ein Unterkapitel zu schreiben, wenn man schon weiß was darin stehen soll. Daher beginnt man am besten damit, sich eine Struktur für die Dissertation zu überlegen. Der Paper-Standard Einführung – Methoden – Ergebnisse – Diskussion – Konklusion bietet da einen guten Startpunkt.

Zunächst einmal muss man sich Gedanken um die grobe Struktur machen. Das ist relativ einfach, wenn deine Diss ein zusammenhängendes Projekt beschreibt und etwas schwieriger, wenn du dich mit mehreren, recht unterschiedlichen Projekten beschäftigt hast. Dann kann man sich überlegen, ob man die Projekte mehr auf der Methodenseite zusammenbringt („In dieser Arbeit geht es um Dinge, die man mit einem Fluoreszenzmikroskop machen kann“) oder auf der thematischen Seite. Wenn das beides nicht so richtig funktioniert, kann man die Diss auch einfach in zwei unabhängige Teile teilen.

Die Struktur der gesamten Arbeit hat man meistens recht schnell. Die Struktur der einzelnen Kapitel, ist etwas schwieriger. Wenn man zu dem Kapitel auch ein Paper veröffentlicht hat, kann man natürlich die Struktur übernehmen. Ansonsten finde ich es ganz hilfreich sich auf ein echtes Blatt Papier die Aussagen zu schreiben, die man in dem Kapitel machen will und es auseinander zu schneiden. Dann kann man die Zettelchen hin- und herschieben und hat eine gute Visualisierung des Inhaltes. Es ist auch hilfreich, sich ein Ziel für das Kapitel zu setzten. Für ein Ergebniskapitel wäre das vielleicht „dieses Kapitel soll zeigen, dass x und y die wichtigsten Ergebnisse sind und diese und jene Relevanz für weiter Versuche haben.“. Für ein Theoriekapitel könnte es sein „Dieses Kapitel soll dafür sorgen, dass mein Fachfremder Gutachter auch weiß wie Methode xy funktioniert.“  oder „Dieses Kapitel soll die folgenden häufig unklar benutzen Begriffe erläutern.“.


Viel Erfolg beim Schreiben! Wenns mal gar nicht läuft kann man zur Abwechslung auch Brownies oder Cookies backen. Vielleicht kommt man über diesen Schaffensprozess ja auch in den schreiberischen Schaffensprozess.

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