The Art of Academic Writing – Auf Englisch Schreiben (3)

Heute gibt es Teil 3 unserer Reihe „The Art of Academic Writing – Auf Englisch Schreiben“. In Teil 1 ging es um die Basics, in Teil 2 gab es Tipps und Tricks für angehende Pros. Heute geht es darum, was man auf Englisch vermeiden sollte, wenn man elegante Texte verfassen will. (Und noch eine persönliche Anmerkung: Dieser Post ist Allie Brudney gewidmet, von der ich einen Großteil dieser Dinge gelernt habe!).

Mittlerweile sind wir auf dem sicheren Weg dahin, uns zu wahren Meistern des eleganten Schreibens zu entwickeln: Wir wissen, dass auf Englisch kurze Sätze König sind, wir Passiv vermeiden, of’s und Präpositionen nur sparsam einsetzen und Titel groß schreiben. Außerdem haben wir uns darin geübt, uns so spezifisch wie möglich auszudrücken, Nomen und Verben eng beieinander zu platzieren und uns kreative Titel und packende Einleitungen auszudenken.

Das also sollen wir tun – heute geht es weiter damit, was wir nicht tun sollten. Übrigens sitzen wir da im gleichen Boot mit den Muttersprachlern, denn auch die haben ja das akademische Schreiben nicht mit der Muttermilch aufgesogen.

Was man vermeiden sollte:

Dinge handeln lassen (Ascribing agency to objects)

Eine der häufigsten Anmerkungen, die ich von meinen amerikanischen Freunden auf meine Texte bekomme, ist: „You’re ascribing agency to objects! (again)“. Damit meinen sie: Ich tue so, als könnten Dinge handeln, indem ich Verben, die eine Handlung beschreibe, mit nicht-menschlichen Subjekten paare. Das tun wir Deutschen übrigens ständig– wenn man einmal anfängt, darauf zu achten, springt es in nahezu jedem akademischen Text ins Auge. Ein ganz einfaches Beispiel ist:

This chapter discusses the reasons behind the recent surge in infant obesity.

Was ist das Problem? Das Subjekt des Satzes ist das Kapitel – welches ja bekanntlich kein Mensch ist und demzufolge auch nicht handeln kann. Nur ein Mensch kann Gründe diskutieren, ein Kapitel kann das nicht. Wir Deutschen benutzen solche Wendungen gerne, weil wir gelernt haben, dass wir selbst als Autoren nicht in Erscheinung treten dürfen. Aber im Englischen dürfen wir das ja! Korrekt wäre also:

In this chapter, I will discuss the reasons behind the recent surge in infant obesity.

Eine gute Frage, um seinen Blick auf solche Fälle zu lenken, ist: Kann ich mir bildlich vorstellen, wie das Subjekt meines Satzes diese Tätigkeit ausführt?

Doppelpunkte

Numerisch gesehen noch häufiger finde ich in meinen korrigierten Texten den Hinweis, ich solle doch bitte die vielen Doppelpunkte sein lassen. Wir Deutschen lieben Doppelpunkte und setzen sie geradezu inflationär ein. Im Englischen ist das schlechter Stil. Denn Doppelpunkte verkomplizieren Sätze unnötig. Es ist nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar, was die Hauptaussage des Satzes sein soll. Wenn ich auf einen Zusammenhang hinweisen will, dann sollte ich das auch sprachlich tun und nicht mit einem Doppelpunkt „abkürzen.“ Doppelpunkte sind im Englischen wirklich nur bei Aufzählungen zulässig oder vor direkter Rede. Übrigens wird danach in den allermeisten Fällen dann klein weitergeschrieben, nicht groß (wie im Deutschen).

In meiner Dissertation habe ich ein ganz gutes Beispiel für eine typisch deutsche Verwendung des Doppelpunktes gefunden, die im Englischen schlechter Stil ist. (Asche über mein Haupt!).

Vorher: They incorporated this differentiation into their theology:Now they argued the biblical mandate for equal privileges for foreigners as for the native-born only referred to legal immigrants.

