Wie bearbeite ich meine eigenen Texte?

Den Rotstift zücken… image: https://martyhing.wordpress.com/tag/science-writing/

Ob wir es wollen oder nicht, ein zentraler Teil unseres Daseins als Wissenschaftler ist das Arbeiten mit Texten – entweder passiv oder aktiv. Das gilt für die von uns, die schon als Schüler bei der Schülerzeitung gearbeitet haben und die Nachmittage lesend im Bett verbracht haben und alle die, die sich nur schwer dazu bringen können, das Labor mit all seinen wichtigen Fragen und Entdeckungen für mühselige Stunden am Schreibtisch zu verlassen. Denn Texte sind das wichtigste Format, in dem wir als Wissenschaftler untereinander debattieren. Und deshalb sollten unsere Texte es den Lesern so leicht wie möglich machen, unsere Fragen, Gedanken und Schlüsse nachzuvollziehen!

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Academic Small Talk

In einigen Punkten entspreche ich dem Physikerinnen-Klischee: es stört mich wirklich sehr, wenn Bilder schief hängen und ich hasse Small Talk.

Während man Bilder ziemlich leicht zurecht rücken kann, bleibt der Small Talk eine echte Herausforderung. Drumherum kommt man leider nicht, von der WG-Party über die Familienfeier bis zu den Pausen auf Konferenzen. Irgendwie muss man ja mit den Leuten reden.

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Effizient lesen für die Diss. (oder: Wie lese ich einen Text?)

Als Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sind wir automatisch Viel-Leser. Wenn ich irgendetwas während meiner Promotion gelernt habe, war das wohl, möglichst viele Texte innerhalb kürzester Zeit sinnerfassend zu lesen. Texte zu lesen, daraus relevante Informationen für uns herauszufiltern, Argumente gedanklich nachzuvollziehen und zu überprüfen – das ist unser täglich Brot.

Ich bin dabei stets mit einer Mischung aus Methode und Intuition vorgegangen – abhängig in erster Linie davon, wie viel Zeit und Muße ich hatte. Die Exzerpte, die ich zu Beginn meiner Promotion erstellt habe, haben zum Beispiel alle oben im Dokument einen hellgrau hinterlegten Kasten, in dem ich die wichtigsten Infos zum Text sowie das Hauptargument zusammengefasst habe und mir eine Notiz gemacht habe, wofür ich den Text wohl verwenden könnte. Sehr praktisch, vor allem, wenn ich drei Jahre später nochmal schnell nachgucken wollte, was eigentlich in einem bestimmten Text stand. Das habe ich allerdings nur so ein halbes Jahr lang durchgehalten… ganz am Ende hatte ich von vielen Texten gar keine Exzerpte mehr, sondern habe nur noch das pdf-Dokument mit virtuellem Gelbstift markiert. Geht auch, ist aber nicht so praktisch.

Meine zugegebenermaßen eher rudimentär angelegte Methode der Textlektüre hatte ich  zu Beginn meines Studiums gelernt. Aus irgendeinem Grund hatte unsere Professorin fünf Fragen an die Tafel geschrieben, die uns beibringen sollten, wie man einen Text liest. Dummerweise habe ich diese Fragen genauso schnell wieder vergessen, wie sie von der Tafel verschwunden waren. Aber was ich mir gemerkt habe: Es ist wichtig, mit Fragen an einen Text zu gehen! Tatsächlich—wie ich bei der Recherche für diesen Post gelernt habe—spielen Fragen auch in den wissenschaftlich entwickelten Lesestrategien eine zentrale Rolle. Solche Lesestragien unterteilen den Leseprozess in einzelne Schritte. Die gängigsten davon nennen sich „SQ3R“ und „PQ4R“ – „Survey – Question – Read – Recite – Review“ (die 3 R’s) und „Preview – Question – Read – Reflect – Recite – Review“ (die 4 R’s). Fragen stehen in beiden Fällen relativ am Anfang!

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Das Home Office meistern, oder: Wie ich lernte, von zu Hause aus zu arbeiten

Während meines Masterstudiums sah mein Tagesablauf meistens so aus: Ich wachte gegen halb 9 auf, frühstückte, machte mich auf den Weg zum Seminar und verbrachte den Rest des Tages abwechselnd im Seminar und in der Bibliothek, wo ich meine Texte las. Oder lesen sollte. Tatsächlich war ich häufig damit beschäftigt, königliche Hochzeiten oder amerikanische Wahlkampfreden live zu verfolgen, lang gedehnte Mittags- oder Kaffeepausen zu machen oder meinen Kaffee und meine Schokoriegel unbemerkt in die Bibliothek zu befördern (erfolgreich!).

Aber die Texte mussten ja trotzdem gelesen werden. Das tat ich abends und nachts. Die richtig produktive Phase begann meistens so gegen 20, 21 Uhr – ich setzte mich mit meinem Laptop oder Text ins Bett und las so lange oder arbeitete so lange an der Hausarbeit, bis mir die Augen zufielen. Das war meistens so zwischen 1 und halb 2 Uhr nachts. Dann klappte ich den Laptop zu und legte ihn direkt neben mein Bett, wo ich ihn morgens gleich griffbereit hatte, um meine Mails zu checken. Continue reading “Das Home Office meistern, oder: Wie ich lernte, von zu Hause aus zu arbeiten”

Wie schreibe ich schnell einen guten Forschungsüberblick?