Besser: Zwei Sätze draus machen!

Nachher: They incorporated this differentiation into their theologyNow they argued the biblical mandate for equal privileges for foreigners as for the native-born only referred to legal immigrants.

Gespaltene Infinitive (split infinitives)

Das ist eine relativ leichte Regel, die von Muttersprachlern mindestens genauso häufig missachtet wird wie von Nicht-Muttersprachlern. Ein gespaltener Infinitiv ist einer, wo sich andere Wörter zwischen das „to“ und das Verb gemischt haben.

Zum Beispiel:

Vorher: The commission decided to once again place the topic of immigration on the denomination’s agenda.

Nachher: The commission decided once again to place the topic of immigration on the denomination’s agenda.

Merke: Das „to“ will nie von seinem Infinitiv getrennt werden!

„Which“ statt Infinitive

Im Deutschen verwenden wir gerne das Wort „welche/r/s“ oder „das,“ um unser Subjekt näher zu erläutern. Das übersetzen wir dann mit „which“ ins Englische, was auch grundsätzlich erst mal nicht problematisch ist. Noch eleganter ist es allerdings, zu schauen, ob ich diese Konstruktion nicht mit einem Infinitiv ersetzen kann – denn das Englische mag Infinitive (siehe oben)!

Vorher: They agreed that Congress should develop legislation which preserved the goals of the Deferred Action for Childhood Arrivals policy.

Nachher: They agreed that Congress should develop legislation to preserve the goals of the Deferred Action for Childhood Arrivals policy.

Überflüssiges („Clutter“)

“Clutter” zu vermeiden, gehört für die hier bereits häufig zitierte Literaturwissenschaftlerin (und unserer persönlicher Stil-Guru) Helen Sword zu den drei Grundregeln eines gelungenen Satzes (die anderen beiden haben wir in Teil 2 behandelt: Spezifische Nomen und lebhafte Verben zu verwenden und diese möglichst nah beieinander zu platzieren). Mit „Clutter“ meint Sword alle Wörter und Nebensätze, die von der eigentlichen Aussage ablenken, die der Satz treffen soll. Das tun sie, indem sie entweder sich zwischen Nomen und Verb schieben – und somit es den Lesern erschweren, auf einen Blick den Sinn des Satzes zu erkennen – oder auf eine andere Art und Weise die Leser durcheinander bringen. „Clutter“ ist also überschüssiger Ballast, wortwörtlich Müll, den wir lieber schleunigst nach draußen befördern!

Typische Auslöser für clutter sind Präpositionen (of, by, to, through),von denen wir ja bereits wissen, dass sie böse sind. Es können aber auch überschüssige Adjektive und Adverben sein, die vom Sinn des Satzes ablenken. Beliebte Auslöser (gerade für uns Nicht-Muttersprachler) sind auch die Worte it, this, that und there. Gerade diese kleinen Wörter verleiten uns dazu, sie mit langen, verschachtelten Nebensätzen (und auch mit be– und have-Verben, die wir ja ebenfalls vermeiden wollen) zu paaren. Das heißt natürlich nicht, dass ich meinen ganzen Text von diesen Wörtern bereinigen sollte – aber sie sollten auch nicht zu häufig vorkommen (siehe Sword, S. 55).

Formale Unterschiede

Nachdem wir nun einen eleganten und stilsicheren Text produziert haben, gibt es noch einige formale Besonderheiten, die wir beachten sollten. Während das oben Genannte eher stilistische Unterschiede sind, die niemand uns als Fehler auslegen würde, würden wir sie nicht beachten, gibt es auch noch einige handfeste formale Unterschiede, die wir kennen sollten.

Das Oxford comma

Das sogenannte Oxford comma (auch serial comma genannt)  ist das letzte Komma in einer Aufzählung, welches direkt auf das „und“ folgt. (Wieder einmal müssen wir uns davon verabschieden, was uns Deutschen hoffentlich seit der fünften Klasse eingetrichtert wurde. Im Englischen darf vor dem und sehr wohl ein Komma stehen!). Das Oxford comma ist zwar nicht zwingend vorgesehen, stilsichere Autorinnen und Autoren verwenden es aber dennoch – mal wieder im Sinne der Präzision.