Standing on the Shoulders of Giants – das Motto von Google Scholar fasst den Sinn eines Forschungsüberblicks gut zusammen. In der Tat fange ich ja mit meiner Dissertation nicht bei Null an. Vielmehr reihe ich mich ein in einen Forschungsdiskurs, der manchmal schon seit Jahrzehnten geführt wird. Im Forschungsüberblick ordne ich daher meine Fragestellung in das große Ganze ein: Wer war vor mir? Auf welchen „Schultern“ stehe ich? Auf welche Debatten nehme ich Bezug? Was ist an Vorarbeiten schon geleistet worden? Welche Studienergebnisse berücksichtige ich? Und, am wichtigsten: Welche eklatant klaffende Lücke lässt die bestehende Forschung, die ich Doktorandin—Applaus, Applaus—endlich fülle?

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10 Tipps gegen den Dissertation-Blues

„Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“. Es gab immer wieder Tage (und Wochen…) während meiner Promotion, da beschrieb dieses Zitat meine Stimmungslage ziemlich treffend. Und auch jetzt, wo die Doktorarbeit abgeschlossen ist, gibt es meinen Gemütszustand ziemlich akkurat wieder. Manchmal läuft es einfach nicht. Wenn ich mich so im Bekanntenkreis umschaue, stehe ich damit nicht alleine da. Praktisch jeder Doktorand und jede Doktorandin, den ich kenne, hat sich während der Promotion mit Gedanken des Selbstzweifels, der Einsamkeit, des „Das-wird-doch-alles-nichts,“ des „Warum-tue-ich-mir-das-eigentlich-an“ herumgeschlagen. Da scheint es auch keinen großen Unterschied zu machen, in welchem Fach man promoviert. Ich nenne das den „Dissertation-Blues“.

Manchmal will man einfach im Erdboden verschwinden…

Tatsächlich belegt eine Studie der Universität Gent, die im Mai 2017 im Journal „Research Policy“ veröffentlich wurde, dass die Hälfte der befragten Doktoranden berichteten, unter psychischen Störungen („psychological distress“) zu leiden. Jeder dritte Befragte ist möglicherweise von einer psychiatrischen Erkankung („common psychiatic disorder“) betroffen.“* Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen einer klinischen Depression und dem „Dissertation-Blues“, und wer fürchtet, an einer „echten“ Depression zu leiden, der sollte sich unbedingt Hilfe holen! Oft ist die psychologische Beratungsstelle der Universität ein guter erster Anlaufpunkt. Fast jede Universität bietet kostenlose Beratungsgespräche an und vermittelt niedergelassene Therapeutinnen/Therapeuten.

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Prokrastination – 7 vielleicht hilfreiche Gedanken dazu

Ich schreibe diesen Artikel, um nicht an meiner Doktorarbeit zu arbeiten. Ein Verhalten, das man auch Prokrastination nennt. Aber denkt nicht, dass ich immer mit sinnvollen Dingen prokrastiniere. Das meine Wohnung super aufgeräumt wäre oder mein Tiefkühlfach voll mit leckeren Backwaren. Natürlich bemühe ich auch mal Staubsauger oder Küchenwaage zur Ablenkung, aber viel häufiger lade ich meinen Instagramfeed neu, checke meine Lieblingsblogs, esse Süßigkeiten, schaue alte Gilmore Girls Folgen oder starre einfach aus dem Fenster oder auf den Computerbildschirm. All diese Dinge machen mir keinen Spaß, wenn ich eigentlich ein Paper lesen oder einen Artikel schreiben oder einen Vortrag vorbereiten oder ein Experiment planen oder mich auf ein Meeting vorbereiten sollte. Tatsächlich fühle ich mich beim prokrastinieren ziemlich mies und je länger ich mich vor der unliebsamen Aufgabe drücke, desto schlechter fühle ich mich. Desto schwerer wird es anzufangen, sich zu konzentrieren.

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Promovieren – Soll ich oder soll ich nicht?

Nur, weil man promovieren kann, heißt es nicht, dass man promovieren sollte. Toll, wenn einem die Masterarbeitsbetreuerin Mut macht, weiterzumachen („Sie haben auf jeden Fall das Zeug dazu!“) oder wenn einem sogar eine Stelle an dem Lehrstuhl angeboten wird, an dem man als studentische Hilfskraft gearbeitet hat. Das ist ein großes Kompliment!

Aber es sagt wenig darüber aus, ob die Promotion der richtige Weg für einen selbst ist. Eine Entscheidung für eine Promotion ist eine Entscheidung, die Weichen für den Beruf und für das Privatleben stellt. Es ist eine Entscheidung mit unmittelbaren Konsequenzen für die nächsten drei bis fünf Jahre. Sie beeinflusst wo und wie man lebt, wie viel Geld man zur Verfügung hat und was einem nachts den Schlaf raubt. Es ist definitiv keine Entscheidung, in die man einfach so hineinrutschen sollte, weil sie sich halt anbietet.

Wir haben sechs Fragen gesammelt, die uns geholfen haben oder geholfen hätten, uns für (oder gegen) eine Promotion zu entscheiden: Dinge, die wir wussten und solche, die wir gerne gewusst hätten.

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