Beispiel (geklaut von grammarly):

Ohne Oxford comma: I love my parents, Lady Gaga and Humpty Dumpty.

 Mit Oxford comma: I love my parents, Lady Gaga, and Humpty Dumpty.

Nur im zweiten Fall ist eindeutig, dass es sich bei meinen Eltern nicht um Lady Gaga und Humpty Dumpty handelt.

Ausschreiben von Zahlen (CMOS)

Diese unterscheiden sich im Englischen von Style guide zu Style guide und von Disziplin zu Disziplin. In den Geisteswissenschaften ist das Chicago Manual of Style (CMOS) das Mittel der Wahl (und jeder, der regelmäßig auf Englisch schreibt, sollte sich zumindest ein gebrauchtes Exemplar besorgen – da gerade eine neue Edition erschienen ist, gibt es die gerade relativ günstig). Nach dem CMOS (Sektion 9.2-9.6) gelten – grob gesehen – folgende Regeln zum Ausschreiben von Zahlen:

  • Ganze Zahlen werden von eins bis hundert werden ausgeschrieben.
  • Jede Zahl, auf die hundred, thousand, hundred thousands folgt, wird ausgeschrieben. (Also „the gathering drew seven thousand specators“ statt „7000 spectators“).
  • Jede Zahl, die am Anfang eines Satzes steht, wird ausgeschrieben. Wenn das komisch aussehen würde, sollte der Satz so umformuliert werden, dass die Zahl nicht mehr am Anfang steht. Das gilt auch für Jahreszahlen!

Das sind die groben Regeln – für Ausnahmen (zum Beispiel bei Prozentzahlen, Zahlen, die in technischen Zusammenhängen genannt werden etc.) empfiehlt sich ein Blick ins CMOS.

Satzzeichen innerhalb der Anführungszeichen und Klammern!

Auch das erscheint uns Deutschen kontra-intuitiv. Im amerikanischen Englisch (nicht im Britischen Englisch!!) stehen Satzzeichen innerhalb von Klammern und innerhalb von Anführungszeichen.

Beispiel: Mama always said „Life is like a box of chocolates, you never know what you’re gonna get.“

Einen guten Überblick über Satzzeichen im Englischen findet ihr übrigens hier (unter VI. Mechanics): https://explorationsofstyle.com/for-new-visitors/

***

Und damit entlasse ich euch in die Kunst des akademischen Schreibens! Wer sich näher mit dem Thema auseinander setzen will, dem sei das bereits häufig ziterte „Stylish Academic Writing“ ans Herz gelegt. Von der Autorin Helen Sword gibt es übrigens auch ein sehr praktisches Tool, das mir verrät, wie gut oder sperrig mein Text ist. Auf ihrer Website kann ich einfach einige Sätze meines Textes in ein Feld copy&pasten und der Algorithmus verrät mir, an welchen Strukturen ich arbeiten muss!

Den Writer’s Diet Test findet ihr hier: http://writersdiet.com/test.php

Viel Spaß und elegantes Schreiben euch!

Unser Cheat Sheet:

Schön schreiben:

  • Kann mein Subjekt tatsächlich das tun, was ich behaupte, dass es tut? (ascribing agency to objects)
  • Muss ich Doppelpunkte streichen?
  • Ist jedes to direkt mit seinem Infinitiv gepaart? (no split infinititives)
  • Gibt es which’s, die ich mit to+Infinitiv ersetzen kann?
  • Habe ich meine Sätze von unnötigem Ballast („clutter“) befreit?

Richtig schreiben:

  • Verwende ich das Oxford comma?
  • Habe ich meine Zahlen bis hundert ausgeschrieben?
  • Stehen meine Satzzeichen innerhalb der Klammern und Anführungsstriche?

Hilfreiche Links:

 

Literaturverweise:

Helen Sword, Stylish Academic Writing (Cambridge, MA etc.: Harvard University Press, 2012).

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